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0238 - In der Voodoo-Hölle

0238 - In der Voodoo-Hölle

Titel: 0238 - In der Voodoo-Hölle
Autoren: Rolf Michael
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»Nicht der, den Sie meinen«, grinste sein Gegenüber und der fettleibige, braunhäutige Südamerikaner im geschniegelten Anzug konnte nicht umhin, diesen Mann mit einer Ratte zu vergleichen. »Nicht gerade der Teufel selbst… aber doch einer von denen, die seine Untergebenen sind. Haben Sie nicht eben daran gedacht, ihre Seele dem Teufel zu verschreiben, wenn er ihnen aus diversen Schwierigkeiten hilft? Nun, da bin ich… !«
    Gonzales Morena rutschte förmlich zusammen. Ja, es stimmte. Denn er war am Ende. Sein Lebenswerk war zerstört worden. Die Geschäftsbilanzen wurden mit steigendem Konkurrenzkampf immer negativer. Gegen die Kartelle der Großen war er machtlos. Die letzten Schriftwechsel mit seinen Banken, Geschäftsfreunden und Kreditgebern zeigten an, daß seine Karriere als Geschäftsmann beendet war.
    Konkurs! Bankrott! Das Geschäft war nicht mehr liquide.
    Aus der Traum vom großen Geld und vom schnellen Reichtum!
    Andere waren noch schneller, noch gewiefter und noch härter gewesen. Denn in den Geschäften, die Morena betrieb, war Fairneß ein Zeichen von Schwäche und Ehrlichkeit eine Art Selbstmord. Morena betrieb offiziell ein Import- und Exportgeschäft für Kaffee, Kakao, Baumwolle und Zuckerrohr. So jedenfalls stand es auf dem goldeloxierten Schild vor der Büroetage im Hochhaus nahe des Centre Simon Bolivar im Herzen von Caracas zu lesen.
    Genausogut hätte Gonzales Morena in Liechtenstein eine Briefkastenfirma haben können. In den geschmackvoll eingerichteten Geschäftsräumen wurde über weitaus weniger harmlose Produktionsgüter gesprochen. Die Agrarprodukte hätten wohl kaum genug Rendite abgeworfen, um den Unterhalt für Morenas Cadillac »Seville« zu bezahlen.
    Gonzales Morena war der größte Waffenschieber von ganz Venezuela. In den Fabriken und Lagerhallen, in denen offiziell seine Handelsprodukte gelagert und weiterverarbeitet wurden, stapelte sich Kriegsgerät aller Art, von der Pistole bis zu kleinkalibrigen Geschützen. Und das waren in der Tat Dinge, die das Leben eines Mannes in erhöhtem Maße risikoreich machten.
    Für Leute, die den Tod verkaufen, hat die Hölle immer eine besondere Schwäche. Und darum mußte in jedem Fall verhindert werden, daß Gonzales Morena den Gedanken wahrmachte, sich mit der Smith and Wesson, die er noch immer in seiner verkrampften Hand hielt, eine Kugel durch den Kopf zu jagen.
    »Valgame Dios - Gott steh mir bei!« keuchte der füllige Mann in dem bombastischen Sessel aus schwarzem Leder. »El Diabolo - der Teufel!«
    Wenn das sein seliger Vater wüßte! Im Schweiße seines Angesichtes hatte der alte Pablo Morena seinerzeit den Urwald ungefähr hundert Kilometer südlich vom Mündungsdelta des Orinoco gerodet. Er hatte Plantagen angelegt; Tabak, Kaffee und Zuckerrohr gezogen und war langsam, ganz langsam, nach vielen Mißgeschicken und Rückschlägen ein wohlhabender und geachteter Mann geworden. Vor Sonnenaufgang war er aufgestanden und hatte geschuftet, bis die Sonne hinter den Wipfeln der Palmen versunken war. Das Leben grub tiefe Kerben in die Haut von Pablo Morena, fast übermenschliche Anstrengung hatte den Alterungsprozeß beschleunigt. Ein niederstürzender Baum hatte ihn erschlagen, als Morena ungefähr einundzwanzig Jahre alt war und auf der Universität in Caracas studierte. So glaubte jedenfalls der Vater. Niemand hatte das Herz, dem alten Mann zu sagen, daß sein Sprößling in der Hauptstadt ein liederliches Leben führte, in zweifelhaften Kreisen verkehrte und schon damals dunkle Geschäfte machte.
    Wie ein plastisches Bild sah Morena gerade jetzt, wo er am Ende war, das markante Gesicht seines Vaters vor sich auftauchen. »Halte mein Erbe in Ehren!« hörte er die Stimme des Mannes wie einst, als er diese Worte wirklich zu ihm gesprochen hat. »Die Früchte meiner Bemühungen werden einst dir in den Schoß fallen. Erweise dich ihrer als würdig. Denn wenn du das zerstörst, was ich aufgebaut habe - dann bist du mir nicht mehr ein Sohn. Dann sollst du verflucht sein - verüucht bis ans Ende deiner Tage!«
    Ja, so hatte er gesprochen, wenige Tage, bevor er starb. Aber Morena dachte nicht daran, im Sinne seines Vaters weiterzuarbeiten. Man konnte das Geld schneller verdienen. Er verfügte bereits über beste Beziehungen zu der Halbwelt, die in den düsteren Gassen und den verrufenen Kaschemmen von Caracas ihre zweifelhaften Geschäfte abwickelten. Und hier fand er die für das, was er vorhatte, die richtigen Geschäftspartner.
    In

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