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0628 - Der Sturmteufel

0628 - Der Sturmteufel

Titel: 0628 - Der Sturmteufel
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Nachdem der Sturm-Teufel sich zurückgezogen hatte, scheuchte Lucifuge Rofocale auch die anderen fort. Nur eine Halbdämonin durfte bleiben und ihn verwöhnen. Doch er registrierte ihre Zuwendungen kaum.
    Er sah dieses blonde Mädchen in der Kristallkugel.
    Er hatte die Blonde töten lassen.
    Merlin hatte ihn dafür zur Rechenschaft ziehen wollen, hatte ihn zu einem Zweikampf herausgefordert.
    Nur LUZIFER war Zeuge dieses Todesspiels gewesen. LUZIFER hinter der Flammenwand, der Kaiser der Hölle.
    Merlin hatte ihn in diesem Kampfspiel gedemütigt. Das war seine Rache für den Tod der Blonden gewesen. Lucifuge Rofocale hatte Merlin damit treffen wollen, doch Merlin hatte ihn selbst noch schwerer getroffen. [1]
    Obgleich es außer LUZIFER keinen Zuschauer gegeben hatte, hatte sich Lucifuge Rofocales Niederlage offenbar rasch herumgesprochen. Wie anders sollte der Erzdämon es sich sonst erklären, daß hinter seinem Rücken geraunt wurde und daß der Sturm-Teufel respektlos zurückgegrinst hatte, ehe er sich verneigt hatte und gegangen war?
    Burrasco wollte von Lucifuge Rofocales Niederlage profitieren! Wenn es ihm gelang, den Auftrag des Geflügelten auszuführen, stand er da als derjenige, der es geschafft hatte, besser zu sein als Satans Ministerpräsident.
    »Warte, mein Bester«, knurrte der Erzdämon. »Sie muß endgültig tot sein und nicht ein weiteres Mal wiederkehren. Erst dann wirst du Ruhm und Ehre in Anspruch nehmen und mich in deinen Schatten stellen können…«
    Er stieß die Halbdämonin zurück, die mit vollem Körpereinsatz versuchte, seinen Dämonenstolz wieder aufzurichten. Sie stürzte und rutschte über den rauhen Lavaboden, aber sie blieb stumm und wagte nicht, den Zorn des Erzdämons auf sich zu lenken. Ihre hübsche Figur konnte ihn derzeit nicht reizen.
    Er mußte herausfinden, warum sein Opfer wieder lebte - oder besser, immer noch lebte!
    Wenn er das wußte, fand er vielleicht eine Möglichkeit, sie endgültig zu töten und damit immer noch über Merlin zu triumphieren.
    Er mußte dabei nur noch etwas schneller sein als Burrasco.
    Der Erzdämon machte sich auf, seinem Büttel zur Erde zu folgen und sich wie er unter die Menschen zu begeben.
    ***
    Jill kam mit der Cola-Flasche heran und füllte die beiden Pappbecher wieder auf. Kopfschüttelnd sah sie den jungen Mann an, der sein Notebook eingeschaltet hatte und mit Tasten und Trackball arbeitete. Aber beileibe nicht an einem Computerspiel. Das hätte sie ihm ja noch beinahe verzeihen können.
    Nein, was der farbige LCD-Schirm zeigte, waren Tabellen und Textausschnitte, die er miteinander verglich.
    »Du kannst wohl auch im Urlaub nicht von deiner Arbeit lassen, wie?« seufzte Jill Carpenter. Sie zupfte an den Stoffetzen herum, die sie sich anstelle eines Badeanzugs um den Körper gewunden hatte, und drapierte sie ein wenig anders, damit sie noch etwas mehr von ihrer sonnengebräunten Haut zeigten. Einen Badeanzug oder Bikini konnte jede tragen. Diese fransigen Lappen waren da viel aufregender, weil sie ständig zu verrutschen oder sich ganz vom schlanken Körper zu lösen schienen. Jill verstand sich auf die Kunst, diese Fetzchen sogar am Körper zu halten, wenn sie sich im Wasser tummelte.
    Eine weitere Kunst war es, besagte Fetzchen im richtigen Moment doch fallen zu lassen.
    Andrew ›Cumulus‹ Cartwright sah von seinem Notebook auf. »Wieso Arbeit? Das ist Urlaub.«
    »Ach ja. Wetterstatistiken.«
    »Natürlich. Du weißt doch, das ist mein Hobby. Zum Beruf habe ich's ja nur zufällig machen können. Und Hobby und Urlaub gehören doch wohl zusammen, oder?«
    »Da gibt's noch ein paar andere Dinge, die zum Urlaub gehören. Himmel, Andy, fällt dir bei diesem prachtvollen Sonnenschein nichts Besseres ein, als da zu hocken und deinen Schlepptop zu behacken?«
    Er nahm die Sonnenbrille ab.
    »Dieser prachtvolle Sonnenschein wird nicht lange bleiben«, prophezeite er. »Vielleicht solltest du dich schon mal nach 'nem Wintermantel Umsehen.«
    Sie lachte.
    »Nein, im Ernst. Da kommt was auf uns zu. Wir sollten von hier verschwinden, wenn wir nicht weggeweht werden wollen.«
    »Du spinnst ja, Cumulus«, sagte sie etwas spöttisch. Sie erhob sich wieder und ging zum Wasser zurück. Dabei ließ sie die Stoffreste so verrutschten, daß er für ein paar Sekunden ihre völlig freie Rückansicht genießen konnte. Aber vermutlich, dachte sie resignierend, genoß er eher den Anblick der paar Wölkchen am kitschpostkartenblauen Himmel, denen er seinen

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