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0427 - Zurück aus dem Grab

0427 - Zurück aus dem Grab

Titel: 0427 - Zurück aus dem Grab
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Zum fünften Mal innerhalb einer halben Stunde sah Laura Edwards auf ihre schmale Armbanduhr. Aber damit konnte sie Blossom auch nicht herbeizaubern, der schon seit fast sechzig Minuten überfällig war. An sich wäre das nicht Lauras Problem gewesen, nur warteten zwei Männer in dezenten Anzügen seit etwa 45 Minuten auf ihren Boß.
    Einer hatte zwischendurch schon seine Ungeduld signalisiert und angedeutet, man werde sich einen anderen Vertragspartner suchen, wenn Mr. Don Blossom nicht einmal in der Lage sei, einen Termin an einem lächerlichen Donnerstagabend einzuhalten, obgleich dieser Termin zwei Monate zuvor fixiert und bestätigt worden war und Blossom selbst seine Geschäftspartner eine Woche vorher noch einmal daran erinnert hatte.
    Laura konnte nichts anderes tun als darauf hinweisen, daß der Termin tatsächlich im Kalender ihres Bosses vermerkt war, und zu versuchen, ihn zu erreichen. Dreimal bereits hatte sie versucht, ihn über das Autotelefon anzurufen. Aber von dort kam nur das Rücksignal, daß ihr Anruf automatisch gespeichert werde.
    Blossom selbst hob nicht ab, und er rief auch nicht zurück, weil er seine Rastpause vielleicht beendet hatte, wieder einstieg und das Speicherzeichen des Gerätes wahrnahm.
    Lauras sechster Blick zur Uhr fiel mit dem Aufstehen der beiden Gentleman zusammen. »Tut uns leid, Miß Edwards, aber wir haben unsere Zeit auch nicht gestohlen. Für dumm verkaufen lassen wir uns nicht. Wir werden einen anderen Makler finden, mit dem wir zu einem Abschluß kommen, weil der pünktlich ist. Guten Abend noch, und einen schönen Gruß an Ihren Boß, falls der tatsächlich noch mal den Weg aus dem Pub findet, in dem er offenbar versumpft ist…«
    »Was fällt Ihnen ein? Mister Blossom ist kein Trinker«, entfuhr es Laura.
    Die beiden Männer hörten es schon nicht mehr. Ohne ein weiteres Wort hatten sie hintereinander das Vorzimmer verlassen und sogar die Tür leise geschlossen. Als Laura auf den Korridor hinaustrat, hörte sie gerade noch das Summen des Aufzugs.
    Damit konnte Don Blossom über acht Millionen Dollar in den Wind schreiben.
    Laura schüttelte den Kopf. So unpünktlich war er noch nie gewesen. Und wenn tatsächlich irgend etwas eintrat, das ihn hinderte, rechtzeitig zu einem vereinbarten Termin zu erscheinen, rief er an oder ließ anrufen. Und zwar früh genug, so daß Termine noch kurzfristig umdisponiert werden konnten.
    Wegen seiner sprichwörtlichen Zuverlässigkeit war Don Blossom doch einer der ganz Großen in der Branche geworden, einer der Haie, die die fettesten Brocken wegschnappten und den kleinen Fischen nur die kleinen Bröckchen ließen.
    Ein Acht-Millionen-Geschäft gehörte zwar ›nur‹ zum Mittelfeld, aber freiwillig hatte Blossom auch auf solche Appetithäppchen noch nie verzichtet.
    Es gab nur eine Möglichkeit: Ihm mußte etwas zugestoßen sein!
    Immerhin wollte er sich doch nur ein Objekt persönlich ansehen, dann bei ›Starnby’s‹ zu Abend essen und anschließend mit den Gentleman Raclet & Hornbow den Vertrag über das Acht-Millionen-Objekt unterzeichnen.
    Und das Geschäft war jetzt geplatzt!
    Bei ›Starnby’s‹ hatte Laura schon mehrmals vergeblich versucht, ihn zu erreichen. Mr. Don Blossom war dort noch nicht eingetroffen, hatte man ihr versichert; der reservierte Tisch sei immer noch nicht in Anspruch genommen worden.
    Ab einer bestimmten Uhrzeit hatte Laura dann nur noch Blossoms Autotelefon angewählt. Sie kannte ihn; wenn sich bei der Grundstücksbesichtigung eine Verzögerung ergeben hatte, ließ er eher das Abendessen ausfallen als seine Vertragspartner sitzen.
    Himmel, dachte Laura, wie bringe ich ihm jetzt bei, daß Raclet & Hornbow nicht einmal einen Ersatztermin akzeptieren wollten?
    Dabei wußte sie doch nicht einmal, was wirklich los war.
    Aber das Büro konnte sie dichtmachen. Publikumsverkehr gab es bei Geschäften dieser Größenordnungen in der Form ohnehin nicht, da Sprechzeiten eingehalten werden mußten. Gespräche fanden nur nach vereinbartem Termin statt. Und davon stand heute keiner mehr an. Morgen auch nicht.
    Laura schlüpfte in ihre Kostümjacke, warf sich die Umhängetasche über die Schulter und verließ die Büroflucht. Sorgfältig schloß sie ab und aktivierte über die Kodekarte die Alarmanlage.
    Der Lift trug sie in die Tiefgarage hinunter. Sie lenkte den metallicgrauen Dodge Shadow auf die Straße hinaus. Sie fuhr dorthin, wo Blossom sich das Grundstück hatte ansehen wollen. Unterwegs versuchte sie

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