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0484 - Die Rächerin aus Aibon

0484 - Die Rächerin aus Aibon

Titel: 0484 - Die Rächerin aus Aibon
Autoren: Jason Dark
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In diesem Jahr hatte er verdammt lange angedauert. Zu lange für die meisten.
    Kalte und warme Luftmassen. Das gab Entladungen, das roch nach heftigen Frühjahrsgewittern und starken Regenfällen, vermischt mit Hagel und Schnee.
    Auch Elliot Manetti hatte die Durchsagen im Radio mitbekommen. Er allerdings störte sich nicht daran. Als Vertreter einer deutschen Firma und jahrelang im Außendienst tätig, hatte er sich an Kummer gewöhnen müssen.
    Manetti fuhr einen Opel Rekord, der mittlerweile auch schon zwei Jahre alt war und bald durch das neue Modell Omega ersetzt werden würde.
    Manetti war in der Lebensmittelbranche tätig. Seine Firma stellte Säfte her, auch hochwertige Konserven und Extrakte. Das Geschäft lief nicht sehr gut, die Waren waren einfach zu teuer, aber in den Ballungsgebieten lief es noch.
    Elliot Manetti mußte nach London. Dort hatte er einige Kunden, die er zu seinen Großabnehmern zählte. Bevor er allerdings in die Stadt fuhr, steuerte er einen Rastplatz am Rande des Motorways an und stellte seinen Rekord hinter einem Truck ab.
    Manetti öffnete die Tür, setzte sich schräg und streckte die Beine aus. Vom Beifahrersitz hatte er seine Unterlagen geholt. Wind war aufgekommen. Er bog die dürren Arme des Wintergestrüpps, das vor Manetti aus dem grauen Boden wuchs.
    Er blätterte seine Kundenliste auf, ging die Namen noch einmal durch und rechnete nach, daß er sich ungefähr vier Tage in London würde aufhalten müssen. Einen fünften wollte er noch dranhängen, da man ihm von der Zentrale eine kleine Liste neueröffneter Geschäfte mitgegeben hatte, die eventuell als Kunden in Betracht kämen.
    Die Geschäfte kreuzte er sich auf dem Stadtplan an.
    Der Wind nahm an Heftigkeit zu. Er wehte böig und hätte dem Vertreter die Straßenkarte fast aus den Händen gerissen.
    Manetti sah ein, daß es keinen Sinn hatte und verstaute den Stadtplan im Handschuhfach. Er hörte Schritte und hob den Kopf an. Ein dunkelhaariger Mann im Overall schlenderte auf seinen Opel zu.
    Der andere hatte sich vom Lastwagen gelöst und wollte wohl ein Schwätzchen halten. Neben der offenen Tür blieb er stehen und beugte sich vor.
    »Hi, Mister, komisches Wetter, wie?«
    »Das sagten sie im Wetterbericht auch.«
    Der Fahrer stellte sich wieder normal hin und deutete gegen den Himmel. Anschließend beschrieb seine Hand einen Halbkreis. »Diese Luft ist wirklich komisch. So etwas habe ich in meiner langen Fahrpraxis kaum erlebt. Das läßt auf etwas schließen.«
    »Ja, auf Gewitter.«
    »Nicht nur das, Mister?«
    Manetti schielte zu dem Fahrer hoch. »Wie meinen Sie das denn?«
    »Weiß ich auch nicht. Jedenfalls habe ich ein komisches Gefühl. Wer so lange auf Achse ist wie ich, der kennt die Natur, obwohl ich meist in meiner Kabine sitze. Hier liegt etwas in der Luft, das kann ich Ihnen versprechen.«
    Auch Manetti wollte sich bewegen und stieg aus. Er reckte sich, stützte sich anschließend am Wagendach ab und machte einige Kniebeugen. »Was liegt denn an?«
    »Ein Unwetter. Sturm, Hagel, Blitzschlag, Donner.« Er schaute Manetti an. »Müssen Sie noch weiter fahren?«
    Elliot hörte mit seiner Gymnastik auf. »Nur bis London«, erwiderte er leicht keuchend.
    »Das schaffen Sie.«
    »Ich packe es immer.«
    »Falls die Böen Sie nicht von der Straße wehen. Das habe ich mal erlebt. War ein Fiat, glaube ich. Der wurde in die Planken geschleudert, daß es sich gewaschen hat.« Der Trucker warf einen abschätzenden Blick auf den Opel. »Na ja, der Wagen ist besser.«
    Elliot Manetti ging einige Schritte vor, bis er den Gebüschstreifen erreicht hatte, der den Rastplatz von der normalen Fahrbahn trennte. Dort blieb er stehen und stemmte sich regelrecht in den Boden, um den unregelmäßig anwehenden Böen Paroli bieten zu können. Der Wind fuhr gierig durch seine Haare und wühlte sie auf. Er schnitt in sein Gesicht. Manchmal war er warm, dann wieder kälter.
    Dieser Wechsel geschah innerhalb von Sekunden.
    Auch der Trucker wollte nicht allein sein. Er stellte sich neben den Vertreter. »Na, auch besorgt?«
    »Kaum.«
    »Das sollten Sie aber. Schauen Sie sich mal die Luft an, Mister. Die ist nicht so wie sonst. Die ist ganz anders geworden.« Er schüttelte den Kopf. »Ich verstehe das auch nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, in Glas zu schauen. Ja, das ist es. Mir kommt die Luft vor, als wäre sie gläsern.«
    Elliot erwiderte nichts. Er gab dem Mann jedoch im stillen recht. Die Luft hatte sich verändert. Sie war auf

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