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0336 - Die Geburt des Schwarzen Tod

0336 - Die Geburt des Schwarzen Tod

Titel: 0336 - Die Geburt des Schwarzen Tod
Autoren: Jason Dark
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Arm aus und versuche, mich an der Kleidung aus diesem verdammten Sumpf zu ziehen. Wenn du das schaffst, ist viel gewonnen. Verstanden?«
    »Sicher.«
    Sie kroch tatsächlich vor. Auch wenn sie von der Furcht geschüttelt wurde, Claudine riß sich zusammen und machte ihren Arm lang. Die gespreizte Hand erschien dicht vor meinem Gesicht, wurde zur Seite gedrückt und berührte meine Schulter, wobei die Finger sich krümmten und sich in den Stoff verhakten.
    Immer dunkler wurde es.
    Die Schachtwände schienen aufeinander zuwachsen zu wollen.
    Mir kam es vor, als würde die Tiefe des Schachts immer enger und sich gleichzeitig mit dem Boden vereinigen.
    Ich bekam Atembeschwerden. Es lag an der Luft, die sich auf unerklärliche Art und Weise verdichtet hatte. Die Aura Schwarzer Magie verstärkte sich.
    Ich dachte an mein Kreuz und daran, weshalb es nicht reagierte.
    Konnte es nicht etwas tun…?
    »Ich habe dich…«
    Claudines Worte rissen mich aus meinen Gedanken, und ich atmete auf, als ich den Druck ihrer Finger spürte.
    »Kannst du mich auch halten?«
    »Ja, ja… noch … versuche es …« Stockend drangen die Worte über ihre Lippen.
    »Dann zieh!«
    Sie tat es. Sie gab ihr Bestes, aber ich hatte die anderen Kräfte unterschätzt. Was sie einmal in den Klauen hielten, wollten sie nicht mehr loslassen.
    Nicht allein Claudine Auber zog. Ich spürte einen weiteren Druck, der mich von unten her packte. Es war der Sumpf, der mittlerweile »bemerkte«, daß ihm sein Opfer entrissen werden sollte, und sich nun dagegen anstemmte.
    »Laß los, Claudine!« keuchte ich, als ich merkte, daß die andere Kraft stärker war.
    »Ich kann nicht!«
    Drei Worte, die mich schockierten und mir klarmachten, wie schlecht unsere Lage war. Als wäre Claudine an meiner Schulter mit ihrer Hand festgewachsen, so kam sie mir vor, als sich der Druck zwangsläufig auf sie übertrug und sie mit über die kleine Insel zog.
    »Es… es geht nicht. Ich … ich kann nicht loslassen. Das andere ist stärker.«
    Claudine sprach verzweifelt, und ich konnte ihr nicht helfen.
    Immer näher rückte sie auf mich zu. Das Inselbrett verlagerte sein Gewicht und kippte mir entgegen.
    Zuerst war das Mädchen dicht vor mir. Sein erschrecktes Gesicht sah ich noch, die weit aufgerissenen Augen und die Angst darin.
    Dann fiel sie gegen mich.
    Im selben Moment wurde es stockfinster. Es kam uns beiden tatsächlich so vor, als hätte jemand einen Sack über unsere Köpfe gestülpt. Ich konnte Claudine nur noch mit Worten beruhigen und flüsterte ihr ins Ohr. »Keine Angst, Claudine, es geht alles gut, wirklich. Du mußt Vertrauen haben, wir werden eine Reise machen…«
    »In die Vergangenheit, nicht?« flüsterte sie mit bebender Stimme.
    »So sieht es aus.«
    »Und dann?«
    »Ich weiß es nicht.«
    Was uns die Zukunft in der Vergangenheit bringen würde, wußte ich tatsächlich nicht. Dafür stellte ich etwas anderes fest. Einen noch größeren Zug an meinen Beinen.
    Der Sumpf reagierte. Er löste genau das Versprechen ein, das mir die drei goldenen Skelette gegeben hatten.
    Sie zogen uns in die Tiefe.
    Ich hatte dabei das Gefühl, als würde elektrischer Strom durch meine Beine rieseln und an den Außenflächen Tausende von Ameisen gleichzeitig hochkriechen.
    Tiefer und tiefer sanken wir. Vor mir spürte ich das Gesicht der Claudine Auber. Ich konnte es nicht sehen, aber die von der Haut abgegebene Wärme war genau zu spüren.
    »Soll ich beten?« hauchte Claudine.
    »Ja, tu das…«
    Während ihre Lippen stockende Worte formten, sanken wir beide in die unauslotbare Tiefe des Höllensumpfs und einer Vergangenheit entgegen, über die kein Geschichtsbuch je etwas geschrieben hatte…
    ***
    Er hieß Daniel Ricon, war Pilot und verstand seit einigen Stunden die Welt nicht mehr.
    Wenn er das alles erzählte, was er erlebt und hinter sich hatte, würde man ihn im günstigsten Fall auslachen. Im ungünstigsten jedoch würde man ihn in eine Klapsmühle stecken, so unglaublich war seine Geschichte.
    Unglaublich, aber wahr!
    Er hatte tatsächlich etwas erlebt, für das es keinerlei Erklärung gab.
    Noch vor einem Tag hatte seine Welt aus realen, meßbaren und auch faßbaren Komponenten bestanden, das alles war nun regelrecht umgekehrt worden. Er konnte es noch immer nicht begreifen, als er mutterseelenallein durch die Dunkelheit stolperte und sich die Schatten der Weinberge wie große Schwingen über seine Gestalt legten.
    Der Weg war staubig und steinig. Beides merkte er

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