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0339 - Die Stunde des Eisernen Engels

0339 - Die Stunde des Eisernen Engels

Titel: 0339 - Die Stunde des Eisernen Engels
Autoren: Jason Dark
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Das gelang vielleicht dem Mann, der irgendwo auf der Welt in seinem Bett lag und träumte. Obwohl ich ihn sehen konnte, wenn ich nach unten schaute, trennten uns jedoch Raum und Zeit. Aber die Träume des Schläfers wurden in diesem Teil des Planeten der Magier alptraumhafte Wirklichkeit. Was er träumte, spielte sich vor meinen Augen ab.
    Dieser mir Unbekannte hatte die Alptraum-Schlucht herbeigeträumt, in der ich steckte und wo es mir gelingen sollte, die drei positiven Geister der goldenen Skelette zu beschwören, und endlich Jane Collins, die Hexe, zu erlösen.
    Ich hätte es nicht geschafft. Andere Kräfte waren stärker. Aus den asketisch anmutenden Geistgesichtern waren plötzlich böse Fratzen geworden, die innerhalb einer Flammenwand standen und vom Feuer zerrissen wurden.
    Die langen, heißen Zungen zerschmolzen und zerstörten sie, so daß sich aus den Gesichtern dicke, feurige Klumpen lösten, die nach unten fielen und Kurs auf mich nahmen.
    Sie würden mich verbrennen.
    Den Würfel des Unheils, in dem ich vor kurzem noch gefangen gewesen war, hatte ich verlassen können. Auch in ihm hatte ich keine große Chance gesehen. Nun mußte ich mich mit einer neuen Gefahr auseinandersetzen, wobei ich das Gefühl hatte, dieser Gefahr nicht mehr entrinnen zu können. Die aus den Gesichtern fallenden Klumpen stoppte niemand.
    Wie langsam sie fielen!
    Mir schien es, als wollten sie jede Strecke des Weges genießen, da ich ihnen nicht entwischen konnte.
    Wie festgenagelt stand ich auf dem Fleck.
    Sie fielen nicht gerade. Manchmal zuckten sie oder wurden von schneller fallenden überholt. Diese stoppten dann ab und warteten, bis die anderen sie eingeholt hatten.
    Ein Wechselspiel des Schreckens, das sich mir immer mehr näherte.
    Sie konnten sich dabei Zeit lassen, da ich wie angeleimt irgendwo in der Leere des Raumes stand.
    Auch ein Phänomen, das ich nicht so recht begreifen konnte.
    Ich wollte nicht dem nahenden »Tod« entgegenschauen und senkte den Kopf. In die Tiefe fiel mein Blick. »Da unten« lag jemand und träumte.
    Mit diesem Mann verband mich persönlich überhaupt nichts.
    Wenn sein Traum endete, brach auch dieses enge Tal zusammen, und vielleicht wurde ich für immer verschwinden.
    Es waren also zwei Gefahren, die sich für mich lebensgefährlich auswirken konnten.
    Was schlimmer war, das wußte ich selbst nicht.
    In Schweiß war ich gebadet. Mein Herz klopfte wesentlich stärker als normal. Ich holte tief Luft und spürte die Hitze, die auch in meine Lungen drang. Manchmal bewegten sich die zerfließenden Gesichter vor meinen Augen, da wurden sie zu feurigen Schemen, zu roten Schatten, und die Klumpen erinnerten mich an glühende Bälle.
    Tiefer und tiefer segelten sie. Manchmal hatte ich das Gefühl, als brauchte ich nur den Arm auszustrecken, um sie mit der Hand greifen zu können. Die Entfernung täuschte allerdings. Die Klumpen waren weiter weg, als ich angenommen hatte.
    Und sie stoppten nicht…
    Die Schlucht entwickelte sich zu einer kochenden Hölle, die mir den Atem rauben wollte. Ich fühlte den Schwindel, die Angst in mir steigerte sich zur Panik, und noch einmal warf ich einen Blick in die Tiefe, um mir den Schläfer anzuschauen.
    Er lag auf dem Rücken.
    Sehr klar sah ich ihn, deutlich wie selten, so daß ich das Gefühl hatte, dicht vor dem Finale zu stehen. Aber die Haltung war verkrampft. Er hatte die Beine angewinkelt. Die leichte Decke lag über den Knien, auch die Arme waren erhoben, die Hände hatte er geballt.
    Stand er vor dem Erwachen?
    Leider gab es zu ihm keine Verbindung, sonst hätte ich gern mit ihm gesprochen.
    Das Inferno war nicht aufzuhalten!
    Einen letzten Blick wollte ich noch auf die Steine werfen, legte den Kopf in den Nacken und sah etwas, das ich nie im Leben hier vermutet hätte. Über mir und fast zum Greifen nahe schwebte eine Person, die aus einer anderen Dimension gekommen war und sich der Gefahr dieser unheimlichen Welt entgegenstellte.
    Es war Kara, die Schöne aus dem Totenreich!
    Fast hätte ich geschrien!
    Nicht vor Angst, sondern vor Freude. Kara stand auf meiner Seite, das war mir klar, und sie hatte es mir auch oft genug bewiesen. Sie trug eine lange Hose. Diese Nebensache nahm ich wahr, und ich sah auch, daß sie das Schwert mit der goldenen Klinge gezogen hatte. Es war ein Erbe ihres verstorbenen Vaters Delios. Dieses Schwert steckte voller Geheimnisse. Es war nicht nur eine einfache Kampfwaffe, sondern ein magisch geladenes Instrument, das Kara

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