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0412 - Doppelmörder für drei Stunden

0412 - Doppelmörder für drei Stunden

Titel: 0412 - Doppelmörder für drei Stunden
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Gewöhnlich werden Gangster durch einen Telefonanruf, eine Postkarte oder einen Brief bei der Polizei verpfiffen. An diesem Mittwoch schickte jemand, der es besonders eilig hatte, aber nicht telefonieren wollte, ein Telegramm. Es war auf einem Postamt in der Bronx aufgegeben und flatterte unserem Districtchef, Mr. High, nachmittags sechs Uhr siebenundvierzig auf den Schreibtisch. Der Text des Telegramms lautete: Kümmert euch mal um bruce kaylor - stopp - heroinschmuggel en gros ende.
    Keine Unterschrift, kein Absender.
    Phil und ich waren auf dem Nachhauseweg, als das rote Lämpchen am Armaturenbrett aufleuchtete. Unsere Funkzentrale rief uns. Phil schaltete sich ein und meldete sich.
    Mr. High war in der Leitung und bat uns zurückzukommen.
    Eine Viertelstunde später saßen wir unserem Chef im Districtgebäude in der 69. Straße Ost in Manhattan gegenüber. Er reichte uns das Telegramm und erläuterte: »Bruce Kaylor wohnt in der Clarendan Road 305 in Brooklyn, er ist 46 Jahre alt und hat über die Hälfte seines Lebens hinter Gittern verbracht, fast immer wegen Rauschgiftschmuggels. Er wurde vor sechs Monaten entlassen. Ist arbeitslos, lebt sehr zurückgezogen. So weit die Mitteilung des Polizeireviers, wo sich der Mann nach richterlichem Beschluss jede Woche vorstellen muss. Hier ist der Dreierstreifen aus unserem Archiv; das Bild ist vor drei Jahren aufgenommen worden.«
    Bruce Kaylor hatte das Gesicht eines Schlägers; niedrige Stirn, breite Nasenwurzeln und wulstige Lippen. Seine Augen hatten einen stechenden Blick. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Bruce jemals lachte.
    »Die City Police hat bereits die Überwachung besorgt«, fuhr Mr. High fori, »aber die Unterhaltung mit Kaylor werden Sie, Phil und Jerry, führen. Das Rauschgift-Dezernat der City Police hat uns gebeten, den Fall zu übernehmen. Aber passen Sie auf, der Mann ist in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich.«
    Eine dreiviertel Stunde später standen Phil und ich vor Kaylors Wohnungstür. Ich schellte, während Phil in den Jackenausschnitt griff und seine 38er Special lockerte.
    Schlurfende Schritte näherten sich der Tür. Jemand presste seine Augen gegen den Spion. Ich blieb ruhig im Blickfeld stehen.
    Langsam öffnete sich die Tür. Vor uns stand Bruce Kaylor in Hosenträger, mit aufgekrempelten Ärmeln. Der Mann hatte nur noch wenig Ähnlichkeit mit dem Polizeifoto. Obwohl er arbeitslos war, schien er wie eine Made im Speck zu leben, denn er sah mehr als gut genährt aus.
    »FBI«, sagte ich in Zimmerlautstärke, um lauschende Nachbarn nicht auf unseren Besuch aufmerksam zu machen. Ich zückte meinen Ausweis.
    »Mit dem Verein hab’ ich nichts zu tun«, knurrte Kaylor.
    »Wir haben Ihnen einige Fragen zu stellen«, sagte ich ruhig, aber bestimmt.
    Bruce Kaylor wich zurück. Dabei zerrte sein rechte Hand einen Browning aus der Gesäßtasche. Ehe der Bursche die Mündung auf meinen Bauch richten konnte, schnellte ich vor. Meine Faust traf Kaylor genau an der Kinnspitze. Der Gangster sackte zusammen, die Waffe polterte zu Boden. Ich hob den Browning auf. Er war geladen und entsichert.
    Phil und ich schafften Kaylor ins Wohnzimmer und legten ihn auf eine ziemlich abgewetzte Couch. Nach wenigen Sekunden schlug der Gangster die Augen auf.
    »Den Ärger hätten Sie sich sparen können«, bemerkte Phil trocken, »denn jetzt setzen wir die Unterhaltung im FBI-Districtgebäude fort.«
    Der Gangster rieb sich das Kinn und schwieg.
    Wir hatten zwei Gründe, Kaylor festzunehmen, einmal unerlaubter Waffenbesitz, zum zweiten Widerstand gegen die Staatsgewalt.
    Vier Stunden später hatten unsere Vernehmungsspezialisten den Gangster so weit in die Enge getrieben, dass er ein Geständnis ablegte. Wir stellten in einem Schuppen in der Nähe von Kaylors Wohnung eine Heroinsendung im Werte von zweihunderttausend Dollar und eine Liste von Kaylors Kunden sicher.
    Der Gangster war Zwischenhändler in der Kette von Rauschgiftschmugglem und besaß eine Amateurfunkstation. Auf diesem Weg gab er an einen Sender Josefine in Los Angeles seine Bestellungen auf. Selbst Kaylor kannte den Lieferanten nicht. Denn die Rauschgiftlieferungen erfolgten durch die Post. Bezahlt wurde durch Barschecks auf dem gleichen Wege. Das Versandsystem schien also reibungslos zu funktionieren.
    Zwei Stunden lang redeten Mr. High, Phil und ich uns die Köpfe heiß, um eine Möglichkeit zu finden, an die Rauschgiftzentrale heranzukommen. Dann hatten wir uns entschieden.
    Mit der

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