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070 - Komplott der toten Moerder

070 - Komplott der toten Moerder

Titel: 070 - Komplott der toten Moerder
Autoren: Fritz Steinberg
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drehte ihm den Rücken zu, damit er sich ungeniert das Hosenbein hoch streifen konnte. Landrus Blick blieb an den vollen Rundungen ihrer Figur haften, die er dicht vor sich hatte. Dabei wickelte er einen Streifen Heftpflaster von der Rolle und schnitt ihn ab.
    „Sie sehen sonnenverbrannt aus“, bemerkte sie, ohne sich umzudrehen.
    „Ja. Nordafrika. So, ich bin fertig.“
    Sie drehte sich wieder herum – und in diesem Moment klatschte er ihr ohne Hast das Pflaster fest über den Mund. Bevor sie begriff, was mit ihr geschah, hatte er ihre Handgelenke auf den Rücken gedreht und drängte sie vor sich her in das halbdunkle Schlafzimmer. Er warf sie auf das Bett und holte sich den losen Gürtel ihres Mantels.
    Jetzt hatte sie den Schrecken überwunden. Sie begann sich zu wehren. Zu spät. Er kniete über ihr, um ihre Handgelenke an dem eisernen Bettgestell festzubinden: eine Hand rechts mit dem Gürtel, die andere links mit einem breiten Streifen, den er vom Bettlaken abriß, während er sie mit dem Gewicht des Oberkörpers niederhielt. Alles tat er mit der kalten Routine eines Mannes, der schon mehrere Momente im voraus weiß, wann seine Opfer welche Anstrengungen unternehmen.
    Als sie gefesselt dalag, begann sie zu stöhnen und wild um sich zu treten. Doch Landru wich nur einen Schritt zurück. Gleich darauf sprang er wieder vor, riß ihre beiden Knie in seine linke Armbeuge und gab ihr einen heftig klatschenden Schlag auf die Unterseite der Schenkel. „Halt still!“ befahl er. Zu Marfadras Verblüffung ließ sie es darauf tatsächlich geschehen, daß er je einen Fußknöchel an einen der unteren Seitenpfosten fesselte.
    Nun lag sie mit ausgebreiteten Armen und Beinen vor ihm. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Hinter dem Klebestreifen kamen schwache Laute hervor.
    „Und jetzt“, sagte Landru trocken. „der Kaffee.“
    Als er nach Anfangsschwierigkeiten mit der elektrischen Kochplatte zurechtgekommen war – weder Landru noch Marfadra hatten so ein Gerät schon einmal gesehen – ging er mit der Kaffeetasse durch die Wohnung, öffnete Schränke und Schubladen. Viel kam nicht zutage: Sauber aufgehängte Kleider, ordentlich zusammengelegte Wäsche, dazwischen ein paar hundert Franc. „Sie lebt allein“, meinte Landru. „Ich wußte es ja, ich rieche so etwas.“ Das Geld steckte er ein, alles übrige ließ er so, wie es war. Darauf ging er mit seiner Kaffeetasse hinüber in das dämmerige Schlafzimmer und weidete sich an der Hilflosigkeit seines Opfers.
    „Was hast du mit ihr vor?“ fragte Marfadra.
    „Das ist eine naive Frage, mein Freund. Du weißt es doch schon seit vorhin.“
    „Aber warum? Warum denn nur? Sie hat dir ja helfen wollen.“
    „Helfen? Sie wollte etwas von mir. Nun hat sie es.“
    „Ja – dieser kurze Rock. Unser Muezzin hätte ihr Betragen schamlos genannt. Aber der Koran gibt schamlose Weiber der Rache ihrer eigenen Familie preis, und dazu gehörst du nicht.“
    „Der Koran, der Koran! Hör schon auf mit diesem Geschwätz. Übrigens kannst du mich von nichts abbringen, es ist alles beschlossen. Nach so langer Zeit wieder einmal.“
    „Du bist ein toller Hund. Du bist eine Ausgeburt des Wahnsinns. Ein Auswurf stinkenden Unrats.“
    „Du amüsierst mich.“
    „Wenn ich mein Messer hätte …“
    „Dann würdest du es dir in den eigenen Bauch stoßen? Übrigens Messer: Gut, daß du mich daran erinnerst. Ist es auch scharf geschliffen?“
    Landru nahm Marfadras Messer aus der Tasche, ließ die blitzende Klinge heraus schnellen und betrachtete sie, schaute zur Gefesselten, dann wieder auf die Klinge. „Ja“, sagte er laut. „Es ist scharf genug für heute nacht.“
    Er klebte ihr einen zweiten, größeren Streifen Heftpflaster über den ersten, der ihren Mund bereits verschlossen hielt. Er nahm einen letzten, schlürfenden Schluck von dem Kaffee, bevor er die Tasse beiseite stellte. Behutsam zerschnitt er ihr die Kleider auf dem Leib.
    Plötzlich begann er sie mit harten Griffen zu kitzeln. Ihr Körper wand sich und zuckte. Ihr Gesicht lief rot an. Er ließ nicht einen Moment nach, bis ihr Schmerzenstränen über das Gesicht strömten.
    „Ah“, sagte er sanft. „Schon müde?“ Er faßte sie beim Arm, und sein Gesicht drückte die zynische Gewißheit aus, daß er mit ihr alles anstellen konnte.
    Sie schloß die Augen.
    Da nahm er wieder das Messer in die Hand. In diesem Augenblick tat Marfadra etwas, wofür er insgeheim alle seine Kräfte gesammelt hatte. Daß Landru nichts von

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