Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

0810 - Homo sapiens X7

Titel: 0810 - Homo sapiens X7
Autoren: Unbekannt
Ads
dieser Körper, in dem er sich befand, genau jener war, den er vor dem Sturz der Erde in den Schlund noch allein beherrscht hatte.
    Wenn sich diese Vermutung als richtig erweisen sollte, hatte ES Vanne von vornherein die wichtigste Rolle zugedacht.
    Um jedoch ganz sicher zu sein, mußte Vanne sich irgendwo in einem Spiegel betrachten können.
    Immerhin, dachte er mit einem Anflug von Humor, war er jetzt sechsmal klüger als früher und besaß Fähigkeiten, die er wahrscheinlich niemals hätte erlernen können.
    Die Entwicklung, die er durchgemacht hatte, erschien ihm selbst unter kosmischen Gesichtspunkten bedeutsam.
    Als Aphiliker geboren, war er durch den Verzehr der PILLE zu einem fühlenden Menschen geworden.
    Kaum daß er sich an diese neue Zustandsform gewöhnt hatte, war sein Körper entmaterialisiert, und er hatte sich als bloßes Bewußtsein in dem gewaltigen geistigen Sammelbecken von ES wiedergefunden. Nun war er wieder in der materiellen Welt aufgetaucht, zusammen mit sechs anderen Bewußtseinen in einem Körper.
    Plötzlich zuckte er zusammen.
    Am Horizont erschien ein Lichtschimmer.
    Sofort begab sich das Bewußtsein von Hito Guduka an die Spitze des Verbundes.
    Der Totalenergie-Ingenieur beobachtete, daß über dem Horizont der obere Abschnitt einer glühenden Kugel erschien.
    Das Land mußte vollkommen flach sein, anders war dieser eigenartige optische Effekt nicht zu erklären.
    Eine Sonne ging auf - eine künstliche Sonne, wie Guduka gleich darauf erkannte.
    Gemessen an ihrer Größe und Entfernung reichte sie sicher nicht aus, um diese Welt zu erwärmen.
    Entweder hatte sie symbolische Bedeutung, oder sie sollte für Wesen, die Guduka nicht kannte, den Tag-Nacht-Rhythmus erhalten.
    Als der künstliche Stern in seiner vollen Größe sichtbar geworden war, reichte das von ihm ausgehende Licht aus, um das Land sichtbar werden zu lassen.
    Es war keineswegs so flach, wie Guduka zunächst angenommen hatte, sondern wies eine Reihe seltsamer Erhöhungen auf. Links von Guduka lag eine Kette zackenförmiger Hügel, viel zu regelmäßig angeordnet, um geologischen Ursprungs zu sein.
    Der Boden selbst war mattblau und fugenlos. Er sah aus, als hätten Unbekannte eine Glasur aus poliertem Stahl über die gesamte Oberfläche der Welt gegossen.
    Zwischen den Hügelreihen und einigen Gebilden von unterschiedlicher Form auf der rechten Seite erstreckte sich die Ebene, die Guduka zunächst gesehen hatte, bis zum Horizont.
    Das Bewußtsein befahl dem Körper, sich langsam um die eigene Achse zu drehen.
    Vor Guduka breitete sich eine kompakte Zusammenballung fremdartiger Gebilde aus.
    Vielleicht war es eine Art Stadt, vielleicht war es auch etwas völlig anderes ...
     
    4.
     
    Im Gegensatz zu den beiden Abgesandten war Varryleinen Ev Cymth ein schlechter Wanderer, so daß Wastor und Klamous immer wieder anhalten und warten mußten, bis er zu ihnen aufgeschlossen hatte.
    Sie hatten die Ebene der Graphitsäulen durchquert und Endetal mit der Todesschachtel ebenso weit hinter sich gelassen wie den Wachturm, in dessen Nähe Ev Cymth den größten Teil seines Lebens verbracht hatte.
    Dabei waren sie an der Öffnung der Großen Tube vorbeigekommen. Das bodenlose Loch war Ev Cymth eher wie ein gieriges Maul erschienen denn als eine Quelle flüssigen Breies.
    Der Ort hatte eine unheimliche Ausstrahlung, so daß der Wächter Erleichterung verspürt hatte, als sie von dort aufgebrochen waren.
    Seine beiden Begleiter schienen nicht von solchen düsteren Ahnungen geplagt zu werden - auf jeden Fall sprachen sie nicht darüber.
    Hinter dem Horizont lag die Festung Phark.
    Ev Cymth hatte von ihrer Existenz gewußt, aber er hatte sie noch nie gesehen.
    Kaftra war aufgegangen und beleuchtete den Komplex, der in seiner gewaltigen Ausdehnung den Wächter unwillkürlich an eine häßliche Riesengeschwulst erinnerte.
    „Haben dort die Gegangenen gelebt?" erkundigte sich Wastor. (Er hatte, damit Ev Cymth ihn von Klamous unterscheiden konnte, ein blaues Kopfband angelegt.) „Bevor sie nach Endetal gegangen sind, ja", bestätigte der Wächter.
    Sein massiger Körper ruhte jetzt auf allen vieren. Er war froh über den Aufenthalt, nicht nur, weil dieser ihm zu einer Ruhepause verhalf, sondern weil er es für einen Akt unverantwortlichen Leichtsinns angesehen hätte, einfach in die Festung hineinzumarschieren.
    Für seine Furcht gab es keinen vernünftigen Grund, aber Ev Cymth stellte fest, daß eine Reihe vergessen geglaubter Ängste aus

Weitere Kostenlose Bücher

Strange Highways
Strange Highways von Dean Koontz
Die Blutgabe - Roman
Die Blutgabe - Roman von Franka Rubus
Die Stimme des Wirbelwinds
Die Stimme des Wirbelwinds von Walter Jon Williams
Skeleton Key
Skeleton Key von Anthony Horowitz