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0343 - Der Berater des Teufels

0343 - Der Berater des Teufels

Titel: 0343 - Der Berater des Teufels
Autoren: Werner Kurt Giesa
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ehrlich und fair und gab dem Gegner eine Chance. Auch etwas, das den Höllischen nicht gefiel. Aber der Fürst der Finsternis wußte, was er an seinem menschlichen Kämpfer hatte.
    Doch Wang war stolz. Er war einst ein Herrscher gewesen, bis Temudschin kam, den sie später den Dschinghis Khan, den Mächtigen König, nannten. Temudschin hatte Wangs Stadt niederbrennen lassen, seine Familie getötet, sein Volk versklavt. Aber Wang hatte nie Rache nehmen können. Leonardo hatte ihn entführt und unverwundbar gemacht.
    »Was willst du?« hatte er einmal gesagt. »Temudschin ist seit Jahrhunderten tot. Von ihm spricht kaum noch jemand. Du aber lebst immer noch, ist das kein Triumph?«
    Für die Unverwundbarkeit war Wang seinem Fürsten dankbar. Doch bald würde die Schuld abgetragen sein. Wenn Leonardo die Unverwundbarkeit nicht bald erneuerte, erlosch die Grundlage dessen, was Wang zuweilen spöttisch sein »Dienstverhältnis« nannte. Aber solange er seinem Herrn verpflichtet war, war er ihm auch treu.
    Und wartete auf den Augenblick seiner Freiheit. Dann würde er seinen jetzigen Herrn zum Kampf fordern. Denn er war damals selbst ein Herrscher gewesen. Er war mehr als ein Waffenknecht und Leibwächter.
    Noch war es nicht soweit. Noch bestand das Problem Eysenbeiß. Wang und Eysenbeiß waren erbitterte Gegner, und sie waren Todfeinde im Ringen um die Gunst ihres Herrn. Jeder wartete nur darauf, daß der andere sich eine Blöße gab.
    Und Wang ahnte, daß er bald die Gelegenheit bekommen würde, Eysenbeiß’ falsches Spiel aufzudecken. Ihm fehlten nur noch die Beweise. Eysenbeiß hatte viele Freiheiten, und er nutzte sie weidlich aus. Das Problem Bill Fleming oblag ihm in Eigenverantwortung; es war Eysenbeiß’ Sache, wie er Fleming zu einem Diener der Hölle machte. Aber er ging auch oft darüber hinaus ganz eigene Wege, die niemand in der Hölle kannte. Wang ahnte, daß Eysenbeiß irgend etwas plante, daß er einen großen Schlag vorbereitete. Aber gegen wen würde er losschlagen? Und wie?
    Gegen Leonardo?
    In dem Fall würde Wang sich nicht scheuen, Eysenbeiß um genau eine Kopfeslänge kürzer zu machen. Verrat schätzte er nicht. Weder an sich noch an anderen, schon gar nicht an seinem Herrn. Daß er selbst eines Tages Leonardo zum Kampf stellen wollte, war eine andere Sache - er würde ihm den Kampf offen ankündigen. Und er würde es dann tun, wenn er eine Chance hatte. Jetzt war der Montagne stärker als Wang.
    Aber Wang hatte Zeit.
    Leonardo vielleicht nicht mehr. Eysenbeiß plante Übles. Und Wang beschloß, sich in den Gewölben einmal umzusehen, in denen Magnus Friedensreich Eysenbeiß sein höllisches Domizil hatte.
    Der Mongole ahnte nicht, welche Überrraschung ihn erwartete…
    ***
    »Paß auf!« hörte Bill Fleming Tandy schreien. »Der ist nicht echt! Er soll uns umbringen! Schnell!«
    Sekundenlang stand Bill wie erstarrt. Tendyke nicht echt? Ein Killer? Aber was sollte das bezwecken? Wer konnte ihnen einen Killer in Tendykes Maske auf den Hals schicken? Wer wußte überhaupt, daß Fleming und Tendyke sich kannten?
    Aber in New York ist alles möglich.
    Bill sah, wie Tendyke den Arm hob und zum Sprung ansetzte, um sich auf Tandy zu werfen. Das untermauerte ihre Behauptung. Bill streckte blitzschnell sein Bein aus. Tendyke stürzte und rollte sich ab. Tandy Cant schrie. Unglaublich hoch und schrill. Rob Tendyke rollte sich herum. Er hielt plötzlich etwas in der Hand, das wie eine Waffe aussah. Bill wollte sie ihm aus der Hand treten. Tendyke packte mit der freien Hand zu, erwischte Bills Fuß und drehte. Mit einem wilden Schmerzschrei stürzte Fleming zu Boden. Der Anprall nahm ihm fast die Besinnung. Er hörte Tandy, die in eine Ecke des Zimmers zurückgewichen war, immer noch schreien. Etwas löste sich aus der Waffe und schlug in der Wand ein - Tandy hatte sich mit einem Hechtsprung seitwärts geworfen.
    Bill raffte sich auf. Er jagte taumelnd aus dem Zimmer in sein Büro. Der Schreibtisch stand günstig. In der Schublade lag die großkalibrige Pistole. Bill riß sie heraus. Drüben im Salon erklang wieder das eigenartige Sektkorkengeräusch und dann ein häßliches, schrilles Fauchen und Zischen. Bill tauchte wieder in der Tür auf. Tendyke hatte sich halb erhoben, zielte erneut auf Tandy. Die Wandtapete brannte an zwei Stellen kreuzförmig. Tandy schrie und krümmte sich zusammen. »Er ist wahnsinnig!« schrie sie verzweifelt. »Bill…«
    Bill schoß. Die Kugel schleuderte Tendyke herum. In

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