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0438 - Schlangenhand

0438 - Schlangenhand

Titel: 0438 - Schlangenhand
Autoren: Jason Dark
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Mit einer Reflexbewegung fingen wir ihn auf. Die Uniformjacke war von den Treffern zerrissen worden, und wir hielten einen Toten in den Armen.
    Eine weitere Garbe fegte nicht über das Deck. Dafür hörten wir hastige Schritte, sahen aber niemanden, weil das breite Deck bereits in tiefe Schatten getaucht war und man auf das Anzünden irgendwelcher Positionsleuchten verzichtet hatte.
    Auch der übrige Hafen lag in einem gespenstischen Zwielicht. Die Aufbauten der Schiffe wirkten wie das Werk eines Malers, der am Kai saß und die Stimmung einfing.
    Suko und ich hatten Blut an den Händen, als wir den Beamten zu Boden sinken ließen. Mit diesem hinterhältigen Angriff hatte keiner von uns gerechnet, wir waren aus einem anderen Grund an Bord gegangen, und eigentlich war es mehr ein Verdacht gewesen. Daß man uns mit einer Kugelgarbe empfangen würde, war verdammt hart.
    Das Schiff war ein Frachter, der alles Mögliche über die Meere transportierte. Wie leergefegt wirkte das Deck. Nur zwei Positionsleuchten brannten. Die eine davon allerdings so hoch, daß ihr Schein nicht einmal das Deck erreichte.
    Suko und ich waren eingespielt. Wir trennten uns. Ich ging auf der linken Seite, Suko auf der rechten.
    Zu sehen bekamen wir so gut wie nichts. Vor allen Dingen nicht den Kerl, der geschossen hatte, und über die Schüsse hatte sich auch niemand aufgeregt.
    Unserer Meinung nach hatte er das Schiff noch nicht verlassen.
    Irgendwo mußte er sich versteckt halten, und Möglichkeiten gab es an Bord genug.
    Um ihn zu durchsuchen, brauchten wir schon eine ganze Mannschaft. Zu zweit standen Suko und ich da auf verlorenem Posten.
    Dichte Schatten klebten zwischen den Aufbauten. Sie kamen mir vor wie blaugraue Felder, während über uns ein dunkler Himmel stand, auf dem auch die roten Sonnenstrahlen nicht mehr zu sehen waren. Die Nacht hatte uns endgültig eingeholt.
    Auf einem Schiff ist es nie ruhig. Irgendwo in der Umgebung knarrt und knackt immer etwas. Zudem wehte der typische Geruch in meine Nase.
    Eine Mischung aus Meer, brackigem Hafenwasser, frischer Farbe und auch Teer.
    Von Suko hörte ich nichts. Er verstand es, sich lautlos zu bewegen, und ich setzte meine Schritte ebenfalls so leise wie möglich, um ungesehen das Ziel zu erreichen.
    Es war kein gutes Gefühl, zu wissen, daß irgendwo hinter den zahlreichen Aufbauten ein Schütze lauern kann, der nur darauf wartet, uns vor die Mündung zu bekommen.
    Doch er hielt sich zurück.
    Ich gelangte in die Gegend, wo sich auch die Brücke befand. Bisher hatte ich mich neben den etwas über dem Deckrand stehenden Aufbauten der Ladebäume ducken müssen, nun endlich konnte ich mich aufrichten und verharrte im Schatten der Brücke.
    Ich sah einen Schatten.
    Sofort bewegte ich mich. Die Beretta machte den Schwenk mit. Suko kam von der anderen Seite, blieb stehen und schüttelte den Kopf.
    »Nichts.«
    »Hast du unter Deck nachgesehen?«
    »Dazu bin ich nicht gekommen. Nehmen wir uns die Brücke vor?«
    Ich warf einen Blick an den Aufbauten hoch, die nach frischer Farbe rochen. »Wahrscheinlich wird er sich dort nicht verkrochen haben.«
    »Obwohl er von dort den besten Überblick hat.«
    »Stimmt.«
    »Dann bleib du hier und halte die Augen offen. Ich schaue mal nach.«
    Suko hatte die Worte kaum ausgesprochen, als er schon damit begann, eine Leiter zu erklettern, die ihn zu seinem Ziel brachte.
    Sein Schatten verschwand sehr bald aus meinem Gesichtsfeld, und ich versuchte, auf dem vor mir liegenden Deck etwas zu erkennen, was natürlich verdammt schwer war bei diesen Lichtverhältnissen.
    Das Schiff hieß Castor. Es war ein ungewöhnlicher Kahn, ein sogenannter Tramper, der keine feste Route fuhr, sondern immer neue Häfen ansteuerte und gechartert werden konnte.
    Wir hatten einen Tip erhalten, daß sich im Bauch des Kahns Waffen befinden sollten, die für Libyen bestimmt waren.
    Das hätte uns alles nicht interessiert, wären unsere Kollegen nicht über den Namen des Eigners gestolpert.
    Vincent van Akkeren!
    Dieser Name wirkte wie eine Brandbombe. Van Akkeren stand auf der Fahndungsliste.
    Daß er jetzt auch ins Waffengeschäft eingestiegen war, wußten wir nicht.
    Und wir waren deshalb nach Lissabon gefahren, um auf dem Kahn vielleicht einen Hinweis zu finden, der uns zu van Akkeren geführt hätte.
    Das also waren unsere Motive.
    Sehr falsch lagen wir damit nicht, wie der erste Angriff auf uns gezeigt hatte. Wer so scharf und brutal reagierte, mußte etwas auf dem Kerbholz

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