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034 - Der Hexer

034 - Der Hexer

Titel: 034 - Der Hexer
Autoren: Edgar Wallace
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1.
    Der Kommissar drückte auf den Klingelknopf und befahl der Ordonnanz, die wenig später eintrat:
    »Bitten Sie Inspektor Wembury, zu mir zu kommen!«
    Der Kommissar ordnete die Dokumente, in denen er gelesen hatte, und legte sie in eine Mappe.
    Alan Wembury, ein Mann Anfang Dreißig und von sportlicher Erscheinung, trat ein. Er hatte nicht nur seine Laufbahn als Kriminalbeamter erfolgversprechend begonnen, sondern es während des Krieges auch zum Major gebracht.
    »Guten Morgen, Wembury!«
    »Guten Morgen, Sir.«
    »Ich habe Sie zu mir gebeten, weil ich Ihnen eine angenehme Mitteilung zu machen habe«, begann der Kommissar, der eine aufrichtige Freundschaft für seinen Untergebenen empfand. Mit einladender Handbewegung wies er auf einen Stuhl. »Sie sind zum Bezirksinspektor befördert worden und übernehmen am Montag in acht Tagen den R-Bezirk.«
    Alans Augen leuchteten auf.
    »Das kommt sehr überraschend, Sir«, erwiderte er, »und ist eine Auszeichnung - aber ich glaube doch, daß andere vor mir ... «
    Oberst Walford schüttelte den Kopf.
    »Nein, keineswegs - vielmehr freue ich mich für Sie. Es sind überhaupt bedeutende Veränderungen im Gange. Bliss, der bei der Gesandtschaft in Washington arbeitete, kehrt zurück. Sie kennen ihn doch?«
    Alan hatte zwar von dem gefürchteten Bliss gehört, wußte aber nur, daß er ein fähiger Polizeibeamter war und beinahe von jedem Mann in Scotland Yard sehr ungern gesehen wurde.
    »Der R-Bezirk ist nicht mehr so aufregend wie in früheren Jahren«, versicherte der Kommissar zwinkernd. »Aber Sie sollten sich darüber freuen!« »War er wirklich so aufregend?« fragte Alan, der Deptford nur flüchtig kannte.
    Oberst Walford nickte.
    »Ich denke natürlich an den ›Hexer‹ - den Bericht über seinen Tod habe ich oft angezweifelt. Die australische Polizei behauptete, seine Leiche aus dem Hafen von Sydney gefischt zu haben.«
    »Der Hexer! « sagte Alan Wembury langsam.
    Wer hatte von ihm, dessen Taten einst ganz London erschreckten, nicht schon gehört?
    »Obwohl der Hexer nicht mehr in Ihrem Bezirk haust«, setzte Oberst Walford hinzu, »möchte ich Sie doch vor einem Mann in Deptford warnen. Es ist ...«
    »Maurice Messer!« unterbrach ihn Alan.
    Der Kommissar hob erstaunt die Augenbrauen.
    »Kennen Sie ihn? Als Rechtsanwalt? Ich wußte nicht, daß er so bekannt ist.«
    Alan Wembury zögerte ein wenig.
    »Ich kenne ihn nur als Anwalt der Familie Lenley.«
    »Lenley? Meinen Sie etwa den alten George Lenley in Hertford, der vor einigen Monaten gestorben ist?«
    »Ja.«
    »Ach! Wir waren oft zusammen auf der Jagd. Einer jener alten englischen Landherren - tüchtige Reiter und Trinker ... Man hat mir erzählt, daß er vermögenslos starb. Hatte er Kinder?«
    »Zwei, Sir.«
    »Und Messer ist ihr Anwalt?« Der Kommissar lachte kurz auf. »Man hat sie schlecht beraten!« Er überlegte einen Moment und sagte unerwartet: »Messer kannte den Hexer.«
    Wemburys Augen wurden groß vor Erstaunen.
    »Den Hexer?« wiederholte er.
    »Ich weiß nicht, wie gut er ihn kannte, doch glaube ich, zu gut, um, wenn er noch am Leben sein sollte, Ruhe finden zu können. Der Hexer hatte seine Schwester Gwenda Milton in Messers Obhut zurückgelassen. Vor sechs Monaten wurde ihr Leichnam aus der Themse gezogen.«
    Alan erinnerte sich des unglücklichen Vorfalls.
    »Sie war Messers Sekretärin«, berichtete Walford weiter. »Wenn Sie dieser Tage einmal Zeit haben, gehen Sie ins Aktenzimmer hinauf - vieles wurde bei den gerichtlichen Verhandlungen nicht erwähnt.«
    »Über Messer?«
    Oberst Walford nickte.
    »Wenn der Hexer tot ist, hat es nichts weiter zu bedeuten, aber wenn er noch lebt ...« Er zuckte mit den breiten Schultern und schaute Alan bedeutungsvoll an. »Wenn er lebt, dann weiß ich, daß es ihn nach Deptford und zu Messer zurückzieht. Doch - lesen Sie die Akten! Sie werden sehen ...« Mit einer Handbewegung gab der Kommissar zu verstehen, daß er über den Hexer nicht mehr sprechen wollte. »Am Montag in acht Tagen treten Sie Ihren neuen Dienst an. Haben Sie vielleicht Lust, sich schon vorher mit der Arbeit im neuen Bezirk vertraut zu machen?«
    Alan zögerte.
    »Wenn möglich, Sir, möchte ich eine Woche Urlaub nehmen.«
    »Urlaub? Aber selbstverständlich. Wollen Sie die gute Botschaft Ihrem Mädchen verkünden?« Walford zwinkerte gutmütig.
    »Nein, Sir.« Alan wurde verlegen und ein wenig rot. »Ich möchte einer Dame von meiner Beförderung erzählen. Es ist -Miss Mary

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