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0733 - Die Silbermond-Bestie

0733 - Die Silbermond-Bestie

Titel: 0733 - Die Silbermond-Bestie
Autoren: W.K. Giesa
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unerwünscht war. Auch wenn Rakko einer jüngeren Generation von Kältepriestern angehörte als seine Vorgänger und auch der Erste war, der sich nicht mehr »Oberpriester« nennen ließ, gab es die alten Rivalitäten und Animositäten zwischen der Sicherheitsbehörde und der Priesterschaft nach wie vor.
    Julian Peters dagegen ließ sich nicht einfach fortschicken. Bei ihm wagte es der Tempelherr den Versuch auch erst gar nicht. Er wusste nur zu gut, dass es ohne das Eingreifen des Träumers das Volk der Sauroiden längst nicht mehr gäbe. Julian hatte damals eine Regenbogenbrücke geschaffen, über die die Sauroiden von ihrer zerfallenden, sterbenden Welt zum Silbermond wechseln konnten, wo sie eine neue Heimat gefunden hatten.
    Aufmerksam verfolgte Julian die Vorbereitungen. Die Kältepriester verwendeten Magie, um den Monsterbaum zu transportieren. Das war am sichersten, weil ihn so niemand mit den Händen zu berühren brauchte. Immer noch eingefroren, strahlte er erhebliche Kälte aus, die den Echsenmenschen gar nicht gefiel. Als Amphibien brauchten sie Wärme, Kälte verlangsamte ihre Reaktionen bis hin zur Schlafstarre. Der Baum hätte ihnen entgleiten und irgendwo anstoßen und zerschellen können. So aber schwebte er, von der Echsenmagie getragen, durch die Gänge seinem Ziel entgegen.
    Die Stärke dieser Echsenmagie erschreckte Julian immer wieder. Sie resultierte daraus, dass die einstige Echsenwelt ein anderes magisches Grundniveau erreicht hatte. Wer in der normalen Welt ein starker, mächtiger Magier war, konnte seine Fähigkeiten und Kräfte in der Echsenwelt nahezu vergessen, während umgekehrt ein Sauroide auf der Erde - selbst wenn er daheim magisch gesehen ein kleines Licht war - die Sonne scheinen lassen konnte, wie er wollte…
    Dieses gigantische magische Potenzial hatten die Sauroiden zum Silbermond mitgebracht und in all den Jahren, die sie nun schon dort lebten, nicht verloren. Es hatte keine Angleichung gegeben.
    Mit der Zeit begann Julian in diesem magischen Potenzial eine Bedrohung zu sehen. Denn er spürte, dass seine eigene Kraft nachließ. Vor Jahren war er wesentlich mächtiger gewesen als heute, konnte wesentlich mehr bewerkstelligen.
    Er war innerhalb eines Jahres vom Säugling zum Jugendlichen herangewachsen. Danach hatte sein Alterungsprozess sich rapide verlangsamt, aber so wie sich die körperliche Entwicklung dem Normalzustand anglich, tat dies auch seine Magie. Immer noch war er in der Lage, mit seinen Träumen Welten zu erschaffen, allein durch seine Vorstellungskraft, aber es fiel ihm immer schwerer. Es war, als gäbe es eine direkte Verbindung zwischen seiner körperlichen und seiner magischen Entwicklung.
    Längst begann er zu überlegen, ob er nicht dafür sorgen sollte, dass die Sauroiden ihm nicht gewissermaßen über den Kopf wuchsen. Er wollte die Kontrolle nicht verlieren, nicht abgeben müssen.
    Aber wie sollte er ihre Magie dämpfen, ohne ihnen gleich den Krieg zu erklären? Einen Krieg, den er verlieren musste!
    Er konnte nur hoffen, dass sie von sich aus nichts unternahmen, um seine Kontrolle einzuschränken - oder dass sie nicht merkten, dass er allmählich an Macht und Kraft verlor.
    Nachdenklich verfolgte er die Vorbereitungen. Die Sauroiden brachten den Monsterbaum in eine Art Labor und ließen ihn auf eine Plattform sinken. Julian sah im Hintergrund eine Reihe seltsamer Apparate und Instrumente, unter denen er sich nichts vorstellen konnte. Schließlich war er kein Wissenschaftler.
    Die Priester schon, die aus ihren Wissenschaften eine Religion gemacht und damit eine Ewigkeit lang versucht hatten, sich das Volk zu unterwerfen. Leute wie Reek Norr hatten stets dagegen an gearbeitet. So war jene Rivalität einst entstanden…
    Julian schob diese Gedanken beiseite und konzentrierte sich auf den Baum, der mit seinem schwarzen Holz und seinen schwarzen Blättern unheimlich wirkte.
    Und so etwas habe ich erweckt?, dachte er etwas bestürzt.
    Als er Padrig YeCairn und auch Reek Norr dabei unterstützte, die Lebensbäume zu erwecken, waren sie normale, vertrocknete Hölzer gewesen, nicht dieses vor Saft und Kraft strotzende Gebilde. Bei dem ersten Baum hatte ja auch alles hervorragend funktioniert.
    Dann aber…
    Dann hatte er versucht, im Alleingang weitere Bäume zu wecken, da er ja jetzt wusste, wie es gemacht wurde. Aber es war ihm entglitten, die Entwicklung hatte sich verselbstständigt.
    Du bist kein Gott!, hämmerte es in ihm. Du hast versucht, der Schöpfung

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