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0590 - Ritter Tod

0590 - Ritter Tod

Titel: 0590 - Ritter Tod
Autoren: Jason Dark
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»Wie ist es, Kitty?«
    Die Schwester schaute erst ihren Chef an, danach an seiner Schulter vorbei in den gepflegten Park, der die Klinik wie ein grünes Meer umgab. »Gut.«
    »Mehr nicht?« Der Frager, Dr. Franklin, beugte sich vor. Er war ein Mann mit sonnenbrauner Haut, traurigen braunen Augen und einem Bart, der wie dunkler Schaum sein ganzes Gesicht umwucherte. Er trug seinen blütenweißen Kittel mit der gleichen Grandezza wie andere ihren Tennisdress. Er war Neurologe und leitete eine große Klinik, in der sich Reiche kurieren ließen. Sein ganzes Geld steckte er in die Gehirnforschung. Die Ergebnisse wollte er vermarkten, zu Geld machen, und dazu brauchte er die Industrie. Bei der Gehirnforschung verfolgte er zunächst nur positive Ziele.
    »Es geht diesem Patienten also gut?« erkundigte sich Dr. Franklin noch einmal.
    »Ja, Sir, wunderbar. Er bestätigte es.«
    Franklin verzog die Lippen. »Kann er Sie vielleicht belogen haben, Kitty?«
    »Geht das überhaupt?«
    »Sicher.«
    »Aber die – die Mind-Maschine, Sir…«
    »Was ist damit?«
    »Sie – sie muss positiv sein. Wir leben in einer positiven Welt, das haben Sie jedenfalls immer erklärt«, sagte Kitty fast trotzig.
    Dr. Franklin lächelte. »Habe ich das?«
    »Aber natürlich. Unsere gesamte Werbung ist so konzipiert worden. Das war ein fast irrer Plan. Ihnen ist etwas gelungen, das Amerika ganz nach oben an die Spitze bringt. Es setzt völlig neue Akzente. Unsere Klinik hier wird weltberühmt werden. Von hier werden die Impulse zu neuen Innovationen ausgehen. Das positive Denken kommt! Wer die Mind-Maschine benutzt, wird keine Kriege mehr kennen, denn bei ihm wird sich das Glück als Dauergast einstellen.«
    Dr. Franklin klatschte in die Hände. »Gut gebrüllt, Löwe, sehr gut. Ich überlege, ob ich Sie nicht zu meiner PR-Agentin machen soll.«
    »Nein, Sir, das ist…« Kitty wurde etwas verlegen. »Ich bin eben von der Mind-Maschine begeistert.«
    Der Arzt nickte. »Sie ist wirklich gut.« Er drehte sich um, und der Lederstuhl schwang mit. Mit einer weit ausholenden Handbewegung deutete er durch die große Scheibe nach draußen. »Ja, sie passt in diese Gegend, die einen dermaßen positiven Charakter hat. Sie ist irgendwie einmalig. Der Park, die Atmosphäre hier, die Sonne, die gesunden Bäume, da kann nichts schief gehen.«
    »Davon bin ich überzeugt, Doktor.«
    Der Mann runzelte die Stirn. Er hüstelte leicht. »Und doch habe ich Einwände.«
    »Welcher Art?«
    Dr. Franklin legte die Arme auf den Schreibtisch. Er schaute Kitty derart lange an, als wollte er sich in das glatte, faltenlose Puppengesicht verlieben. »Die Mind-Maschine ist noch nicht völlig ausgereift, finde ich. Es ist ein Gefühl, das mich unsicher werden lässt. Ich spüre es tief in meinem Innern.«
    »Steigt es hoch?«
    »So direkt will ich das nicht sagen, Kitty…«
    »Was lässt Sie zweifeln?«
    »Sie haben sich unseren Patienten genau angeschaut bei Ihrem letzten Besuch?«
    »Sehr genau sogar.«
    »Lächelte er?«
    »Er lächelte und gab mir zu verstehen, dass er sich wunderbar fühle. Mehr können wir nicht verlangen.«
    »Da haben Sie recht.« Dr. Franklin hob die Schultern. »Vielleicht habe ich mich auch getäuscht. Wissen Sie, ich habe auch als Neurologe manchmal Ahnungen, die ich nicht so einfach abschütteln kann. Aber darüber wollen wir jetzt nicht reden. Wie sollen wir fortfahren? Haben Sie eine Idee?«
    »Die Mind-Maschine muss gebaut werden, am besten in Serie. Das positive Gedankengut darf nicht nur auf dieses Gebiet beschränkt bleiben. Wenn ich Sie wäre, würde ich es hinaus in die Welt tragen. Sie haben viele Versuche unternommen. Sie haben uns alle hier überzeugt. Diese Mind-Maschine ist doch die ›gute Laune zum Aufsetzen‹. Es gibt keine grauen Tage mehr, nur noch Sonnenlicht und damit Freude.«
    »Sehr schön gesprochen, Kitty.«
    »Natürlich, ich…«
    »Wissen Sie, Kitty, ich an Ihrer Stelle würde noch einmal zu unserem Patienten gehen und mit ihm reden.«
    »Ja, gern.« Kitty legte ihre hübsche Stirn in Falten, weil sie nicht wusste, wie sie den Auftrag einordnen sollte, ob er ernst gemeint war oder nicht. »Soll ich sofort zu ihm gehen?«
    »Ich bitte darum.«
    »Dann kehre ich anschließend zu Ihnen zurück und erstatte Bericht?«
    »So hätte ich es gern.«
    »Kein Problem, Dr. Franklin. Wenn es Sie überzeugt und Sie dermaßen viel von meiner Meinung halten.«
    Der Neurologe nickte. »Doch – ja, mich interessiert es schon, Kitty.

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