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0238 - In der Voodoo-Hölle

0238 - In der Voodoo-Hölle

Titel: 0238 - In der Voodoo-Hölle
Autoren: Rolf Michael
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Luft.
    ***
    »Warte einen Moment, Cheri.«
    Die Stimme seiner Sekretärin, Lebensgefährtin und Mitkämpferin gegen die Gewalten der Finsternis ließen Professor Zamorra Böses ahnen. Immerhin befanden sie sich in der Avenida Bolivar, einer der Hauptstraßen von Caracas. Und hier gab es das, was Nicole Duval anlockte wie der Honig die Fliegen. War die Auswahl auch nicht so groß wie in London, Paris oder Rom; hier waren die ersten Modehäuser der Hauptstadt von Venezuela. Die süße Französin brauchte nur Kleider oder sonstigen Fummel zu sehen und sie war nicht mehr zu bremsen. Wie andere Leute Briefmarken, so sammelte Nicole Duval modische Kleidung. Die Schränke zu Hause auf Château Montagne quollen förmlich über. Aber das tat ihrer Kauflust keinen Abbruch.
    Zamorra erzitterte für sein Bankkonto. Wenn das so weiter ging, würde er irgendwann noch von seinem Hobby Abstriche machen müssen.
    Unerträglich, der Gedanke, einmal von seiner PS-starken Flotte ausgesuchter Automobile Abschied nehmen zu müssen und auf einen Renault 4, einen Enten-Citroën oder gar einen Volkswagen umsteigen zu müssen.
    Der athletisch gebaute Mann mit dem markanten Gesicht, dessen wahres Alter schwer abzuschätzen war, kämpfte verzweifelt darum, gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
    »Nur ansehen, mon amie«, sagte er, »und dann schreibst du es auf einen Zettel und schickst ihn an den Weihnachtsmann. Vielleicht hat der das nötige Kleingeld, diese Herrlichkeiten zu bezahlen.«
    »Spielverderber!« knurrte Nicole Duval, um dann geschmeidig wie eine Katze auf Professor Zamorra loszugehen. Mehrere Passanten schüttelten erstaunt oder pikiert die Köpfe als sie sahen, daß sich hier ein Paar auf offener Straße küßte. Heilige Madonna von Gouadelupe, gab es denn keinen Anstand mehr auf der Welt?
    »Nur ein einziges Kleid«, hörte Professor Zamorra seine Nicole schnurren. »Nur ein einziges, kleines Kleid. Ich bin dann auch ganz artig und…«
    Die um den Nacken gelegten Finger der Frau erzeugten bei Zamorra ein eigenartiges Prickeln. Das kleine Biest wußte doch immer, wie es seinen Herrn und Gebieter rumkriegen konnte. Geistig sah sich der Professor, der als weltbekannte Kapazität auf dem Gebiet der Parapsychologie in einschlägigen Fachkreisen ein Begriff war, schon runde einhundert Bolivar über den Ladentisch verschwinden.
    Da geschah es! Und es traf Professor Zamorra wie ein elektrischer Schlag.
    Das Amulett hatte sich erwärmt.
    Das Amulett des Leonardo de Montagne, eines Vorfahren Zamorras aus der Zeit der Kreuzzüge, die stärkste Waffe, die der Professor im Kampf gegen die schwarze Familie aus den höllischen Klüften besaß.
    Die Silberscheibe mit den Symbolen des Tierkreises und den hieroglyphenartigen Schriftzeichen zeigte die Anwesenheit eines jener Wesen an, die der Kraft der ewigen Verdammnis dienen.
    Und Merlins Stern hatte sich noch nie geirrt, wenn es auf die Untertanen aus dem Reich des Kaiser Luzifer und seiner Vasallen hinwies.
    Ein knapper, abgerissener Satz und Nicole Duval war im Bilde.
    Inständig hoffte sie, daß es nur ein geringer Dämon war, der hier in Caracas sein Unwesen trieb und dessen Vernichtung für den berühmten Geisterjäger und Dämonenvernichter Zamorra nicht mehr als eine Routineangelegenheit war.
    Professor Zamorra war schon gestartet. Wie ein Blinder durch einen gut ausgebildeten Hund wurde er von der Gewalt des Amulettes geführt. Nicole Duval sah seine hochgewachsene, markante Gestalt der Avenida Bolivar entlanglaufen.
    ›Adieu, ihr schönen Kleider und schicken Hüte‹, waren ihr geistiger Gruß, als sie sich die hochhackigen Pumps von den Füßen riß. In diesen modischen Tretern, die nur von einem absoluten Frauenfeind erfunden sein konnten und die Nicole nur aus Gründen ihres Modefimmels trug, war es ihr höchstens möglich, langsam zu gehen. Laufen konnte man nicht darin.
    Passanten schüttelten die Köpfe, als Sie die aufreizend schöne Französin mit dem wehenden, langen Blondhaar mit zwei hochhackigen Schuhen in der Rechten barfuß in Richtung auf die Centre Bolivar laufen sahen.
    Und sie hätten sich bekreuzigt, wäre ihnen bewußt gewesen, daß diese Frau einem ihrer gefährlichsten Abenteuer entgegenlief.
    Denn ein Rendezvous mit dem Teufel ist immer gefährlich…
    ***
    »Blopp!« machte es.
    Leichter, gräulicher Rauch kräuselte sich aus der kreisrunden Öffnung im Lauf der Smith and Wesson. Der Schalldämpfer hatte den Schuß fast unhörbar gemacht.
    Graziana, die

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