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0353 - Die Vampirkutsche

0353 - Die Vampirkutsche

Titel: 0353 - Die Vampirkutsche
Autoren: Werner Kurt Giesa
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dieser Name danach.
    Damit und mit der Feststellung, daß das Schloß vor rund 170 Jahren gebrannt hatte und verflucht worden war, mußte sich doch etwas anfangen lassen. Zamorra verwünschte die Tatsache, daß bei der Teilzerstörung von Château Montagne auch viele computergespeicherte Daten vernichtet worden waren. Vielleicht hätte er sonst per EDV nähere Einzelheiten herausfinden können.
    Aber es gab ja noch andere Möglichkeiten, mehr in Erfahrung zu bringen.
    »Ich fürchte, der morgige Tag wird als ›Tag des Telefons‹ in die Geschichte der Menschheit eingehen«, murmelte er.
    Roatec… der Name klang bedrohlich, düster. Nichts Gutes würde sie dort erwarten.
    Aber - warum hatte ein diffuser, orakelhafter Traum sie beide, Nicole und ihn, auf so umständliche Weise auf Schloß Roatec aufmerksam gemacht?
    ***
    Der Vampir glaubte etwas gespürt zu haben, das ihn aus weiter Ferne berührte, aber er konnte es nicht richtig einordnen. Sofern es überhaupt etwas gewesen war und er sich nicht getäuscht hatte. Aber eine Täuschung war im Bereich des Möglichen.
    Er hatte zu wenig Blut getrunken. Schon nächtelang. Er übertrug nur den Keim des Gehorsams und nahm soviel, wie er eben brauchte, um existieren zu können. Längst zehrte diese »Sparsamkeit« an seiner Substanz. Aber wenn er sein selbstgestecktes Ziel erreichen wollte, ging es nicht anders.
    Er brauchte sieben Opfer für seine Zeremonie. Deshalb mußte er seine Gefangenen, die er in den Nächten sammelte, weitgehend schonen. Er konnte auch nicht wahllos zuschlagen, sondern mußte seine Opfer sorgfältig auswählen. Hier eines, dort eines… er wollte nicht riskieren, daß die Menschen mißtrauisch wurden. Es hatte ihm gereicht, einmal gehetzt zu werden. Damals…
    Es sollte nicht noch einmal geschehen. Keine erneute Demütigung, keine erneute Vernichtung. So lange hatte er warten müssen, und jetzt war er wieder da. Und er wollte stärker und mächtiger werden als jemals zuvor.
    Damals hatte er diese Berge beherrscht. Jetzt wollte er das ganze Land. Und er würde sich an den Nachkommen derer rächen können, die damals Schloß Roatec niederbrannten. Sie hatten geglaubt, ihn vernichtet zu haben.
    Aber jetzt - war er wieder da…
    Aber um das zu erreichen, was er sich vorgenommen hatte, mußte er einstweilen noch darben. Noch zwei Nächte… fünf Opfer hatte er inzwischen eingesammelt. Zwei fehlten noch. Dann konnte er mit der Zeremonie beginnen.
    Für diese Nacht war es genug. Er mußte mit seinen Kräften haushalten, solange er nur wenig Blut trinken durfte. Er begab sich in seine Gemächer, wo der schwarze, mit rotem Samt ausgeschlagene Sarg stand. Janos Baron von Roatec ließ sich auf dem Samt nieder. Und der verhutzelte alte Diener, der ihm aufmerksam gefolgt war, schloß den Deckel über dem Vampir.
    Nun konnte der Tag kommen, und danach die nächste, die sechste Nacht…
    ***
    Elena erwachte aus ihrer Starre, als es draußen hell wurde. Die rußende Fackel war niedergebrannt und spendete kein Licht mehr. Aber aus dem Lüftungsschacht dicht unter der Decke des Kellerraumes drang das Licht des beginnenden Tages.
    Maßlos überrascht, bestürzt, sah Elena sich um.
    Sie befand sich in einem kalten finsteren Raum mit eiserner Gittertür und feuchten, rauhen Steinwänden! Hier unten konnte man sich eine Lungenentzündung holen, und das würde ihr mit Sicherheit zustoßen, denn sie trug doch keinen Faden am Leib!
    »Wie zum Teufel, komme ich hierher? Wie ist das passiert? Das kann doch nur ein Traum sein…«
    »Ein Traum?« Jemand lachte bitter. Elena wirbelte herum. Da sah sie sie in den Schatten an den Wänden kauern. Junge Mädchen, wie sie, eins, drei, vier…
    »Du bist die fünfte«, sagte das Mädchen, das so bitter gelacht hatte. »Oh, was wären wir alle froh, wenn es ein Traum wäre. Aber es ist die nackte Wirklichkeit.«
    Elena versuchte ihre Blößen mit den Händen zu bedecken. Sie wich bis an die Wand mit dem Lüftungsschacht zurück, als die andere sich jetzt erhob und langsam auf sie zukam. Sie trug ein dünnes Nachthemd, mehr nicht. Auch die drei anderen waren mit Kleidung nicht gerade ausreichend versorgt. Sie sahen alle so aus, als wären sie direkt aus dem Bett geholt worden.
    Aus dem Bett… Elena war doch auch im Bett gewesen. Sie entsann sich, in den Armen jenes Engländers eingeschlafen zu sein, der sich Mac Landrys nannte und der so seltsame schockgrüne Augen hatte, wie Elena sie noch bei keinem anderen Menschen gesehen

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