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0435 - Das Hexentor

0435 - Das Hexentor

Titel: 0435 - Das Hexentor
Autoren: Jason Dark
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Aus dem Zimmer des kleinen Johnny drang ein fragendes Rufen.
    »Ich kümmere mich um das Kind«, sagte Sheila.
    »Okay.« Bill wandte sich dem Gästezimmer zu, aus dem der Schrei gedrungen war.
    Nadine blieb an seiner Seite. Sie knurrte noch immer. Diesmal aber wesentlich leiser.
    Vor der Tür blieb der Reporter für einen Moment stehen. Sein Atem beruhigte sich nur langsam. Er hatte sich zutiefst erschreckt, als ihn der Schrei aus dem Schlaf riß.
    Er klopfte.
    Wieder hörte er den Schrei. Diesmal nicht so laut, dafür wimmernder.
    Die Frau, die ihn ausgestoßen hatte, mußte unter starken Schmerzen oder Qualen leiden, und Bill öffnete.
    Nadine huschte noch vor ihm in den Raum, blieb aber dicht hinter der Schwelle stehen, so daß sie Bill nicht den Weg zum Bett versperrte, wo Jane lag.
    Er trat vorsichtig näher.
    Scharfe und gequält klingende Atemzüge füllten den Raum. Dazwischen vernahm Bill das leise Jammern. Die ehemalige Hexe schien unter einem gewaltigen Druck zu stehen. Möglicherweise hatte sie einen Alptraum gehabt, der schlimm gewesen sein mußte.
    »Jane?« Bill hauchte den Namen nur. Er wollte die Liegende nicht erschrecken.
    Sie reagierte nicht. Apathisch lag sie da, schweratmend und leise jammernd.
    Neben dem Bett blieb der Reporter stehen. Er beugte sich zu seinem Gast hinab. »Jane!« flüsterte er. »Jane, hörst du mich?«
    »Ja.«
    Bill war beruhigt. Er hatte bewußt das Licht nicht eingeschaltet. Durch die offene Tür fiel noch der Schein der Flurbeleuchtung, und er reichte aus, um das Gesicht der Liegenden erkennen zu können. Es war von einem feuchten Film bedeckt. Sie stand unter Druck, schwitzte stark, ihre Augen waren weit geöffnet, die Lippen zitterten.
    Wie all ihre Freunde wußte auch Bill Conolly, daß die ehemalige Hexe unter einem starken Druck stand. Der Teufel und seine Vasallen hatten ihren angeblichen Verrat nicht vergessen, wollten sich dafür rächen und ersannen sich immer neuer Methoden, um Jane den Garaus zu machen.
    Zuletzt hatte die andere Seite sogar einen Urzeit-Dämon einbezogen, aber Magico war vernichtet worden.
    Bill beobachtete die Liegende. »Geht es wieder besser?« fragte er nach einer Weile.
    »Ja.«
    »Gut.« Er setzte sich neben sie auf die Bettkante und berührte ihre Hand, die sich kalt anfühlte. »Kannst du mir erzählen, was passiert ist?«
    »Es ist schlimm gewesen!« hauchte sie.
    »Was war es denn?«
    Jane wollte reden, wurde aber gestört, denn Sheila betrat den Kaum. Bill sah, daß sich die Hand dem Lichtschalter näherte. »Laß es ruhig dunkel, Sheila.«
    »Wie du willst.«
    Auch sie kam zum Bett. Bill stand auf, so daß sich seine Frau setzen konnte. Sie lächelte Jane an. »Es ist alles wieder in Ordnung, nicht wahr?«
    »Vielleicht.«
    Bill schaute zu Nadine. Sie hatte sich wieder gedreht und ging zur Tür.
    Ihr Platz war die Nacht über im Zimmer des Jungen. Dort würde sie sich wieder hinlegen.
    Sheila und Bill aber blieben bei Jane. »Kann ich einen Schluck Wasser haben?« fragte sie. Ihre Augen leuchteten im ungewissen Licht wie blasse Perlen.
    »Selbstverständlich.« Bill verließ den Raum und holte das Gewünschte.
    »Ich bin froh, bei euch zu sein«, hauchte die ehemalige Hexe. »Woanders wäre es schlimmer gewesen.«
    »Du hast einen Alptraum gehabt, nicht?«
    »So etwa.«
    Bill kam zurück. Er reichte Jane das Glas. Sheila unterstützte sie, denn Janes Finger zitterten zu sehr. Sie trank in langsamen Schlucken und leerte es bis zum Grund. Dann ließ sie die Arme sinken, ohne das Glas aus den Händen zu nehmen. Sie stellte es auf die Bettdecke und schüttelte den Kopf. »Es ist unwahrscheinlich«, flüsterte sie. »Manchmal gibt es Momente, wo man nicht weiß, ob man die Dinge träumt oder sie selbst erlebt. Versteht ihr?«
    »Natürlich.«
    »So ist es mir auch ergangen. Es kam über mich wie ein Gewitter, denn ich habe es gesehen.«
    »Was hast du gesehen?« erkundigte sich Bill.
    Er bekam nicht sofort die korrekte Antwort. Jane redete mehr indirekt.
    »Es ist einfach furchtbar, wenn man davon reden soll. Ich weiß, daß es die Dinge gibt, das weiß ich genau und wenn es offen steht, kommt es zum Chaos.«
    »Das haben wir bei Magico auch gesagt«, erklärte Bill, der sich informiert zeigte.
    »Magico ist anders.« Jane widersprach.
    »Und was hast du gesehen?« fragte Bill.
    »Etwas Furchtbares, etwas Grauenvolles, das Menschen nicht begreifen können. Man muß schon selbst eine Hexe sein oder gewesen sein, um so etwas zu

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