Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0353 - Die Vampirkutsche

0353 - Die Vampirkutsche

Titel: 0353 - Die Vampirkutsche
Autoren: Werner Kurt Giesa
Ads
hatte. Aber er war so zärtlich, und wenn er sprach, vibrierte alles in Elena. Wenn er sie berührte, stand sie in Flammen. Wenn das, was er ihr gegeben hatte, Liebe war, dann wollte sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes mehr tun als lieben…
    Aber jetzt war sie hier in diesem feuchtkalten Raum, zusammen mit vier anderen Mädchen.
    »Wie… wie bin ich hierher gekommen?« stieß sie hervor. »Wer seid ihr? Wo bin ich?«
    »Das wissen wir nicht«, sagte die Sprecherin. »Ich bin Marina, und die drei anderen heißen Tessa, Natascha und Layna. Layna war die erste, und in jeder Nacht kommt eine dazu. Aber wir wissen nichts. Wir bemerken es nicht. Sobald die Nacht kommt, erstarren wir anscheinend.«
    »Das ist schrecklich«, murmelte Elena. Sie nannte ihren Namen. Langsam entspannte sie sich, wenngleich sie sich nach wie vor unbehaglich fühlte. Sie hatte Angst. Etwas war geschehen, was sie nicht begriff. Sie sah Marina an, die jetzt dicht vor ihr stand und sie anlächelte. Marina wollte etwas sagen.
    Aber Elena sah Marinas Hals.
    Sie sah die beiden roten Punkte, die von einer schorfigen Kruste überzogen waren.
    Bißmale.
    Wie die von einem Vampir… und da schrie Elena gellend auf und wich entsetzt zurück bis in die hinterste Ecke des Kellerraumes…
    ***
    Gryf nahm sein Frühstück in dem Gasthaus ein, in dem er auch sein Zimmer hatte. »Zum roten Ochsen«, hieß die Schänke übersetzt. Gryf hatte schon Spekulationen darüber angestellt, ob die Namensgebung etwas mit dem Wirt zu tun hatte, dessen Haar feuerrot war, aber weil besagter Wirt auch noch beachtliche Muskeln besaß, hütete sich der Druide, eine entsprechende Frage zu stellen.
    Immerhin war das Frühstück wie stets hervorragend - mit Ausnahme des Kaffees. Der war besseres Spülwasser. Aber das ließ sich ertragen. Gryf murmelte einen Zauberspruch, fuhr einmal mit der Hand über die Tasse, und schon ließ sich der Kaffee trinken. Daß im gleichen Moment ein wenig Kaffeepulver aus den Beständen des Wirtes verschwand, fiel diesem nicht auf. Gryf hatte es einfach in seine Tasse gezaubert und das Spülwasser damit in Richtung Kaffee verstärkt.
    Ein Mann mittleren Alters polterte in die Gaststube. Gryf trug zwar aus Prinzip keine Uhr, aber sein inneres Zeitgefühl verriet ihm, daß es gerade acht Uhr morgens sein mußte. Für Joszef Vereschy war das eine sündhaft frühe Stunde. Gryf kannte ihn von ein paar abendlichen Bieren und den Erzählungen der anderen her. Vereschy gehörte nicht gerade zu denen, die die Arbeit erfunden hatten, aber er hatte sein Auskommen. Offenbar zehrte er von irgend einem Vermögen, das er einmal geerbt hatte und das einfach nicht geringer werden wollte.
    Er marschierte direkt zur Theke und bediente sich selbst. Das war im »Roten Ochsen« durchaus üblich, weil es hier fast nur Stammgäste gab, deren Ehrlichkeit dem Wirt bekannt war. Vereschy schenkte sich einen Fruchtsaft und einen Slibowitz ein und trank abwechselnd. Der Wirt kam aus einem der hinteren Räume, grinste Vereschy zu und griff nach einem Besen, um die Stube auszufegen. Das, dachte Gryf, hätte er auch zu einer anderen Zeit machen können, nicht unbedingt dann, wenn der einzige Logiergast frühstückte.
    »Ich möchte bloß wissen, was die Kutsche heute nacht hier wollte«, sagte Vereschy halblaut.
    Gryf spitzte die Ohren.
    »Kutsche? Heute nacht? Du hast zu viel getrunken, Joszef«, sagte der Wirt. »Wer hier nachts mit einer Kutsche unterwegs wäre, müßte sein Gehirn im Pfandhaus deponiert haben. Und gerade in der letzten Nacht… du siehst die Schlaglöcher in den Straßen doch gar nicht! Wer riskiert schon einen Achsenbruch?«
    »He«, brummte Vereschy. »Ich hab’ sie aber gesehen, die Kutsche.«
    »In der Nacht? Das müßte ja gewesen sein, nachdem ich euch alle ’rausgeworfen und die Bude dicht gemacht habe… so nach zwölf oder schon nach eins…«
    »Richtig«, sagte Vereschy. »Da ist die Kutsche hier durchs Dorf gefahren, in einem Höllentempo.«
    Der Wirt tippte sich an die Stirn.
    »Erzähl keinen Blödsinn. Da war ich noch wach. Ich hätte das doch hören müssen.«
    »Da war nichts zu hören«, sagte Vereschy und bediente sich wieder selbst: Fruchtsaft und Slibowitz. Gryf schüttelte den Kopf. Er hatte seine eigene Meinung über Leute, die schon am frühen Morgen Alkohol tranken.
    Aber immerhin hatte Vereschy die Kutsche gesehen…
    »Eine Kutsche hört man immer«, sagte der Wirt derweil. »Gib zu, daß du nur blöd geträumt hast, Joszef.

Weitere Kostenlose Bücher

Les fils de la liberté
Les fils de la liberté von Diana Gabaldon
Mit Familienanschluß
Mit Familienanschluß von Heinz G. Konsalik
Feuerflut
Feuerflut von Vonda N. McIntyre