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0647 - Hexenzauber

0647 - Hexenzauber

Titel: 0647 - Hexenzauber
Autoren: Jason Dark
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»Richtig. Dieser hier hat eine Besondere.« Als Ute den Druck der Hand auf der Schulter spürte, ging sie einen Schritt nach vorn. Die Finger rutschten ab.
    »He, was ist…?«
    Piper erhielt keine Antwort. Er stand auf dem weichen Grasteppich und sah vor sich die Gestalt seiner Freundin. Tief atmete er ein. Diese Nacht war eine Besondere, sie war von einem Duft durchzogen, wie er es selten erlebt hatte. Nicht nur das Gras strömte diesen Duft aus, er drang von allen Seiten auf ihn ein, selbst aus dem dunklen Himmel schien er zu strömen, und auch Ute roch so ähnlich. Als wäre sie eins mit der Natur geworden.
    Die Natur…
    Auch Markus liebte diesen Begriff. Er gehörte einer aktiven Umweltgruppe an, hatte dort auch Ute kennen gelernt und von ihr erfahren, dass zur Natur noch andere Dinge gehörten als Gras, Bäume, Wälder, Felder und Wiesen.
    Etwas lebte, lauerte im Innern. Es besaß eine gewisse Strahlung, eine Aura und konnte erst dann geweckt werden, wenn Menschen die gleiche Aura ausstrahlten und es zu einer Verbindung kam.
    Ute gehörte zu den Personen, die eine derartige Aura besaßen und in die Natur hineinhorchen konnte, um mit ihr konform zu gehen. Und diese Juninacht zählte zu den Ausgefallenen. Da waren die Kräfte der Natur besonders stark.
    Die der Steine…
    »Was ist jetzt, Ute? Du hast versprochen, dich auszuziehen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir…«
    Sie drehte nur den Kopf. Am Himmel schien eine unsichtbare Hand die dicke Wolke zur Seite geschoben zu haben, die bisher der Mond verdeckt hatte. Jetzt strahlte er der Erde entgegen. Ein bleiches Gebilde, an einer Seite etwas abgeflacht. Es war nicht ganz voll…
    »Aber wir hatten noch nie eine solche Nacht. Sie steckt voller Leben, Markus…«
    »Ja, ich höre die Grillen…«
    »Alles lebt. Das Gras, die Steine, die Bäume dort hinten, und in den Tiefen faucht das Feuer.«
    Sie hatte mit einer flüsternden dunklen Stimme gesprochen und den Mund mit den vollen Lippen dabei zu einem Lächeln verzogen. Gleichzeitig hob sie die Arme an und dachte, dass er es nicht anders gewollt hatte. Sie wusste auch nicht genau, was geschehen würde, aber es würde sich einiges verändern!
    Wer den heiligen Ort betrat, musste einfach damit rechnen.
    Ute Bergmann trug ein langes Kleid, mehr ein Gewand, ein rötlichgelb leuchtendes Gewand.
    Die drei obersten Knöpfe in der langen Reihe standen offen. Mit flinken Fingern öffnete sie die weiteren.
    An den Bewegungen des Stoffes erkannte der noch immer hinter ihr stehende Markus Piper, dass mit dem Kleidungsstück etwas geschah. Der Stoff warf durch die Bewegungen auch an der Rückseite Falten.
    Komisch, dachte Markus. Normalerweise wäre er zu ihr gelaufen und hätte sie umfasst, vielleicht auch dabei geholfen, das Kleid auszuziehen. Jetzt stand er da, als hätte man seine Füße im hohen Gras festgeleimt. Er konnte sich nicht rühren.
    Hatten die Warnungen seiner Freundin gefruchtet? Ein ungutes Gefühl beschlich ihn schon. Wer so fanatisch von der Natur sprach und ihren geheimnisvollen Kräften, der war selbst nicht mehr normal. Der gehörte zu den Exzentrikern.
    Seine warnenden Gedanken verschwanden, als die beiden Hälften des Kleides vorn auseinander klafften, der Stoff auch über die Schultern und den Rücken glitt, um einen Moment später an der Gestalt entlang zu Boden zu fallen, wo er sich mit einem leichten Rascheln zusammenfaltete und im hohen Gras liegen blieb.
    Nackt stand sie nun vor ihm!
    Den dünnen Slip hatte sie gleich mit abgestreift.
    Sie blieb stehen. Er konnte ihren Rücken betrachten, ihren weiblichen Körper.
    Ute Bergmann hatte ihr Haar wachsen lassen, die Spitzen streichelten ihren Nacken. Stolz legte sie den Kopf zurück. Für einen Moment stellte sie sich auf die Zehenspitzen und sah aus wie eine Turmspringerin.
    »Ute…« Markus sprach ihren Namen nicht so aus wie sonst. Diesmal klang es viel rauer, und er musste sich nach diesem einen Wort noch räuspern.
    Sie wusste, was er vorhatte, und sie gab Markus eine Antwort, die er nicht begreifen konnte.
    »Bleib, wo du bist!«
    »Aber ich…«
    »Bleib!«
    Nie zuvor hatte ihre Stimme einen derartigen Klang gehabt. Sie klang metallisch, einfach furchtbar, als hätten sie beide noch nie etwas miteinander zu tun gehabt.
    Er räusperte sich. Er war ein Mann, manchmal auch ein Macho, obgleich er Machos nicht leiden konnte. Aber hier musste er etwas sagen. »Hör mal zu, Ute, das ist kein Spaß mehr…«
    »Du hast Recht, das ist es nicht!«

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