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0814 - Der geheimnisvolle Engel

0814 - Der geheimnisvolle Engel

Titel: 0814 - Der geheimnisvolle Engel
Autoren: Christian Schwarz
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Die Hölle, ferne Vergangenheit:
    Der riesige Körper mit den gewaltigen Schwingen zeichnete sich als tiefschwarzer Schattenriss gegen den düsterrot glosenden Hintergrund ab. Selbst die unaufhörlich zuckenden grellgelben Blitze konnten die Gestalt nicht erhellen. Lucifuge Rofocale stand reglos auf einem Hügel. Er hatte die Arme vor dem muskulösen Oberkörper verschränkt und wartete.
    Allzu lange musste Satans Ministerpräsident das aber nicht. Weil niemand es wagte, ihn warten zu lassen. In unmittelbarer Nähe materialisierte eine zweite, weitaus kleinere Teufelsgestalt in einer stinkenden Schwefelwolke.
    Es war Asmodis, Fürst der Finsternis.
    »Eine bisher unterschätzte Gefahr beginnt sich zu manifestieren«, erklärte Lucifuge Rofocale, »die die Hölle in ihren Grundfesten erschüttern wird, wenn wir ihr nicht sofortigen Einhalt gebieten. Deswegen habe ich einen heiklen Auftrag für dich, Fürst.«
    Asmodis schaute den nach LUZIFER mächtigsten Höllendämon misstrauisch an. »Lasst hören, Hoheit…«
    ***
    Königsburg Vordingborg, Dänemark, 14. Dezember, im Jahre des Herrn 1167:
    Waldemar I., in ein rotgrünes Wams gekleidet, sprang völlig unköniglich von seinem Stuhl auf und eilte auf den Mönch zu, der soeben ins Turmzimmer trat. Der Geruch frischer, kalter Winterluft umwehte den Ankömmling. »Mein treuer Eskil«, sagte der Dänenkönig erfreut. »Ich habe Euch bereits erwartet. Sagt, was bringt Ihr mir für Kunde?«
    »Die beste, mein König, die beste.« Eskil von Lund beugte zum Zeichen seiner Ehrerbietung leicht den Oberkörper und gestattete sich ein kurzes Lächeln. Dann schlüpfte er aus seinem dicken Reisemantel. Letzter Schnee rieselte zu Boden. Der schlanke, sehnige, groß gewachsene König achtete nicht darauf. Sein Blick fixierte die leuchtend blauen Augen in dem asketischen, jetzt winterroten Gesicht, das von einem kurzen braunen Bart umrahmt wurde.
    »Doch gestattet mir zuerst eine Frage, mein König, bevor ich Euch berichte. Ihr habt mich bereits erwartet? Das verstehe ich nicht. Eigentlich könnt Ihr nichts von meinem heutigen Kommen wissen, da ich mich nicht angekündigt hatte. Oder habt Ihr Eure Spione tatsächlich überall?«
    Ein verklärtes Leuchten erschien auf dem Gesicht Waldemars. »Das nun doch nicht, mein treuer Eskil. Und trotzdem wusste ich, dass Ihr heute kommt. Denn dieser wunderbare Schutzengel, von dem Ihr mir berichtet habt, erschien gestern Nacht nun auch mir und kündigte Euer Kommen an.« Waldemar nahm die königliche Kappe aus grünem Samt, die an einem silbernen Stirnreif befestigt war, vom Kopf und drehte sie in den Händen.
    »Ich muss sagen, nun kann ich Euch besser verstehen, Eskil. Dieser Gottesbote ist in der Tat ein Wesen von so vollkommener Reinheit, dass man bei seinem Anblick jubilieren möchte. Viel schöner noch ist er, als Ihr ihn mir beschrieben habt.«
    »Wer vermag einen Engel wahrhaftig zu beschreiben, mein König«, erwiderte der Mönch bescheiden. »Auch mir ist dies nicht gegeben. Aber mit Verlaub, mein König, ich bin mir sicher, dass es sich bei diesem strahlenden Wesen, das meine Seele erhellt und meinen Verstand erleuchtet, keineswegs um einen niederen Schutzengel handelt, aber auch nicht um einen Erzengel. Er muss ein Cherubim oder vielleicht sogar ein vollkommener Seraphim sein, der jeden Tag Gottes verehrungswürdiges Antlitz schauen darf. Unendlich weit über einem einfachen Schutzengel thronend.«
    »Da mögt Ihr Recht haben, Eskil. Aber setzt Euch doch zuerst mal. Ihr seid sicher hungrig und durstig. Ich habe Euch etwas vorbereiten lassen.« Ein kurzer Ruf des Königs genügte. Dann kredenzten Diener gebratene Wachteln, roten Wein und allerlei Spezereien.
    Eskil von Lund ließ es sich schmecken. Er hatte in der Tat einen kräftigen Hunger und einen noch größeren Durst. »Ein gutes Tröpfchen«, sagte er anerkennend, als er am Wein nippte. »Eines Königs wahrhaft würdig.«
    Waldemar, der ebenfalls mit zulangte, lachte. »Da habt Ihr schon wieder Recht. Dieser edle Tropfen ist nicht nur eines Königs, sondern sogar eines Kaisers würdig. Er stammt von der Mosel und ist der Lieblingswein des Kaisers Friedrich Barbarossa, dem ich vor fünf Jahren den Lehenseid geleistet habe. Dafür hat er mir nicht nur das Königreich Dänemark zum Lehen gegeben, sondern sendet mir auch alljährlich ein gut Kontingent dieses wunderbaren Weines. Lasst ihn Euch gut schmecken.«
    Bevor die beiden zum Kern ihres Treffens kamen, redeten sie über die

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