Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0720 - Zwei Verdammte aus Aibon

0720 - Zwei Verdammte aus Aibon

Titel: 0720 - Zwei Verdammte aus Aibon
Autoren: Jason Dark
Ads
Sein Oberkörper beschrieb einen Halbbogen. Noch im Sprung bewegte es hektisch die Beine. Sie sahen dabei aus wie flatterndes, dürres Gestrüpp. Dann brach es ein.
    Die Wucht ließ das Buschwerk erzittern. Für einen Moment sah es aus, als könnte es das Tier schaffen, dann jedoch schnappte die Falle mit grausamer Wucht zu.
    Versteckt in dem Busch hing das Netz. Und versteckt waren auch die Widerhaken, die man nach oben gebogen hatte wie kleine Messerspitzen. Sie packten und griffen zu, stießen hinein in die Wolle, in das Fleisch. Der weiße »Mantel« färbte sich an verschiedenen Stellen rot. Aus den Wunden quoll das Blut wie Rinnsale.
    Das Tier schrie laut und klagend. Verzweifelt unternahm es einen Befreiungsversuch, zerrte, trampelte, drehte sich, aber es kam nicht frei. Es blieb hängen.
    Die beiden Jäger hatten es nicht eilig. Beinahe im gemütlichen Schritt schlenderten sie auf ihre Beute zu, die sie sich teilen würden, um ihren Hunger zu bekämpfen.
    Auf ihren zernarbten Gesichtern zeigte sich ein Grinsen. Die Münder hielten sie offen. Zungen schnellten wie blau und rosafarbene Klumpen hervor, um mit kreisenden Bewegungen die Konturen der Lippen nachzuziehen. Allein daß sie auf zwei Beinen umherliefen, unterschied sie von den Tieren.
    Das Schaf lebte noch, als sich die beiden Männer in das Buschwerk drängten. Es kämpfte einen verzweifelten Kampf. Es drehte den Kopf, blökte klagend. Dabei schaute es einen der beiden Männer so mitleiderregend an, daß dieser eigentlich hätte Mitleid bekommen müssen.
    Der Mann grinste nur.
    Sein Kumpan nickte ihm zu.
    Es war ein Zeichen, die Qualen zu beenden. Zwei Hände umklammerten den Hals der leidenden Kreatur, sie drehten ihn, ein häßliches Geräusch erklang, dann war das Schaf tot.
    Es hing wie ein lebloser Klotz in der Falle. Ein Beinmuskel zuckte noch nach.
    Sie befreiten das Schaf. Beide packten an. Ihre Bewegungen waren routiniert. Sie taten so etwas nicht zum erstenmal. Zwei Haken blieben in der Wolle hängen. Sie entfernten sie erst, als sie den Kadaver zu Boden geworfen hatten.
    Danach zogen sie die Messer.
    Es waren sehr lange Klingen, die auch grau aussahen, als bestünden sie aus einem zurechtgehauenen und dann scharf geschliffenen Stein. Einer der beiden drehte das Tier auf den Rücken.
    Der andere setzte den Schnitt an.
    Innerhalb weniger Minuten häuteten sie das Tier. Blut floß hervor, verteilte sich dampfend auf dem Boden, sickerte in Spalten und Risse, als wollte es den im Erdreich wohnenden Geistern frische Nahrung zukommen lassen.
    Das Fell schleuderten sie weg. Sie benötigten es nicht mehr. Ihnen kam es einzig und allein auf das Fleisch an. Das rohe, blutige, dampfende Fleisch, dessen Anblick die Gier in ihren dunklen Augen hochtrieb. Sie redeten nicht, sie verständigten sich durch Grunzlaute. Sie waren in ihrem Element, das Blut und das Fleisch hatten sie regelrecht wild gemacht und den Hunger noch mehr in die Höhe getrieben.
    Wieder leckten sie ihre Lippen. Das enthäutete Tier lag zwischen ihnen. Von zwei Seiten her griffen sie zu.
    Es war die nackte Gier bei ihnen. Es gab keine Zivilisation, sie zündeten kein Feuer an, um das Fleisch zu braten, sie aßen, nein, sie fraßen es roh.
    Sie zerrten die Stücke hervor und stopften sich das rohe blutige Fleisch in die Mäuler.
    Das war schon kein Kauen mehr, kein menschliches Essen, sie würgten und schlangen es hinab. Sie schmatzten, sie bewegten ihre Münder, während ihnen der rote Lebenssaft aus den Mundwinkeln rann, am Kinn entlangrann und dunkle Streifen auf den Hälsen hinterließ.
    Niemand störte sie. Wenn Stücke zu fest saßen, wurden sie mit Hilfe der Messer gelöst.
    Es war normal, daß sie so aßen. Wer ausgestoßen war, wen die anderen nicht mehr haben wollten, der mußte sich eben auf seine Art und Weise ernähren.
    Die Gier war unwahrscheinlich. Sie hatten lange nichts mehr gegessen und nur auf ein verirrtes Tier wie dieses Schaf gewartet. Sie hätten auch eine andere Beute angefallen, aber Schafe wehrten sich am wenigsten. Sie teilten sich das Tier redlich. Jeder bekam genug, um sattzuwerden.
    Sie hießen Rugan und Kool. Sie waren bekannt und gefürchtet, aber das kümmerte sie nicht. Sie führten ihr Leben, sie würden sich immer ihre Beute holen. Es brauchten ja nicht nur Tiere zu sein…
    Mitten in der Mahlzeit geschah es dann.
    Da hörten sie das Flötenspiel…
    Kool wollte soeben einen Fleischklumpen in seinen Mund schieben, hielt aber inne und senkte die Hand

Weitere Kostenlose Bücher

Cécile
Cécile von Theodor Fontane
Das Haus an der Düne
Das Haus an der Düne von Agatha Christie
Erloschen
Erloschen von Alex Kava
Kein Öl, Moses
Kein Öl, Moses von Unbekannter Autor