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0243 - Die Schädelkette

0243 - Die Schädelkette

Titel: 0243 - Die Schädelkette
Autoren: Jason Dark
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Die Arbeit war Mord!
    Jedenfalls behaupteten das die schwarzen Arbeiter, die in der Diamantenmine schufteten. Und sie hatten recht mit ihrer Meinung, denn es hatte zahlreiche Tote gegeben.
    Das Syndikat jedoch kannte kein Erbarmen. Wollte einer der Männer nicht mehr arbeiten, wurde er ausgewechselt. Es standen genügend an, die um Arbeit bettelten.
    Wer in den Minen tagtäglich schuftete, war für sein Leben gezeichnet.
    Die härtesten Burschen zerbrachen hier, und kaum jemand hatte es länger als zehn Jahre unter der Erde ausgehalten.
    Das Syndikat aber wollte mehr, denn Diamanten waren gefragt.
    Diamanten und Gold, nur das zählte, und dafür gingen die Männer an der Spitze über Leichen. Zumeist über die ihrer schwarzen Arbeiter.
    Und die Männer schufteten weiter. Tag für Tag, Nacht für Nacht.
    Es wurde in Schichten gearbeitet. Moderne Bohrer fraßen sich durch das Gestein, wühlten es auf und erfüllten die Gänge der unterirdischen Diamanten-Bergwerke mit einer nie abreißenden Staubwolke.
    Die wenigen Weißen, die in die Tiefe fuhren, vernahmen aber auch die warnenden Stimmen. In den alten Geschichten der Eingeborenen lebten die Flüche und die Geister der Tiefe weiter. Sie ließen sich nur bis zu einer angewiesenen Grenze stören. Wenn die überschritten war, dann schlugen sie zurück.
    Die Weißen lachten darüber, die Schwarzen jedoch nahmen dies sehr ernst.
    Und die Bohrer fraßen sich weiter hinein in das Gestein. Sie holten die wertvollen Steine hervor, die auf dem Weltmarkt so begehrt waren.
    Bis es eines Tages passierte.
    Für die Schwarzen war es ein Unglück, die Weißen konnten triumphieren. Vorerst nur, denn sie wußten nicht, daß man mit dem Teufel keine Späße trieb.
    Es war an einem Freitag, als die Schicht in den Berg einfuhr. Ingenieure hatten den Verlauf eines neuen Stollens geplant und ausgerechnet. Er sollte an diesem Tag in Angriff genommen werden.
    Fünf dunkelhäutige Arbeiter hatten die Aufgabe übertragen bekommen.
    Kunta, der Vorarbeiter, hatte die Mannschaft selbst zusammengestellt.
    Und er nahm nur die Kräftigsten mit. Sie bekamen ihre Bohrer, die Hacken und frische Batterien.
    Bevor die fünf Männer losgingen, schaute Kunta sie an. »Ihr wißt Bescheid?« fragte er.
    Einer hatte noch etwas hinzuzufügen. »Ich hatte einen Traum und sah die Diamanten. Aber sie waren von schrecklichen Dingen umgeben. Deshalb sage ich euch, daß wir diesen Tag nicht überstehen werden, meine Freunde.«
    Kunta, der Vorarbeiter, wurde besser bezahlt als die anderen. Er verdiente auch Prämien und wollte sich durch so ein Geschwätz nicht das Geschäft verderben lassen. »Halte ja dein Maul, Oko. Hier wird nichts passieren. Wir allein brechen den neuen Stollen auf, und wir werden Geld kassieren…«
    »Für das wir die Waren der Weißen kaufen.«
    »Du kannst ja das verdorbene Fleisch unserer Brüder fressen. Ich jedenfalls nicht.«
    »Verräter!«
    Kunta öffnete seinen Mund. Scharf stieß er den Atem aus. Unter der Haut bewegten sich seine Muskeln, doch er riß sich zusammen.
    »Darüber reden wir noch«, sagte er. »Vorwärts jetzt!«
    Die fünf Männer verließen den Förderkorb und damit auch die einzige Verbindung zur Außenwelt. Hintereinander schritten sie in den breiten Tunnel hinein, zwischen den Schienen, auf denen kleine Wagen mit dem Geröll befördert wurden.
    Man hörte sie schon von weitem, wenn sie herbeirumpelten und zum Sammelplatz rollten. Da die Strecke ein wenig Gefälle besaß, brauchte man keine Zugmaschinen einzusetzen.
    Es wurde heißer, je tiefer sie in die südafrikanische Erde eindrangen.
    Wie eine Wand lag der Staub im Tunnel. Wenn die Staubpartikel in den Schein der Lampen gerieten, blitzten sie auf.
    Die Männer waren gleich gekleidet. Ärmellose Hemden und Hosen aus rauhem Leder, die hielten am längsten.
    Ein schweigender Marsch führte sie in die Tiefe. Schon bald trennten sie sich von dem Hauptstollen, drangen ein in die niedrigen, kleinen, unterirdischen Schluchten, wo die Luftzufuhr noch schlechter war, die Staubwolke dafür dichter.
    Auch diesen Stollen mußten sie durchwandern. Manche Stempel standen schon schief. Es wurde Zeit, sie neu aufzustellen. Sonst würde der Stollen sicherlich bald zusammenbrechen.
    Noch war es aber nicht soweit, denn ein zweiter, von diesem abzweigender Stollen sollte noch in den Berg hineingetrieben werden.
    Die Weißen hofften dort auf eine besonders große Ausbeute an Diamanten.
    Die Männer sprachen kein Wort miteinander, als

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