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0810 - Homo sapiens X7

Titel: 0810 - Homo sapiens X7
Autoren: Unbekannt
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Vergangenheit.
    Körperlos hatte er in ES geschwebt, nacktes Bewußtsein.
    Zunächst war er ausgesprochen glücklich gewesen und hätte seine Daseinsform gegen kein noch so verheißungsvolles materielles Leben eingetauscht.
    Dann jedoch hatten ihn die Verhältnisse innerhalb von ES mehr und mehr belastet. Es hatte sich herausgestellt, daß ES nicht in der Lage war, zwanzig Milliarden zusätzlicher Bewußtseine zu integrieren. Der mentale Druck innerhalb des Geisteswesens war ständig angestiegen.
    Vielleicht, dachte Vanne, war das der Grund, daß er und sechs andere Bewußtseine sich nun in einem Körper außerhalb von ES wiedergefunden hatten.
    Vanne wußte, daß ES bereits mehrfach Bewußtseine ungewollt abgegeben hatte, weil der geistige Druck nach einem Ventil gesucht hatte.
    Diesmal war der Ausstoß von Bewußtseinen kontrolliert erfolgt.
    Um so mehr wunderte Vanne sich über die Zusammensetzung dieser kleinen Gemeinschaft von Bewußtseinen in einem Körper.
    Was bezweckte ES mit diesem Verbund?
    Vanne hatte den Eindruck, daß man von ihm und den sechs anderen irgend etwas erwartete.
    Im Grunde genommen befanden sich sieben Spezialisten in diesem Körper.
    Welche Aufgabe sollten sie lösen?
    Vanne senkte den Kopf.
    Er war froh, wieder einen Körper zu besitzen, wenn er ihn auch mit sechs anderen Bewußtseinen teilen mußte.
    Die Luft, die er einatmete, war geruchlos, so daß sie ihm keinen Hinweis auf den Zustand der näheren Umgebung geben konnte. Das Licht der fernen Sterne reichte nicht aus, um die Dunkelheit auch nur schwach zu erhellen.
    Trotzdem stand Vanne auf.
    Kaum daß er sich aufgerichtet hatte, wurde er zurückgedrängt, und Indira Vecculi übernahm die Steuerung des Körpers.
    Sie versuchte, die Situation zu ergründen. Dabei wurde sie durch die Tatsache abgelenkt, daß sie innerhalb eines maskulinen Körpers operieren mußte.
    Zur Zeit der Aphilie hatte sie nie das Bedürfnis gekannt, gefühlsmäßige Beziehungen zum männlichen Geschlecht aufzunehmen, und zu sexuellen Kontakten war es aufgrund ihres Alters und ihrer Häßlichkeit niemals gekommen.
    Als wüßte der gemeinsame Körper, daß solche Überlegungen in der augenblicklichen Lage gefährlich waren, schickte er das Bewußtsein von Albun Kmunah an die Oberfläche.
    Der Alpha-Mathematiker begann sofort, die wenigen Informationen, die ihnen zur Verfügung standen, zu verarbeiten. Vannes Erkenntnis, daß sie sich auf einem Himmelskörper in einer sternenarmen galaktischen Randzone befanden, entsprach zweifellos den Tatsachen. Es war auch richtig, daß sie von ES bewußt ausgestoßen worden waren.
    Die Zusammensetzung der Bewußtseinsgruppe deutete außerdem darauf hin, daß man von ihnen die Lösung technischwissenschaftlicher Probleme erwartete.
    Dabei war es denkbar, daß diese Probleme konstruiert waren.
    Alles konnte ein Experiment sein, um einen mit sieben Bewußtseinen bestückten menschlichen Körper zu testen.
    Kmunah bewegte sich nicht.
    Solange die Umgebung fremd war, konnte jeder Schritt verhängnisvoll sein.
    Kalkulierte ES Tod und Vernichtung des abgestoßenen Verbundes ein? überlegte Kmunah.
    Was geschah beim Tode dieses Körpers?
    Kehrten die Bewußtseine in ES zurück, oder mußten sie mit ihrem Körper sterben?
    All diese Dinge waren des Nachdenkens wert.
    Schon als Aphiliker war Albun' Kmunah ein stiller und zurückhaltender Mensch gewesen. Ihn belastete die Gegenwart der sechs anderen Bewußtseine nicht, und er war bereit, sich sofort zurückzuziehen, wenn einer der anderen nach vorn drängen sollte.
    Die Sterilität der Luft und die totale Stille erweckten in Kmunah den Verdacht, daß sie sich in einer künstlichen Umgebung befanden, vielleicht sogar auf einem künstlichen Himmelskörper.
    War das das Problem von ES?
    Sollte eine Heimat für jene Bewußtseine aktiviert werden, die von ES nicht mehr gehalten werden konnten?
    Kmunahs Gedanken kreisten so intensiv um Variationen der Wahrheit, daß er kaum merkte, wie er in den Hintergrund trat und wieder Platz für Kershyll Vanne machte.
    Natürlich, dachte er, der einstige Immunenjäger, war Abwarten richtig.
    Aber nur für eine gewisse Zeit!
    Schließlich konnte er nicht ewig hier stehenbleiben und warten, daß irgend etwas geschah.
    Wenn alles ruhig blieb, wollte Vanne die Initiative ergreifen.
    Dabei kümmerte es ihn wenig, wie die sechs anderen darüber dachten. Solange er das Kommando hatte, würde er Entscheidungen treffen.
    Außerdem gab es ganz konkrete Hinweise, daß

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