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0258 - Der Raub der Broadway-Königin

0258 - Der Raub der Broadway-Königin

Titel: 0258 - Der Raub der Broadway-Königin
Autoren: Karl-Heinz Günther
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Dreiundzwanzig Personen drängten sich an der Kasse zur Geisterbahn, um das Gruseln zu lernen. Sie wollten nur das Gruseln lernen, aber sie erlebten den Schock ihres Lebens.
    Sie blickten auf die eiserne Flügeltür, die sich nach einem genau berechneten Zeitabstand öffnete, um einen der kleinen Wagen auszuspeien, mit denen man durch das Grusel-Paradies fahren konnte.
    Und dann war es soweit! Die gummigepolsterte Stoßstange drückte mit einem krachenden Laut die Flügeltür auf, und der rotlackierte Wagen rollte am Einstieg aus. Die elegant gekleidete Dame auf dem Sitz starrte mit weitaufgerissenen Augen vor sich zu Boden.
    Neue Fahrgäste schoben sich heran, aber die Dame blieb wie erstarrt sitzen.
    Der junge Kartenkontrolleur tippte ihr auf die Schulter.
    »He, junge Frau, aussteigen! Oder wollen Sie noch einmal fahren?«
    Sie antwortete nicht.
    Langsam fiel ihr Körper vornüber; der Kopf mit den blonden Locken schlug auf den Haltegriff auf.
    Im Rücken der Frau steckte ein Messer.
    ***
    Ein junges Mädchen schrie bei diesem Anblick gellend auf und brach dann zusammen. Zwei Männer konnten es gerade noch auffangen. Kaltes Entsetzen hatte die Gesichter der Umstehenden jäh verändert.
    Der junge Kontrolleur drängte die Neugierigen zurück und legte die Sperrkette vor. Dann sah er den Besitzer des Vergnügungszeltes an, der aus der Kasse gekommen war.
    »Wir müssen die Polizei verständigen«, sagte er.
    Der Dicke nickte. »Lauf zu Joe Grimmer hinüber, Pete! Er hat ein Telefon.« Pete bahnte sich bereits einen Weg durch die Menge.
    ***
    Ein Mann löste sich aus dem Schatten des Zeltes. Er sah sich erst vorsichtig um, bevor er zu dem Eiswagen hinüberschlenderte.
    »Ein Eis!«
    »Sofort, Sir!«
    Der grauhaarige Verkäufer nahm ein Waffelhörnchen und füllte es mit Himbeereis. Dabei musterte er den Kunden verstohlen. Dieser hatte den Hut tief in die Stirn gedrückt. Das unsympathische Gesicht war pockennarbig und machte keinen vertrauenerweckenden Eindruck.
    Der Verkäufer reichte dem Kunden das Eis.
    Der Pockennarbige nahm es und begann daran zu lecken. Dabei sah er zu der gegenüberliegenden Schaubude hinüber. Über dem Eingang flammte mit kurzen Unterbrechungen die Lichtreklame auf. »See the Ghosts — Lernt die Gespenster kennen«, lockte die bunte Lichterkette, und ein satanisches Grinsen überzog das Gesicht des Pockennarbigen.
    ***
    Lieutenant Andy Gresh vom Homicide-Squad Brooklyn machte sich mit seinen Männern an die Arbeit. Todesursache und Zeit des Mordes waren völlig klar. Gresh wandte sich an seinen Sergeanten.
    »Solowski!«
    Ein breitschultriger Hüne trat heran.
    »Lieutenant?«
    »Halten Sie die Leute fest, die in den nachfolgenden Wagen saßen. Ich sehe mir die Bude von innen an. Trescott, Walker und Stevens kommen mit. Die Scheinwerfer nicht vergessen!«
    Sie begaben sich ins Innere. Schritt für Schritt folgten sie den Schienen der Geisterbahn.
    ***
    Trescott hatte die Öffnung in den beiden aneinandergeschnallten Zeltbahnen entdeckt. Die schmalen Lederriemen waren gelöst worden, gerade so weit, daß man gebückt hindurchschlüpfen konnte.
    Gresh deutete auf den Boden. »Er ist hier durch. Dieselbe Spur wie drinnen läuft hier weiter.«
    Deutlich waren die Abdrücke im losen Sand zu erkennen. Aber nach zehn bis zwölf Yard lösten sie sich in nichts auf. Wie viele Menschen mochten auf ihrem Weg durch das Vergnügungszentrum von Coney Island in der Zeit nach dem Mord hier entlanggekommen sein?
    Trescott sah zur anderen Seite des Weges hinüber, wo ein Eiskarren stand. Ein Mann im hellgrauen Anzug lutschte gemächlich an seinem Eis.
    Die Polizisten gingen zum Eingang der Geisterbahn zurück. Schon an der sauren Miene des Lieutenants erkannte Sergeant Solowski, daß die Männer nichts erreicht hatten.
    »War die Dame allein in den Wagen gestiegen?« wandte sich Lt. Gresh fragend an den jungen Kontrolleur.
    Pete Dunning zuckte wie elektrisiert zusammen.
    »Damned, Lieutenant! Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Sie hatte eine üble Type bei sich. Mittelgroß und das Gesicht voller Narben. Er trug, wenn ich mich recht erinnere, einen hellgrauen Anzug und ebensolchen Hut.«
    Gresh merkte gar nicht, wie Trescott bei der Beschreibung zusammenzuckte. Seine Augen blitzten auf. Dann bahnte sich der junge Beamte auch schon einen Weg durch die Menschenmenge.
    ***
    22.15 Uhr! — Der Pockennarbige lutschte schon sein viertes Eis. Nun drehte er sich zu dem Verkäufer um und suchte in seinen Taschen

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