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0235 - Ein Boxer wehrt sich seiner Haut

0235 - Ein Boxer wehrt sich seiner Haut

Titel: 0235 - Ein Boxer wehrt sich seiner Haut
Autoren: Ein Boxer wehrt sich seiner Haut
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Sie erschossen den kleinen, dicken Mann direkt vor meinen Augen, aber mir blieb keine Zeit, um einzugreifen.
    Alles ging viel zu schnell.
    Es war elf Uhr abends.
    Mister High hatte einen anonymen Tipp bekommen, dass sich in der 203. Straße nahe dem Harlem River ein aus dem Staatsgefängnis ausgebrochener Verbrecher versteckt halte. Ich sollte ihn wieder festnehmen.
    Leise und weich surrte der Motor meines Jaguars. Ein paar Motten taumelten gegen die Windschutzscheibe und fielen betäubt herunter. An der Washington Bridge musste ich warten, bis die Ampel auf Grün gesprungen war. Wenige Wagen waren unterwegs. Rechts vor mir gluckerte der Harlem River, und ein kleiner Dampfer mit einer Schute im Schlepptau zuckelte vorüber.
    Aus dem Park zur Linken der Straße kam ein Mann. Ohne sich um meinen Wagen zu kümmern, rannte er mitten auf die Fahrbahn und ins grelle Licht der Scheinwerfer. Ich musste hart bremsen. Ich sah, dass der Mann klein, dick und schwerfällig war. Dennoch lief er, als sei ihm der Teufel auf den Fersen.
    Drei Schüsse peitschten durch die Nacht.
    Der kleine, dicke Mann taumelte und fiel vornüber. Zehn Fuß von ihm entfernt brachte ich meinen Wagen zum Halten und sprang hinaus. Mein erster Impuls war, hinüber zum Park zu rennen, aus dem die Schüsse gekommen sein mussten. Aber der Mörder würde bestimmt schon längst verschwunden sein. Oder er hielt sich dort versteckt, und ich bot ihm eine willkommene Zielscheibe.
    Ich beugte mich über die reglose Gestalt. Hier kam jede Hilfe zu spät. Zwei der drei Kugeln hatten ihr Ziel gefunden. Eine Kugel war unterhalb der linken Schulter, die zweite im Nacken eingedrungen. Der Mann war tot.
    Ich ließ ihn liegen, rannte zurück und schaltete meinen Sprechfunk auf Polizei welle.
    »Police Departement Bronx«, verlangte ich.
    »Ich verbinde.« Und dann kam eine geschäftsmäßige Stimme.
    »Bronx Police. Was gibt’s ?«
    »Hier spricht Cotton vom FBI. Soeben wurde eine halbe Meile nördlich der Washington Bridge auf dem Drive Way ein Mann erschossen. Alarmieren Sie die Mordkommission.«
    »Halbe Meile nördlich der Washington Bridge, -Drive Way, Mord«, wiederhole die Stimme und fügte hinzu: »Warten Sie bitte!«
    Von der Polizeizentrale in der Bathgate Avenue war es nur eine kurze Strecke. Es dauerte zwei Minuten, bis ein zufällig in der Nähe befindlicher und alarmierter Streifenwagen heranrauschte und stoppte. Die Cops sperrten die halbe Fahrbahn ab und leiteten den Verkehr um. Es waren vernünftige Cops, die nicht lange fragten.
    Dann kam die Mordkommission und mit ihr Detective-Lieutenant Humber, der Fotograf und alles, was sonst noch dazugehörte. Alles drehte sich um den kleinen, dicken Mann, der auf dem Asphalt lag und den linken Arm weit ausgestreckt hatte, als wolle er seinen heruntergefallenen Hut erreichen.
    Das Blitzlicht flammte auf, der Arzt warf einen kurzen Blick auf den Toten und zuckte die Achseln.
    »Dazu kann ich nichts sagen«, meinte er.
    Die Leiche wurde an den Straßenrand getragen und auf eine Decke gelegt. Der Lieutenant griff in die rechte Innentasche der Jacke des Toten und holte die Brieftasche heraus. Sie enthielt eine ganze Anzahl von Papieren und Clubkarten, aus denen hervorging, dass der Tote Alwin Wells hieß, in der 35. Straße East Nummer 17 wohnte und von Beruf Buchmacher war.
    »Er hat eine ganze Anzahl von Wettscheinen für den morgigen Kampf im Athletic Club Stadion in der Tasche«, sagte der Lieutenant. »Es sind einige recht hohe Wetten darunter!« Er runzelte die Stirn. »Merkwürdig! Ich verstehe etwas davon, ich bin nämlich selbst Amateur-Boxer. Sehen Sie hier. Dreitausend Dollar auf Micky March, zweitausend Dollar auf Micky March und da fünftausend Dollar auf Micky March. Dabei stehen die Wetten fünf zu zwei für Freddy Baron, seinen Gegner.«
    »Vielleicht haben die Leute, die diese Wetten platzierten, vertrauliche Informationen gehabt«, meinte ich.
    »Auf alle Fälle ist es eine etwas sonderbare Sache. Freddy Baron ist so etwas wie der Champion von Harlem, March ist ein Außenseiter, den kaum jemand kennt.«
    »Denken Sie an Korruption im Boxgeschäft, Lieutenant?«
    »Das wäre natürlich naheliegend. Ich begreife nur nicht, warum man deshalb einen Buchmacher erschießt.«
    Ich sagte: »Mich geht der Fäll nichts an. Ich habe lediglich meine Pflicht als Staatsbürger erfüllt, als ich den Mord meldete. Der Rest ist die Angelegenheit der Stadtpolizei.«
    »Leider«, brummte’ der Lieutenant. »Wenn es

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