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0238 - In der Voodoo-Hölle

0238 - In der Voodoo-Hölle

Titel: 0238 - In der Voodoo-Hölle
Autoren: Rolf Michael
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durch die schmutzige Arbeit, die Leute wie Sie durchführen, einen nicht zu unterschätzenden Zustrom. Durch Subjekte ihrer Art, die nach außen hin den biederen Geschäftsmann spielen und doch genau so ein Schurke sind wie die Menschen, welche mit den von ihnen gelieferten Waffen auf ihre Artgenossen schießen, werden Revolutionen und Wirren geschürt. Durch sie bekommt das internationale Verbrechen Macht. Und den krankhaften Gehirnen von Fanatikern wird die Geißel des Terrorismus in die Hand gegeben. Es ist der Hölle also sehr viel daran gelegen, solche Unternehmen, die uns beträchtliche Lieferungen sichern, zu stützen. Und nun… greifen sie zu, Morena… verbinden sie sich mit uns. Werden sie zum Geschäftspartner Satans. Denn auf das Erbarmen dessen, den die Menschen Gott nennen, können sie nur hoffen, wenn sie ihr Leben von Grund auf ändern. Wenn sie vollends nach dem zweitausend Jahre alten Gerede leben, das man auch die Bergpredigt nennt. Ha, Morena… das ist kein Leben für sie… unter der härenen Kutte mit geschorenem Haupt… barfuß laufen, in der Kirche auf den Knien rumrutschen und Litaneien plärren. Keine Frauen mehr. Hören sie, Morena. Keine Frauen - auch Graziana nicht. Und nur noch karge Kost, ohne Wein, ohne Fleisch… ist es das wert, Morena? Sie sind ein Mann des Lebens! Dieses Lebens! Und sie wollen es leben! Jetzt! Hier und heute!«
    Die Stimme des Versuchers, der seit Anbeginn der Zeit die Menschen auf die Pfade des Bösen führen will, lockte.
    Und sie sprach genau die richtigen Worte, für die Männer vom Schlage eines Gonzales Morena empfänglich waren.
    Im Herzen wurde Morena bereit für einen Pakt mit dem Bösen…
    ***
    Die Straße glitt unter Professor Zamorras wirbelnden Füßen nur so dahin. Bald mußte die Stelle erreicht sein, wo sich der Dämon aufhielt. Und der Parapsychologe würde ihn zurücksenden in die Schlünde der Hölle.
    »Warte… warte doch, Chef!« hörte er hinter sich die keuchende Stimme Nicole Duvals. Er mäßigte sein Tempo etwas, damit sie aufschließen konnte. Zwar war es nicht nötig, aber es war sicherlich besser, die hübsche Französin, die auch tatkräftig zupacken konnte, an seiner Seite zu wissen. Durch ihre Zusammenarbeit mit Professor Zamorra war sie recht gut bewandert im Umgang mit Dämonen. - Ja, sie selbst war sogar eine mächtige Waffe gegen die Kräfte der Tiefe, denn Nicole war das Flammenschwert.
    »Nicht so schnell! Das ist hier kein Volkslauf, Cheri!« hörte er wieder Nicoles Stimme. Noch mehr mußte er sein Tempo verlangsamen. Denn die Straße war von vielen Passanten belebt. Von Passanten, die eigentlich gar nicht so recht in das hektische Getriebe der Großstadt passen wollten, sondern die eher einem Zirkus oder Variete entsprungen sein konnten oder einem Eingeborenendorf in der Wildnis. Denn sie trugen weder normale Anzüge europäischen Zuschnitts, mit denen der wahre Caballero Venezuelas seine Kultur betont, noch die Jeans und T-shirt-Mode, die von der Jugend propagiert wurde.
    Im Gegenteil. Die Kleidung der Leute schien von einer ungeheuren Fantasie zu künden. Einer Fantasie, der keine Grenzen gesetzt sind. Das waren keine Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts, die da leichten Schrittes fröhlich singend begleitet vom dumpfen Tom-tom einer Trommel und dem Rasseln der Maracas tanzten. Das waren Figuren aus den Märchen. Da waren die Kleider, in die sich Königinnen und Prinzessinnen hüllten, da hüpften kecke Dominos oder flitterbehängte Bajazzi, wirbelte rauschende Seide wie beim Vorbeiflug einer Fee aus dem Reich der Elben.
    Es war die Zeit, wo in Südamerika der Karneval gefeiert wurde. Die Zeit des Trubels, der Ausgelassenheit, des Taumels der Begeisterung, wo der Arme die Armut vergißt und für wenige durchtanzte Stunden zur Prinzessin oder zum Sambakönig wird.
    Karneval in Caracas!
    Gerade wegen dieses Ereignisses, das Tausende anlockt und nur durch den Ruhm des Karnevals in Rio am Strande der Copacabana in den Schatten gedrängt wird, hatte Professor Zamorra gerne die Einladung der Universität in Caracas angenommen und dort einige viel beachtete Vorlesungen in der Ciudad Universitaria gehalten. Auch er wollte einmal die Ausgelassenheit des Volkes unter der heißen Sonne erleben, wollte das fröhlich pulsierende Herz Lateinamerikas schlagen hören.
    »Parbleu !« - Verflixt! - hörte Professor Zamorra die schrille Stimme seiner Sekretärin, sah sie mit den Armen in der Luft rudern und dann fallen. Ob sie

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