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02 - Im Netz der Vergangenheit

02 - Im Netz der Vergangenheit

Titel: 02 - Im Netz der Vergangenheit
Autoren: Marina Schuster
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immer noch mit Laura zusammen das Hotel?«
    »Da wurden reihenweise Leute um die Ecke gebracht, hast du das schon vergessen?«, sagte Amy kalt, bevor Cassy etwas antworten konnte.
    »Amy«, tadelte Olivia sie vorwurfsvoll, während sie den Tisch abräumte.
    Dann wandte sie sich mit einem entschuldigenden Lächeln an Cassy. »Wir haben in der Zeitung gelesen, was passiert ist, es tut uns sehr leid. Es war sicher eine schlimme Zeit für dich und Laura.«
    Cassy nickte nur stumm, es war alles noch viel zu frisch, als dass sie darüber hätte sprechen wollen.
    »Hast du schon neue Pläne gemacht?«, fragte Tyler.
    »Nein, das Hotel ist verkauft, und ich habe noch nicht darüber nachgedacht, was ich tun werde.«
    Einen Augenblick schaute er sie zögernd an, dann lächelte er.
    »Dein Elternhaus steht zum Verkauf – warum bleibst du nicht hier?«
    »Was?« Erstaunt starrte Cassy ihn an, doch sie war offenbar nicht die Einzige, für die diese Nachricht überraschend kam.
    »Seit wann denn das?«, fragte Olivia stirnrunzelnd.
    »Genau genommen seit gestern«, erklärte Tyler. »Scheinbar hat sich nach all den Jahren endlich herausgestellt, dass der Vorbesitzer keine Erben hat, und das Grundstück samt Haus gehört nun der Stadt. Es soll jetzt wieder öffentlich zum Verkauf angeboten werden, ich war heute wegen eines Bauauftrags im Rathaus und habe das zufällig erfahren.«
    »Wer will denn diesen alten vergammelten Kasten schon haben?«, sagte Amy abschätzig, »Die Bude taugt doch höchstens zum Abreißen.«
    »Das würde ich nicht sagen, man müsste vielleicht ein bisschen Geld investieren, aber das Haus ist alles andere als abbruchreif.«
    Cassy bekam von der Diskussion der beiden nichts mehr mit, sie versuchte in Gedanken, diese Neuigkeit zu verdauen.
    Nachdem ihre Eltern gestorben waren, hatte das Haus noch einige Jahre leer gestanden, dann hatte ihre Tante den Verkauf veranlasst, um Cassys Studium zu finanzieren. Cassy hatte es immer bedauert, dass sie keine Chance gehabt hatte, den Platz zu behalten, an dem sie so viele glückliche Jahre verbracht hatte. Es erschien ihr beinahe, als käme diese Gelegenheit nun genau zum richtigen Zeitpunkt.
    »Gibt es schon Interessenten?«, fragte sie zögernd.
    »Nein, es hat lange gedauert, bis der ganze Papierkram erledigt war, wenn ich es richtig mitbekommen habe, soll der Verkauf am Wochenende ausgeschrieben werden«, erklärte Tyler.
    Cassy überlegte einen Moment, dann fragte sie: »Denkst du, ich könnte mich da schon vorab mal erkundigen?«
    »Sicher, ich kenne Walter Miller vom Grundbuchamt ganz gut, wenn du möchtest, können wir morgen gerne bei ihm vorbeigehen.«
    »Cassy, das kann doch wohl nicht dein Ernst sein«, unterbrach Olivia sie jetzt. »Du wirst doch nicht ernsthaft Geld in diese Ruine stecken wollen?«
    Nachdenklich schaute Cassy sie an. »Doch, ich glaube genau das will ich.«

Kapitel 2
    A m anderen Morgen machte Cassy sich nervös auf den Weg zum Rathaus, wo sie um zehn Uhr mit Tyler verabredet war. Sie hatte am vergangenen Abend noch lange in ihrem Hotelzimmer gesessen und hin und her überlegt, ob sie ihrer ersten spontanen Eingebung wirklich folgen und das Haus kaufen sollte. Doch je länger sie darüber nachdachte, desto mehr erwachte in ihr der Wunsch, sich das zu bewahren, was ihr Vater damals mit eigenen Händen aufgebaut hatte. Das Geld vom Verkauf des Hotels in Baywood würde sicher für den Kaufpreis und eine Renovierung reichen, und sie hatte im Moment sowieso keine andere Verwendung dafür. Weitere Zukunftspläne hatte sie noch nicht gemacht, also konnte sie ebenso gut hier in Bridgewater bleiben und neu anfangen.
    Als sie am Rathaus ankam, wartete Tyler bereits auf sie.
    »Guten Morgen«, lächelte er und drückte sie zur Begrüßung kurz an sich.
    Zusammen gingen sie nach drinnen, stiegen eine Treppe hinauf und standen kurz darauf im Büro von Walter Miller.
    Tyler begrüßte ihn und stellte ihm Cassy vor, und erklärte kurz, warum sie hier waren.
    »Ah, Sie sind also die Tochter von Henry Barnes – ich habe Ihren Vater gut gekannt«, sagte der ältere Mann, während er einen Aktenordner aus dem Regal nahm. »Nun, dann schauen wir doch mal, was ich für Sie tun kann.«
    Cassy warf Tyler einen unsicheren Blick zu, und er griff nach ihrer Hand, drückte sie sanft.
    »Also, von unserer Seite aus sind alle Formalitäten so weit erledigt, das Haus samt Grundstück gehört jetzt der Stadt, und einem Verkauf würde nichts im Wege stehen«,

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