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0264 - Nachts, wenn der Wahnsinn kommt

0264 - Nachts, wenn der Wahnsinn kommt

Titel: 0264 - Nachts, wenn der Wahnsinn kommt
Autoren: Jason Dark
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haben sie selbst gesehen.«
    »Und überlebt?«
    »Auch das.«
    Tonio Palazzo strich über seine feuchte Stirn. Er war völlig durcheinander. »Wenn ich Ihren Worten trauen darf«, sagte er nach einer Weile mit zittriger Stimme, »dann hat er bereits seine Diener gefunden.«
    »So sieht es aus.«
    Palazzo holte tief Luft. »Eigentlich dürfte ich gar nicht so mit Ihnen reden«, flüsterte er heiser. »Ich bin, Polizist, und das, was Sie hier sagen, ist Unsinn, Quatsch, Spinnerei.«
    »Für uns eine Tatsache«, nickte Suko.
    »Ja, ja, klar…«
    »Und wo liegt der See im Stein?« Ich kam wieder auf das Grundthema zu sprechen. »Was erzählt die Sage?«
    »Nicht weit von hier in den Bergen. Aber das Gelände ist unwegsam. Den genauen Ort kenne ich nicht, doch ich weiß aus den Sagen, daß der See im Stein wandert.«
    »Wie das?«
    »Ganz einfach. Wenn die Vulkane toben und die Erde bebt, dann drückt diese Kraft den See im Stein weiter. So jedenfalls habe ich es in einer alten Sage gelesen. Das kann stimmen, muß aber nicht.«
    Ich lächelte. »Wenn wir von Ihnen den ungefähren Ort wissen könnten, wäre uns sehr geholfen.«
    »Ja, das können Sie.«
    »Bitte.«
    »Fahren Sie in südliche Richtung.« Er schüttelte den Kopf. »Nein, es hat keinen Sinn, wenn ich es Ihnen erkläre. Ich weiß es selbst nicht genau.«
    »Kennen Sie jemanden?«
    »Ja. Einen, wie sagt man bei Ihnen, Heimatforscher!« Palazzo lächelte. »Ihn müssen Sie fragen.«
    »Was hält uns dann noch, Signore?«
    »Nichts mehr.« Der Kommissar stand auf und winkte der Bedienung.
    Auch wir erhoben uns. Viel hatten wir nicht erfahren. Immerhin waren wir so neugierig geworden, daß wir es kaum erwarten konnten, dem See im Stein zu begegnen.
    Wir hatten an vieles gedacht. Nur eine Tatsache hatten wir vergessen.
    Daß die Mafia einen sehr langen Arm besitzt…
    ***
    Es war grauenhaft!
    Franca Mundi erlebte etwas, das es gar nicht geben konnte. Höchstens in Alpträumen, aber sie träumte nicht, denn was sie sah, war eine Tatsache.
    Vor ihr hockte ein Monster!
    Ein riesiger Vogel.
    So einen hatte sie noch nie gesehen, den gab es überhaupt nicht in Wirklichkeit. Das war ein Geschöpf dämonischer Fantasie. Franca stand zwischen den unheimlichen Kreuzen, starrte auf den Vogel und wedelte mit den Händen.
    »Weg!« flüsterte sie, »geh weg! Du kannst nicht hier sein. Dich gibt es nicht…«
    Der Vogel stand stumm vor ihr. Nein, es war kein Vogel, sondern eine Ausgeburt der Hölle. Gelb der lange, spitze Schnabel. Darüber zwei grausame, gefährlich blickende Augen mit Mordlust in den Pupillen. Der Kopf schimmerte rötlich. Er war mit Schuppen bedeckt. Dahinter begann der ebenfalls schuppige Körper, der allerdings einen violetten Ton zeigte, wie auch die gewaltigen Flügel, deren Spannweite die eines Adlers bei weitem übertrafen. Der grauenhafte Vogel hockte auf dem Boden zwischen den Grabkreuzen, und er fixierte das Mädchen mit einer tödlichen Entschlossenheit.
    Den Schnabel hielt er geöffnet. Im nächsten Augenblick peitschte eine lange Zunge hervor. Zu vergleichen mit der einer Schlange, und sie wischte dicht am Gesicht der entsetzt dastehenden Franca Mundi vorbei.
    Dieser Zungenschlag glich einem Startsignal. Franca verlor ihr stummes Entsetzen, riß den Mund auf, und ein Schrei zerschnitt die Stille des unheimlichen Friedhofs.
    Franca Mundi brüllte all ihre Not und Angst heraus. Ihr verzerrtes Gesicht wirkte wie eine eingefrorene Maske des Schreckens. Sie schüttelte plötzlich den Kopf, warf sich auf dem Absatz herum und wollte fliehen.
    Vielleicht gelang es ihr trotz allem, dem unheimlichen Vogel zu entkommen, wenn sie nur schnell genug war.
    Ein Irrtum.
    Zwar bewegten sich die Grabkreuze nicht, aber sie bildeten nicht unbedingt eine Reihe, sondern standen versetzt. Und das wurde Franca zum Verhängnis.
    Sie konnte nicht zwischen ihnen hindurchschlüpfen. Die waagerechten Balken waren wie sperrige Anne. Ihr Nachthemd bauschte sich auf, und der Stoff verfing sich an den Enden, so daß er der Gewalt nicht mehr standhalten konnte. Er riß.
    Franca hörte das Geräusch. Ein großer Fetzen des Nachthemds wurde von der Schulter aus bis hin zur Hüfte herausgerissen, und die weiße Haut des Körpers schimmerte im Licht des Mondes.
    Franca spürte den Ruck.
    Plötzlich war sie frei. Aber sie hatte zuviel Kraft in ihre Aktion gelegt, wurde nach vorn geschleudert, verlor die Balance und fiel zwischen den Grabkreuzen zu Boden.
    Für die Länge einer Sekunde

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