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0466 - Gefangen in der Satansburg

0466 - Gefangen in der Satansburg

Titel: 0466 - Gefangen in der Satansburg
Autoren: Werner Kurt Giesa
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»Hast du den Verstand verloren, Thar?« zischte Noro. »Wenn du da jetzt hineinstürmst, bringen sie dich um, und das ist noch das Harmloseste, was dir passieren kann. Sie werden dich für ihre scheußlichen Experimente verwenden, sie werden dich quälen, bis du sie anbettelst, sterben zu dürfen… und dann werfen sie dich ihren dämonischen Schreck-Echsen zum Fraß vor oder verfüttern dich an die Zahnfische…«
    Thar schüttelte die Hand ab, mit der sein Freund ihn festhalten wollte. »Es gibt nur eine Chance«, murmelte er. »Den Augenblick, in dem sie alle in Bewußtlosigkeit versinken! Dann können sie mir nichts anhaben…«
    »Aber dann ist der Dämon da, den sie ihren ›Dunklen Meister‹ nennen…«
    Thar lachte grimmig. »Gegen den bin ich geschützt«, stieß er hervor. Er deutete auf seine Halskette aus Dämonenzähnen. »Sie sind von einem Magier besprochen. Solange ich sie trage, kommt kein Dämon an mich heran!«
    Noch einmal versuchte Noro, seinen Freund zurückzuhalten. Aber Thar war wie rasend. Er wollte Lyxa retten. Die Schwarzen Priester hatten sie ausersehen, ein Opfer für ihren dunklen Meister! Sie hatten das Mädchen rauben lassen, das Thar versprochen war!
    Schon lange wußte jeder, daß Thar und Lyxa den Ewigen Bund eingehen wollten. Sie waren glücklich miteinander. Lyxa war ein schönes, junges Mädchen, würde gesunde Kinder in die Welt setzen und aufziehen können. Thar war ein kräftiger Krieger, der in den Garock-Schlachten Ruhm und Ehre erworben und zum Schluß sogar zum kommandierenden Offizier ernannt worden war, ehe die Kriege ihr Ende fanden und man keine Soldaten mehr brauchte. Er würde nicht nur Lyxa und die künftigen Kinder, sondern auch die Eltern und Schwiegereltern versorgen können. Lyxa und Thar liebten sich. Sie hatten sich geschworen, immer beisammen zu bleiben und auch gemeinsam zu sterben. Jetzt aber war Lyxa zum Dunklen Tempel verschleppt worden, um geopfert zu werden!
    Thar hatte es zu spät erfahren.
    Er hatte gehofft, daß einige seiner alten Freunde und Kampfgefährten mit ihm gingen, um Lyxa zu befreien. Doch alle fürchteten die Macht der Schwarzen Priester und ihres Dunklen Meisters. Keiner von ihnen wagte sich zu erheben. Sie alle verkrochen sich in ihren Löchern. So war Thar allein losgezogen. Noro war ihm eigentlich nur gefolgt, um ihn zurückzuhalten, nicht etwa, um ihm zu helfen. Noro hatte von Thars Verantwortung für das Volk gesprochen. »Wenn du dich gegen den Dunklen Meister erhebst, wird er unser ganzes Volk bestrafen für deinen Frevel.«
    Aber was kümmerte das Thar? Er wollte Lyxa. Sollte der Dunkle Meister doch kommen! Thar fürchtete ihn nicht. Man mußte diesem verfluchten Dämon zeigen, daß man sich nicht alles gefallen ließ. Wenn sie alle zusammenhielten, waren sie stark. Vielleicht gab Thars Aktion ihnen den Anlaß, gemeinsam gegen den Dämon aufzustehen. Wenn sie alle durch eine Strafaktion in ihrer Existenz bedroht waren, würde das eher geschehen, als wenn jeweils nur eine Familie oder eine Person betroffen war und die anderen sich aus Furcht, mit in den Konflikt gezogen zu werden, feige zurückhielten.
    Thar hatte den Dunklen Tempel erst erreicht, als die Dämonenbeschwörung bereits begonnen hatte. Fünf Tempelwächter hatte er mit seiner Streitaxt erschlagen, die massive Holztür aufgehackt und war jetzt bis unmittelbar vor den Zeremonienraum vorgedrungen, in dem die Rituale und Opferungen durchgeführt wurden.
    Hinter der letzten Tür befand sich Lyxa!
    Bis jetzt hatte Thar das singende, dumpfe Murmeln der Schwarzen Priester durch die Tür hören können. Jetzt war es verstummt. Er wußte, was das bedeutete. Es war soweit. Der Dunkle Meister kam!
    Thar schwang »Schildspalter«, wie er seine gewaltige Streitaxt genannt hatte, mit der er in den Garrock-Schlachten mehr als zwei Dutzend feindliche Köpfe genommen hatte. Krachend zerschmetterte die Axt die letzte Tür mit den geschnitzten magischen Zeichen. Durch die Trümmer stieß Thar in den Zeremonienraum vor.
    Abrupt blieb er stehen.
    Er sah die erstarrten Gestalten der Schwarzen Priester, ohne Bewußtsein, nicht fähig, ihren dämonischen Herrn zu sehen. Er sah auch den Dunklen Meister - oder zumindest hielt er das, was er wahrnahm, für den Dämon. Von einem Moment zum anderen wurde es schwarz vor ihm. Sein Verstand schottete sich ab, verweigerte die Wahrnehmung, um darüber nicht wahnsinnig zu werden. Die letzte Erinnerung, die Thar mit in den Abgrund nahm, in den sein

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