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0210 - »Gorillas« zähmt man mit »Kanonen«

0210 - »Gorillas« zähmt man mit »Kanonen«

Titel: 0210 - »Gorillas« zähmt man mit »Kanonen«
Autoren: »Gorillas« zähmt man mit »Kanonen«
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Die Maschine sackte bei der Landung durch. Eine Frau stieß einen leisen Schrei aus, und jeder der Passagiere spürte das berühmte »Fahrstuhlgefühl« im Magen. Auch ich wurde nachdrücklich an den Geschmack der Hühnerbrust in Chilisauce erinnert, das letzte Gericht, das die Stewardess mir vor einer Stunde serviert hatte. Eine Stewardess übrigens, die aussah wie eine Inka-Prinzessin in einem modernen Schneiderkostüm.
    Dann war alles vorbei. Der Pilot fing die Maschine ab und setzte sie so sanft auf, als lande er auf Daunenfedern. Die Gesichter der Passagiere verloren die leichte Grünfärbung und ich dachte, dass nun meine Arbeit anfinge, für die man mich ausgerüstet hatte mit einer Telefonnummer, der Adresse eines Hotels, einem von der Geburt bis zum heutigen Tage absolut erlogenen Lebenslauf und einer Webster 738er Pistole nebst zwei Magazinen. .
    Die Maschine rollte aus. Durch das Fenster sah ich das Gewimmel von Monteuren, Gepäckträgern, Flugplatzangestellten, die um die schwere Maschine schwirrten wie Ameisen um eine Beute.
    Der Pilot kam aus der Kanzel. Die zerknautschte Mütze saß noch schräger auf dem Pomadenhaar als beim Start. Diese Flugzeugführer der südamerikanischen Gesellschaften fliegen ausgezeichnet, aber sie fliegen so, als wäre die Maschine ein Stier, den es abzustechen gilt. Und das ist nichts für einen Mann wie mich, der gegen alle Wahrscheinlichkeit immer noch damit rechnet, eines Tages in den Genuß einer Staatspension zu gelangen.
    Wir kletterten aus der Maschine. Die Hitze, die wir in dem klimaregulierten Flugzeug nicht gespürt hatten, fiel wie mit Keulenschlägen über uns her. Ich klemmte mir eine Sonnenbrille auf die Nase und marschierte mit den anderen Fluggästen, geführt von der Inka-Prinzessin, zum Empfangsgebäude.
    Am Eingang zur Zoll- und Paßabfertigung stellte sie sich auf und bedankte sich bei jedem einzelnen der Gäste für das Vertrauen.
    Leider ist jetzt der Augenblick gekommen, in dem ich gestehen muß, daß ich von nun an lügen muß. Ich werde die Namen der Städte, der Straßen und der Personen ändern. Die Beschreibung der Landschaften, Menschen und .Uniformen stimmt zwar im Charakter mit der Wirklichkeit überein, ist aber im Detail ebenfalls verändert. Ich möchte unserer Regierung jeden unnötigen Ärger ersparen. Diese Geschichte spielt im sogenannten »Hinterhof« der Vereinigten Staaten, in dem hauptsächlich Spanisch gesprochen wird, in dem es gewöhnlich sehr heiß ist, in dem die Mädchen als sehr hübsch, und die Männer als sehr gefährlich gelten. Das muß Ihnen genügen.
    Die Zoll- und Passkontrolleure trugen Unformen, um die sie jeder nördliche Admiral beneidet hätte. Ich war an der Reihe und reichte dem ersten Kontrolleur meinen Pass. Er durchblätterte ihn rasch.
    »Aus welchem Grund kommen Sie, Mister Ragg?«, fragte er in leidlichem Englisch.
    »Tourist«, sagte ich faul, »und vielleicht ein bisschen Geschäfte.«
    »Wie viel Dollar haben Sie bei sich?«
    »An die fünftausend.«
    »Okay«, sagte er.
    Ich war ein Devisenbringer und durfte hinein. Er donnerte einen Stempel in meinen Paß, als stäche er einen Stier ab. Alles in diesem Lande, selbst die einfachste Bewegung, wird zu einer Stierkampfgeste.
    Der nächste Beamte interessierte sich für meinen Koffer.
    »Ware zu verzollen?«
    »Nein.«
    Er zückte den Degen (ein Stück Kreide) und stach den Stier (meinen Koffer) ab, indem er ein Kreuz darauf malte. Ich war froh, dass er sich nicht näher dafür interessiert hatte, denn unter den Hemden und der Wäsche lagen - allerdings gut getarnt durch einen doppelten Boden - die Pistole, die beiden Magazine und zehntausend Dollar in Scheinen, die so falsch waren wie die Friedensbeteuerungen von zwei Dutzend altgedienter Generäle.
    Ich nahm den Koffer, ging durch die Halle des Empfangsgebäudes und trat hinaus auf den sonnenüberfluteten Platz. Es ging auf Mittag zu, und die Siesta begann. Die Taxifahrer konnten sich nicht mehr entschließen, die Kunden anzulocken. Ich musste zum Stand hinübergehen, der im Schatten einiger Bäume lag.
    Der Taxifahrer schlief hinter dem Steuer. Ich rüttelte ihn an der Schulter.
    »Hotel El Montallido, Calle Alvarez«, sagte ich. Das waren vier von zwanzig spanischen Wörtern, über die ich verfügte.
    Der Fahrer seufzte abgrundtief. Es schien ihm eine schreckliche Zumutung zu sein, dass man zu dieser Stunde noch Arbeit von ihm erwartete.
    »Dollar?«, fragte er. Ich nickte. Er entschloss sich, den Motor

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