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0610 - Pilgerflug nach Terra

Titel: 0610 - Pilgerflug nach Terra
Autoren: Unbekannt
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abstrahlen lassen. Ihre Wünsche waren so unterschiedlich, daß an einen rationalisierten Einsatz der acht in Betrieb befindlichen Transmitter nicht zu denken war. Wenn die Leute Disziplin bewahrt hätten, wäre es möglich gewesen, sie in größeren Schüben nach den einzelnen Empfangsstationen abzustrahlen.
    Aber an eine Koordinierung war nicht zu denken, die Leute benahmen sich wie eine Horde Wilder.
    Dazu kam noch, daß drei der Transmitter auf Empfang gestellt waren. Die mit ihnen gekoppelten Sendetransmitter standen auf dem Mars. Und aus den drei Transmitterfeldern strömte ein nicht enden wollender Strom von Menschen, die es sich in den Kopf gesetzt hatten, die Heimat ihrer Vorfahren aufzusuchen.
    Der Kommandant der Transmitterstation hatte sich schon vor Stunden dazu entschließen müssen, die Zugänge zu sperren und von Kampfrobotern bewachen zulassen.
    Die Angestellten durften aus Sicherheitsgründen das Gebäude nicht verlassen. Es stand nicht nur zu befürchten, daß die wütende Menge sie verprügelte, sondern man rechnete auch damit, daß es zu Bestechungsversuchen kommen würde.
    Arthur Spanitz saß in der fast leeren Kantine allein an einem Tisch. Er war gerade aus der Krankenstation gekommen, wo ihm der Arzt seine 24-Stunden-Tablette verabreicht hatte.
    Alle Angestellten mußten diese Tabletten schlucken. Sie bewirkten, daß der Wandertrieb nicht durchbrach. Aber obwohl die Psychopharmaka die Symptome der PAD-Krankheit eindämmten, waren sie kein Allheilmittel. Und irgendwann würden alle jene, die die Tabletten ständig schlucken mußten, eine Immunität gegen sie entwickelt haben und nicht mehr darauf reagieren.
    Es gab auch welche, die nur so taten, als schluckten sie die Tabletten, und sie dann ausspuckten. So wie Arthur Spanitz.
    „Hallo", sagte jemand und setzte sich zu ihm an den Tisch.
    Es war Tom Creek, der Reporter von Terra-TV, der über die Zustände in der Transmitterstation eine Reportage für die Tagesschau des Fernsehens drehen sollte.
    „In Athen geht es jetzt sicherlich friedlicher zu", meinte er und bestellte beim Tischroboter einen Samos. „Was würde ich dafür geben, auf der Akropolis den Sonnenuntergang beobachten zu dürfen!"
    „Hat es dich auch schon erwischt?" fragte Spanitz.
    Creek schüttelte den Köpf.
    „Ich beteilige mich nicht an der Völkerwanderung. Der Wunsch, meine Heimat aufzusuchen, ist zwar da, aber ich unterdrücke ihn.
    Es ist nur eine Sache des Willens, ich kann mich beherrschen.
    Aber auf der Erde leben zehn Milliarden Menschen. Wenn sich die meisten in Bewegung setzen... Es wäre das Ende der Zivilisation. Und was wird sein, wenn die auf dem Mars lebenden Menschen plötzlich von der Erde angezogen werden..."
    „Soweit sind wir bereits", unterbrach ihn Spanitz. „Sie kommen von der Venus, von Luna und den anderen Monden. Ich habe eine Statistik vom Zentralen Einwanderungsbüro gesehen. Die Zahlen sind erschreckend hoch. Es kann nicht mehr lange dauern, dann muß der Großadministrator den Notstand ausrufen."
    „Das würde einen Bürgerkrieg geben", behauptete Creek.
    „Außerdem geht das Gerücht um, daß Perry Rhodan selbst nicht gegen die PAD-Symptome ankämpfen kann. Man sieht es daran, daß er keine wirksamen Maßnahmen gegen die Völkerwanderung ergreift. Alle Menschen dieser Erde haben sich in Bewegung gesetzt, aber was unternimmt man dagegen?
    Nichts!"
    „Ich muß jetzt zum Dienst", sagte Spanitz und erhob sich.
    „Ich werde dich begleiten", bot sich Creek an.
    Sie passierten ungehindert die Kontrollen und kamen in die Transmitterhalle. Die Schaltpulte an den Transmittern waren, durch Energieschirme von der übrigen Halle getrennt. Man wollte dadurch verhindern, daß Unbefugte Schaltungen vornehmen konnten, die zu Katastrophen geführt hätten.
    Spanitz machte sich an die Arbeit. Creek sah ihm über die Schulter und sprach seine Eindrücke auf Band.
    „...wir erleben die größte Völkerwanderung der Menschheit.
    Vor mir bewegt sich ein endloser Strom von Pilgern vom Mars.
    Sie alle wollen die Geburtsstätte ihrer Ahnen besuchen. Aber wird die Erde sie alle aufnehmen können? Das öffentliche Verkehrsnetz von Terra steht vor dem Zusammenbruch. Pilger, die mit ihren Privatfahrzeugen unterwegs sind, vervollkommnen das Chaos zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Die Unfallbilanz ist erschreckend hoch. Fast hunderttausend Tote an einem einzigen Tag..."
    Spanitz konnte nicht mehr hinhören. Er versuchte sich abzulenken, indem er an andere Dinge

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