Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
068 - Schreckensgondel der Schneehexe

068 - Schreckensgondel der Schneehexe

Titel: 068 - Schreckensgondel der Schneehexe
Autoren: Larry Brent
Ads
 
    Das
letzte Scheit im Kamin verglühte. In dem kleinen Gasthof Alpblick hielt
sich nur eine junge Angestellte auf, die die Tische abwischte, die Decken
zurechtlegte und die Stühle richtig hinstellte. Es war wenige Minuten vor
Mitternacht. Außer dem leisen Knistern des erlöschenden Feuers und dem
monotonen Ticken einer alten, handgeschnitzten Uhr an der Holzwand des
gemütlichen Lokals war es totenstill. Christel Burger beeilte sich, um mit
ihrer Arbeit fertig zu werden. Der letzte Gast war vor einer Viertelstunde
gegangen. Fast zu spät, denn es hatte zu schneien begonnen, und der Schnee fiel
inzwischen so dicht, daß man die drei hohen Tannen, die nur zwanzig Meter von
dem Berggasthaus entfernt standen, nicht mehr sehen konnte. Mit Einbruch der
Dunkelheit stellten die Kabinenbahnen ihren Zubringerdienst ein, damit alle
Skiläufer noch ihre Abfahrt hinter sich brachten, ehe es ganz finster wurde.
Das Gasthaus stand in rund tausendfünfhundert Metern Höhe unweit einer Piste,
auf der tagsüber reger Betrieb herrschte. Viele Wintersportler machten hier
Rast, aßen und tranken etwas und wärmten sich auf. Das Gebäude war tief
verschneit und duckte sich hinter einem Abhang. Wenn einer auf Skiern die Piste
verfehlte, kam es auch mal vor, daß er das Dach des kleinen Hauses als
Sprungschanze benutzte. Mancher im Gelände machte sich einen Jux daraus und tat
dies absichtlich. Die kleinen Lampen mit den roten Schirmen spendeten ein
gemütliches Licht. Christel Burger löschte eine nach der anderen aus. Die
winzigen Flammen im Kamin waren der einzige Schein, der gedämpftes,
anheimelndes Zwielicht bewirkte, in dem die Schatten der zahllosen
Einrichtungsgegenstände an den Wänden und auf den Regalen ein geisterhaftes
Leben führten. Christel Burger zog die Tür zur Gaststube hinter sich zu und
wollte die schmale Wendeltreppe nach oben gehen, als sie ein Geräusch hörte. Es
war draußen vor der Tür und hörte sich an, als wäre jemand mit einem harten
Gegenstand an die Hauswand gestoßen. Dieses Geräusch kannte die junge Frau. Es
erfolgte, wenn jemand seine Bretter aufstieß und in den Ski-Ständer stellte.
Die Augen der Dunkelhaarigen verengten sich. Daß um diese Zeit, und vor allem
bei dem starken Schneegestöber, noch jemand unterwegs war, konnte kaum der Fall
sein. Sie blieb atemlos stehen, lauschte und war überzeugt, daß sie sich geirrt
hatte.
    Plötzlich
wurde angeklopft.
    »Ja?«
Die Frage kam der jungen Frau mechanisch über die Lippen. »Wer ist da draußen?«
    »Hallo?
Können Sie mir aufmachen?« tönte es statt einer Antwort draußen vor der Tür,
und der pfeifende Wind wehte dem Sprecher die Worte von den Lippen. »Ich
brauche Hilfe… bitte, lassen Sie mich telefonieren.«
    Da
war jemand nicht mehr rechtzeitig den Berg hinabgekommen. Christel Burger zögerte
nicht mehr, die Tür zu öffnen. Während sie dies tat, erschien ihr das alles
irgendwie bekannt, als hätte sie die Szene in dieser Nacht schon mal erlebt…
Auch die Situation war ähnlich. Damals, das lag ungefähr fünf Jahre zurück, war
auch jemand zu vorgeschrittener Stunde in das abgelegene Gasthaus gekommen und
hatte gebeten, telefonieren zu dürfen.
    Damals
war die Nacht sternenklar gewesen, und der Skiläufer brach nach dem Telefonat
wieder auf. Am nächsten Morgen wurde unten im Ort ein Mann vermißt, und eine
großangelegte Suchaktion in die Wege geleitet. Die Wahrscheinlichkeit, daß er
vom Weg abgekommen war und sich in der Schneewüste verirrt hatte, war groß. Man
fand den Verschwundenen nie.
    Christel
Burger fand es selbst seltsam, daß sie an diese Dinge denken mußte, die schon
so lange zurücklagen. Das war damals die Zeit gewesen, als sie gerade ihre
Stellung im Alpblick angenommen hatte. Die Begegnung hatte sich ihr
eingeprägt, denn die Beobachtungen, die sie in jener Nacht machte, waren als
Zeugenaussagen bei der Ortspolizei aktenkundig geworden…
    Der
Mann, der die Schwelle übertrat, trug einen roten Sicherheitshelm und hatte die
Brille nach oben gezogen. Sein Anzug war flammendrot und mit weißen
Schulterstreifen versehen. »Danke«, sagte der Eintretende leise und klopfte
sich den Schnee von den schweren Schuhen. Schnee klebte auch auf seinen Brauen
und im Gesicht, und draußen schneite es, daß man kaum noch die Hand vor Augen
sah.
    »Sie
haben Glück gehabt, daß Sie uns in der Dunkelheit und bei diesem Wetter noch
gefunden haben«, sagte Christel Burger, während sie die blaue Trachtenschürze
zusammenlegte, die

Weitere Kostenlose Bücher

Heyne Galaxy 01
Heyne Galaxy 01 von Walter (Hrsg.) Ernsting
Code Freebird
Code Freebird von Administrator