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0213 - Amazonen-Rache

0213 - Amazonen-Rache

Titel: 0213 - Amazonen-Rache
Autoren: A.F. Morland
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Die Geißelblitze schnitten tief in die blaugrüne Haut des Dämons. Er wußte, daß Asmodis gekommen war, um ihn auf diese Weise zu töten. Der Höllenfürst würde so lange auf ihn einschlagen, bis sein schwarzes Leben erlosch.
    Es knisterte, wenn die gezackten Blitzschnüre den gepeinigten Körper trafen. Funken sprühten. Re Arm-nyo warf sich unter den Schlägen hin und her.
    »Gnade!« jammerte er. »Gnade, Herr!«
    »Gnade für einen solchen Versager!« dröhnte Asmodis. »Damit darfst du nicht rechnen!«
    Und wieder flitzten die Blitzfäden auf den Dämon nieder. Re Arm-nyos Arme wiesen Striemen auf. Die Finger, weit gespreizt, zitterten. Er hätte sich gern gegen Asmodis gewehrt, aber es war ihm nicht möglich. Er hatte nicht die Kraft, Asmodis zu bekämpfen.
    Der Höllenfürst würde mit ihm nur noch grausamer verfahren, wenn er sich gegen die Strafe auflehnte.
    Aber Re Arm-nyo wollte nicht sterben. Nicht jetzt, und vor allem nicht auf diese schmerzhafte Weise. Während der Höllenfürst mehr und mehr auf ihn eindrosch, suchte Re Arm-nyos verzweifelter Geist nach einem Ausweg.
    Gab es denn keine Möglichkeit, das Schlimmste abzuwenden? War es wirklich nicht mehr möglich, Asmodis umzustimmen? Würde er tatsächlich hier und heute sterben müssen?
    Ja, er hatte versagt.
    Der Fürst der Finsternis hatte ihm eine Aufgabe übertragen, und er war nicht in der Lage gewesen, sie zu erfüllen. Er hatte sich angestrengt, hatte alles versucht, um Zwietracht in diesem Reich aufkeimen zu lassen, hatte damit jedoch Schiffbruch erlitten.
    Asmodis hatte ihn vor einiger Zeit zu sich zitiert und ihn ungeduldig gerügt. Warten war etwas, was der Höllenfürst nicht konnte. Wenn er Aufträge erteilte, erwartete er, daß sie umgehend ausgeführt wurden.
    Re Arm-nyo hatte sich mit vielen Ausreden aus der Klemme geholfen. Asmodis setzte ihm daraufhin ein Ultimatum. Der blaugrüne Dämon sollte in der Amazonendimension für ein Chaos sorgen. Haß und Zwietracht sollten hier alles überwuchern.
    Doch Re Arm-nyo scheiterte am Widerstand der Oberpriesterin Thia Medixa, die zugleich oberste Feldherrin der Amazonendimension war. Sie ließ ihn nicht Fuß fassen. Sie störte seine Aktivitäten. Sie kehrte den Spieß sogar um und machte Jagd auf ihn.
    Um ein Haar hätte sie ihn erwischt, und das Ende, das ihm dann gewiß gewesen wäre, wäre fast ebenso schrecklich gewesen wie das, das ihm Asmodis zugedacht hatte.
    Re Arm-nyo hatte das Gefühl, zwischen zwei Mühlsteine geraten zu sein. Es schien für ihn kein Entrinnen zu geben. Dem Tod durch Thia Medixas Schwert war er mit Mühe entronnen, dafür sollte er nun durch die Hand des Höllenfürsten sterben.
    Asmodis haßte Versager. Er ließ sie spüren, wie er sie verachtete. Die Höllenfront mußte hart und schlagkräftig sein. In ihren Reihen war kein Platz für weiche Dämonen, denn eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied, und das Höllenreich konnte sich keine Schwachstellen leisten, denn die vielfältigen Gegner schliefen nicht.
    Wenn Asmodis nicht auf der Hut war, wackelte sein Höllenthron.
    Schon einmal hatte ihn einer davon vertrieben: Damon.
    Es war nicht leicht für den Fürsten der Finsternis, gewesen, seinen Platz zurückzuerobern. Paradoxerweise hatte ihm dabei sein Todfeind Professor Zamorra geholfen.
    Aber Asmodis empfand deswegen dem Parapsychologen gegenüber keine Dankbarkeit. Er haßte den Meister des Übersinnlichen wie eh und je, und er wünschte sich nach wie vor Zamorras Kopf.
    Zamorra, das war ein Reizwort für Asmodis.
    Und dieser Name fiel Re Arm-nyo plötzlich ein. Für ihn war es ein Zauberwort. Vielleicht die mögliche Rettung vor dem Untergang.
    »Herr!« schrie der gesichtslose Dämon. »Herr, ich flehe dich an, gib mir noch eine letzte Chance!«
    Asmodis hielt inne. Der Fürst der Finsternis vermochte jede beliebige Gestalt anzunehmen. Im Moment präsentierte er sich dem Dämon so, wie er wirklich aussah. Kein Mensch hätte diesen schrecklichen Anblick ertragen, er wäre daran zugrunde gegangen.
    »Eine letzte Chance!« wimmerte Re Arm-nyo, von dessen geschundenem Körper faulige Dämpfe aufstiegen.
    »Du bist nutzlos für mich. Durch dein Versagen verwirkte dein Leben!«
    »Ich… ich verschaffe dir Zamorra!« stammelte Re Arm-nyo.
    »Du?« Der Höllenfürst lachte verächtlich. »Das gelingt dir nicht. Das haben schon viele andere, Bessere, vor dir versucht.«
    »Ich habe einen Plan!« beeilte sich der gesichtslose Dämon zu sagen.

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