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02 - Im Netz der Vergangenheit

02 - Im Netz der Vergangenheit

Titel: 02 - Im Netz der Vergangenheit
Autoren: Marina Schuster
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die aufsteigenden Tränen aus den Augen und ging nach draußen. Zögernd klopfte sie an die Tür zu Tylers Büro und trat auf sein leises »Herein« hinein.
    »Dürfte ich kurz dein Telefon benutzen?«, bat sie ihn, und er nickte.
    »Natürlich.«
    Taktvoll stand er auf und ließ sie allein, und mit zitternden Fingern wählte sie Lauras Nummer, hoffte inständig, dass sie zu Hause sein würde.
    »Laura, ich bin‘s«, sagte sie erleichtert, als die Freundin sich nach dem zweiten Klingeln meldete.
    »Cassy, schön dich zu hören. – Wo bist du, was machst du?«, sprudelte Laura erfreut heraus.
    »Ich bin in Bridgewater.«
    Kurz erzählte Cassy ihr, was sich in den letzten beiden Tagen ereignet hatte, und was sie vorhatte.
    Als sie geendet hatte, herrschte einen Moment Schweigen in der Leitung.
    »Das ist doch nicht dein Ernst«, murmelte Laura dann ungläubig. »Willst du wirklich dort bleiben?«
    »Warum nicht? Was soll ich denn sonst machen? Das Hotel ist verkauft, und ich habe keine Ahnung, wohin ich gehen soll. Oder hast du einen besseren Vorschlag?«
    »Aber was willst du dort in Bridgewater machen, abgesehen von der Renovierung deines Hauses? Du wirst irgendwann wieder einen Job brauchen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Arbeitsplätze dort so dicht gesät sind«, gab Laura zu bedenken.
    »Ach, ich denke da wird sich etwas finden, Harrisburg ist ja auch nicht so weit entfernt«, erklärte Cassy leichthin, »Ich mache mir da jetzt erstmal keine Gedanken drüber, zuerst muss ich mal zur Ruhe kommen.«
    »Hast du den Kaufvertrag schon unterschrieben?«, fragte Laura nach einem kurzen Augenblick des Nachdenkens, und Cassy verneinte. »Gut, ich habe den Eindruck, dass diese Entscheidung sehr überstürzt ist, und ich glaube, jemand sollte dir mal den Kopf waschen – ich komme nach Bridgewater.«

Kapitel 4
    A m anderen Nachmittag stand Cassy am Bahnhof und wartete voller Vorfreude auf Lauras Ankunft.
    Endlich fuhr der Zug ein, und wenige Minuten später fielen sich die beiden Freundinnen um den Hals.
    »Es ist so schön dich zu sehen«, sagte Cassy und wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. »Ich habe dich ziemlich vermisst.«
    »Ich dich auch«, erklärte Laura, während sie zu Cassys Auto liefen, »Umso weniger kann ich verstehen, dass du dich jetzt hier in diesem Nest vergraben willst.«
    »Hey, nenn Bridgewater nicht Nest, immerhin sind wir hier aufgewachsen«, schmunzelte Cassy und boxte Laura spielerisch in die Seite.
    Sie fuhren ein paar Straßen weiter, dann parkte Cassy das Auto vorm Bistro. Kurz darauf saßen sie an einem kleinen Tisch auf der Terrasse, jeder mit einer Tasse Kaffee vor sich.
    »Okay«, begann Laura, nachdem sie einen großen Schluck Kaffee genommen hatte. »jetzt erklär mir mal, wie du auf diese idiotische Idee gekommen bist.«
    Cassy zuckte mit den Achseln. »Da gibt es nicht viel zu erklären, eigentlich wollte ich mich hier nur ein paar Tage erholen, und habe zufällig erfahren, dass das alte Haus meiner Eltern zum Verkauf steht. Da ich sowieso keine Ahnung habe, was ich machen will, habe ich mich entschieden es zu kaufen, das ist alles.«
    »Und du willst wirklich hier bleiben?«
    »Ich denke schon – wo soll ich denn sonst hin? Das Hotel ist verkauft, und ich hätte mir sowieso eine andere Bleibe suchen müssen, also kann ich auch genauso gut hierher ziehen«, erklärte Cassy bestimmt.
    »Wenn ich ehrlich bin, hatte ich eigentlich gehofft, wir würden vielleicht wieder irgendetwas zusammen machen«, gab Laura enttäuscht zu.
    »Ja sicher, das wäre schön – aber du hast jetzt Sam, und du solltest mit ihm Pläne machen, nicht mit mir. Ich wäre doch da sowieso nur im Weg.«
    »Cassy, was redest du denn da für einen Unsinn?«, sagte Laura entrüstet. »Wieso solltest du denn im Weg sein? Natürlich haben Sam und ich Pläne gemacht, aber das heißt doch nicht, dass es da für dich keinen Platz mehr gibt.«
    »Wie geht es deinen Eltern?«, fragte Cassy abrupt, ohne auf Lauras Erklärung einzugehen.
    Laura warf ihr einen prüfenden Blick zu. Sie wusste genau, warum die Freundin so plötzlich das Thema wechselte, äußerte sich aber nicht dazu.
    »Es geht ihnen gut, ich soll dich ganz herzlich grüßen«, sagte sie stattdessen, und sie unterhielten sich eine Weile über alles Mögliche.
    »Wie lange kannst du denn bleiben?«, wollte Cassy wissen, in der Hoffnung, die Freundin eine Weile für sich zu haben.
    »Eine ganze Woche, vorausgesetzt du erträgst

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