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0169 - Die kleinen Männer von Siga

Titel: 0169 - Die kleinen Männer von Siga
Autoren: Unbekannt
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die wie ein angeschwemmtes Tangstückchen aussah, blieb zurück.
    „Fertig, Sir?" fragte Koko an.
    Ich winkte ihm zu, ergriff den auf meiner Brust hängenden Steuerknüppel des Hubkreislers und ließ die Rotoren anlaufen.
    Zugleich schaltete ich den Deflektorschirm ein.
    Koko wurde ebenfalls unsichtbar. Wir standen jedoch über Sprechfunk miteinander in Verbindung. Die dabei aufgewendeten Energien waren so gering, dass eine Anpeilung nahezu ausgeschlossen war.
    Koko hielt sich weisungsgemäß hinter mir. Er konnte mich einwandfrei orten. Ich flog vorsichtig unter dem Steg hervor, schaute mich um und stieg dann rasch höher.
    Unter der gewölbten Felsdecke des untergatasischen Sees kreisten mehrere Atomsonnen. Die Geräuschkulisse der Stadt betäubte anfänglich meine Sinne. Es dauerte einige Zeit, bis ich mich daran gewöhnt hatte.
    Von oben her hielt ich Umschau. Fraglos gab es zahlreiche Überwachungsgeräte, die den vor der Insel liegenden Wasserspiegel absuchten. Besonders die kreisenden Antennen auf dem zentralen Turmbau gefielen mir nicht. Sie würden auch sehr kleine Körper ausfindig machen können. Wie man jedoch darauf reagierte, war eine andere Frage. Wenn es hier unten Vögel gegeben hätte, wäre ich nicht besorgt gewesen. So aber ließ ich mich schleunigst wieder bis dicht über den Wasserspiegel absinken, wo ich anschließend damit begann, im Deckungsschutz von allen möglichen Bauwerken, Mauervorsprüngen und ahnungslosen Blues auf das Gefängnis zuzufliegen.
    Ich kam rasch näher. Koko meldete eine Energiesperre, die jedoch nicht eingeschaltet wäre.
    „Wo stehen die Projektoren?" fragte ich zurück.
    Er flog auf zwei stählerne Erhebungen zu, die rechts und links vor den geschlossenen Pforten des Vorhofes lagen. Blitzschnell klebten wir zwei atomare Haftladungen an die Kuppeln und schwebten wieder davon.
    Schon wenige Minuten später flog ich an der glatten Metallwand des Gebäudekomplexes empor. Kasom ließ hier und da ein Räuspern hören, um mir die Peilung zu erleichtern. Nach fünf Minuten hatten wir das richtige Fenster gefunden. Es war einfach gewesen.
    Ich flog dicht heran, fing den Anprall mit vorgestreckten Beinen auf und umklammerte mit der Rechten die Kante eines' wabenförmigen Loches. Gleichzeitig schaltete ich den Hubkreisler aus. Das Gewicht der Ausrüstung zog mich bald in die Tiefe. Ich musste mich anstrengen, um einen sicheren Halt zu gewinnen.
    „In Ordnung, Sir, ich bin vier Meter links von dir", gab Koko durch.
    „Ich sehe die vier Terraner. Sie liegen auf ihren Betten. Soll ich eindringen?"
    „Ja, aber vorsichtig. Hast du den Zettel?"
    „Griffbereit, Sir."
    „Fliege zu dem jungen, braunhaarigen Mann - dem Sergeanten.
    Umsichtig vorgehen. Drücke ihm die Nachricht in die Hand und flüstere ihm zu, er solle sie mit größter Vorsicht lesen. Ich warte hier, bis du zurückkommst."
    Ich hörte das Summen von Kokos Antriebsaggregat. In der Nachbarzelle blieb alles still. Wenn sich Kasom nicht getäuscht hatte, würde Sergeant Umigo folgerichtig reagieren. Es lag dann an ihm, den drei anderen Männern mitzuteilen, dass ein USO- Kommando angekommen war.
    Ich wurde immer ungeduldiger. Melbar Kasom war nur wenige Meter von mir entfernt. Er lag auf einem riesigen Spezialbett, hatte die Arme unter dem Kopf verschränkt und sah zum Fenster hinüber.
     
    *
     
    „Erledigt, Sir", meldete sich mein Miniaturroboter. „Der schnaufte vielleicht vor Überraschung."
    „Koko!"
    „Schon gut, Sir. Ist Schnaufen ein unanständiges Wort?"
    „Nein, nicht direkt. Du sollst dich trotzdem anders ausdrücken.
    Warte hier." Ich schlüpfte durch die Öffnung und stellte drinnen meinen Hubkreisler an. Als ich auf Kasoms Schulter landete und haltsuchend beide Hände in sein Ohr krallte, fuhr er nicht einmal zusammen. Von nun an verzichtete ich auf eine Funkverbindung.
    Ich machte es mir bequem, setzte mich auf seiner Schulter nieder und stemmte den linken Ellenbogen in seine Ohrmuschel.
    „Keine Bewegung, Dickbauch", flüsterte ich. „Dein Vorgesetzter ist hier. Wirst du noch beobachtet? Gähne, wenn es so ist."
    Kasom riß den Mund auf und sog die Luft ein, dass ich mich festklammern musste. Dieser Rüpel fing schon wieder mit seinen Unverschämtheiten an. Ich kniff ihm ins Ohr, erntete aber nur einen mitleidigen Blick.
    Kasom drehte sich so vorsichtig herum, dass ich nicht von seiner Schulter geschleudert wurde. Als sein Gesicht der Wand zugekehrt war, hauchte er so leise, wie ich es noch nie

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