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Titel: 08
Autoren: Man stirbt nur zweimal
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seinen Krebstod.
    Ich war nicht traurig, als ich es erfuhr. Das ist ziemlich mies, ich weiß. Ich habe sogar die Labortests eigenhändig noch einmal durchgeführt, um sicherzugehen. Ich war erleichtert. Und das als einziger Sohn meines Vaters.
    Mein Name ist Marc Spangler. Ich bin Arzt im praktischen Jahr in der Notaufnahme eines der meistfrequentierten Krankenhäuser in Minneapolis, und ich lebe in einer Villa. Nein, ich bin nicht reich. Noch nicht... Und möglicherweise werde ich es auch nie sein, wenn ich mich nicht auf Kardiologie, Onkologie oder Facelifls spezialisiere.
    Glücklicherweise ergreift man diesen Beruf nicht, um viel Geld zu verdienen. Was auch gut so ist, denn als ich einmal meine Schichten in Stundenlohn umgerechnet habe, fand, ich (eher zufällig) heraus, dass jede Sprechstundenhilfe mehr Geld verdient als ich.
    Aber zurück zur Vil a und ihren Bewohnern. Meine besten Freunde sind ein Vampir und die reichste Frau in Minnesota (und, wie Jessica selbst betonen würde, nicht die reichste schwarze Frau, sondern tatsächlich ... die reichste Frau). Eigentlich sind sie sogar meine einzigen Freunde. Nachdem ich das Mist 10
    kaf , in dem ich aufgewachsen hin, erst einmal verlassen hatte, bin ich nie wieder dorthin zurückgekehrt. Und das werde ich auch nie.
    Ich habe schon seit einer Weile keinen Sex mehr gehabt, aber dafür führe ich von al en, die ich kenne, das interessanteste Leben ... Betsy und Sinclair vielleicht einmal ausgenommen, den König und die Königin der Vampire.
    Ohhhh, Sinclair. Bei ihm gerate ich leicht ins Schwärmen. Groß, breitschultrig, dunkles Haar, dunkle Augen, lange Finger, und wenn er und Betsy miteinander schlafen, wackelt die ganze Vil a. Dann gehe ich meistens aus und betrinke mich.
    Vor allem, weil ich mich schon immer sehr stark zu ihm hingezogen gefühlt habe.
    Aber auch, weil mich Betsy, ohne es zu wollen, mit ihrem Vampircharme bezirzt hat
    ... Sie ist die einzige Frau, mit der ich je ernsthaft habe schlafen wol en. Und -
    verstehen Sie mich nicht falsch; ich liebe sie über al es - es ist wahrscheinlich gut, dass wir es nie getan haben. Sie ist besessen von Schuhen, schimpft ständig auf ihren Job, um den sie nicht gebeten hat und den sie nicht will, und schafft es (ganz unbewusst, dessen bin ich mir sicher), dass sich immer alles nur um sie dreht. Nein, nein, nein.
    Wenn sie meine Freundin wäre, hätte ich mir wahrscheinlich schon nach einer Woche eine Kaliumspritze ins Herz gerammt.
    Sie besitzt achtundzwanzig Paar schwarze Pumps. Achtundzwanzig! Ich habe sie selbst gezählt. Nicht nur einmal, sondern zweimal, um sicherzugehen, dass ich nicht hal uziniere. Beim zweiten Mal kam ich dann auf neunundzwanzig. Diese acht-oder neunundzwanzig Paare machen ungefähr ein Drittel ihrer gesamten Kol ektion aus.
    Ihre Liebe zu gutem Schuhwerk ... ist beinahe pathologisch.
    Doch während ich darüber nachdachte, ob ich tatsächlich 10
    mal Sex mit einer Frau ausprobieren sol te, war Betsy sich ihrer Wirkung auf mich gar nicht bewusst. Dass ich oft an sie dachte und ein bisschen mehr Aftershave auflegte, dass ich sie wollte ...es geschah, ohne dass sie es darauf angelegt hätte. Als Wissenschaftler wünschte ich mir, ich hätte sie schon vor ihrem Tod gekannt, um ihr Charisma post mortem mit ihrem „Vampir-Mojo", wie sie es nennt, vergleichen zu können.
    Aber warum schreibe ich die ganze Zeit über Betsys erstaunlichen und gefährlichen Sexappeal? Eigentlich wol te ich etwas ganz anderes sagen.
    Ich glaube, der eigentliche Grund, warum ich noch einmal ein Tagebuch begonnen habe, ist, dass nicht mehr alles nur noch eitel Sonnenschein und Friede, Freude, Eierkuchen ist. Die Guten gewinnen nicht immer. Ich dachte, das hätte ich bereits während meines Medizinstudiums gelernt, aber damals wusste ich rein gar nichts vom Tod.
    Heute weiß ich sehr viel mehr.
    Menschen sterben. Gute Menschen sterben. Freunde sterben. Und ich finde, jemand sollte das alles einmal niederschreiben. Weil ich nämlich Angst habe, dass ich irgendwann einmal in einem Privatflugzeug reisen werde, und zwar nicht in der ersten Klasse - wenn Sie verstehen, was ich meine.
    Den Colonel würde es vielleicht interessieren. Vielleicht. Aber ich werde nicht mehr da sein, um es herauszufinden, also ist es wohl auch nicht von Bedeutung.
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    4
    Mein Gatte zog eine Grimasse, als ich mich mit Baby Jon in den Armen neben ihn fallen ließ. Er war nie besonders scharf darauf gewesen, Vater zu werden.
    Umso größer war

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