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0159 - Seance des Schreckens

0159 - Seance des Schreckens

Titel: 0159 - Seance des Schreckens
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Keine Ablenkung!
    Im Zielfernrohr der Signalpistole, das er nachträglich aufgebaut hatte, erkannte er das haarige Ungeheuer. Die Spinne duckte sich, dann schnellte sie vorwärts.
    Auf das Mädchen zu!
    Ein gellender Schrei!
    Der Zeigefinger krümmte sich. Mit peitschendem Knall wurde die Leuchtpatrone aus dem Lauf gepreßt. Der Vorhaltewinkel stimmte.
    Der Brandsatz zündete - genau im Spinnenkörper…
    ***
    Heiß brannte die Sonne am strahlenden Himmel auf den schwarzlackierten Wagen herab, dessen Fenster heruntergekurbelt waren und dessen Kühler knapp vorm Kochen stand. Das hinderte den Fahrer nicht, das Gaspedal ziemlich weit niederzudrücken. Die Tacho-Anzeige pendelte um die hundertfünfzig. Das rote Anzeige-Band schien förmlich zu strahlen.
    »Mußte es ausgerechnet ein schwarzes Auto sein?« fragte das Mädchen auf dem Beifahrersitz seufzend.
    Der Bärtige hinter dem Lenkrad schmunzelte. »No, Towarischtscha, alles im Leben erfüllt seinen Zweck, auch schwarze Autos. Ich warte immer noch auf den Moment, wo du endlich ablegst!«
    »Das hättest du wohl gerne!« murmelte sie und wünschte sich einen Willys-Jeep mit umlegbarer Frontscheibe. Um den Kühler nicht zu überhitzen, hatte der Fahrer sämtliche Heiz-Möglichkeiten eingeschaltet, die hohe Temperaturen aus dem Motorraum förmlich absaugten und ins Wageninnere leiteten. So schaffte er es, die Geschwindigkeit des Uralt-Wagens zu halten und das Kühlwasser dennoch bei gerade noch erträglichen Temperaturen zu belassen.
    Der Wagen war durchaus schnell, bei »normalem« Wetter mochte er die Reisegeschwindigkeit von etwas über zweihundert Kilometern pro Stunde durchaus zu halten, aber die schwarze Motorhaube fing die Sonnenglut auf und heizte zusätzlich. So konnte der bärtige Fahrer den ungefähr fünfzehn Jahre alten Opel Diplomat, der in seinen Ausmaßen amerikanischen Straßenkreuzern der fünfziger und sechziger Jahre glich, nicht so ausfahren, wie er es gern tat.
    Die Besatzung des Schlachtschiffes war international; Gregor Iljuschin hatte seine Wiege im kältesten Sibirien, besaß aber deutsche Staatsangehörigkeit; seine Begleiterin, in Old Germany geboren, war Britin. Ihr momentaner, aber durch die hohe Geschwindigkeit ständig wechselnder Standort war die um München herum führende Autobahn.
    »Gleich müssen wir runter…«
    »Ich weiß«, erwiderte das blonde Mädchen mit dem auf die Schultern fallenden Haar.
    »Ich wollte es dir nur mitteilen, damit du weißt, daß wir die Sonne gleich im Rückspiegel haben…«
    »Darauf wäre ich von allein nicht gekommen«, spottete Helga Raw und lehnte sich etwas zur Seite. Aus dem Recorder klang die »Suite Sudarmoricaine« von Alan Stivell, und beide Insassen des Wagens bedauerten es, daß es trotz der Größe des Fahrzeuges an Tanzfläche mangelte.
    »Autobahn München - Salzburg«, murmelte Iljuschin. »Das meiste haben wir geschafft. In etwa einer Stunde sind wir da.«
    »Hoffentlich.«
    »Wenn die alte Kiste nicht zwischendurch mal wieder streikt«, brummte der Schriftsteller.
    »Sie schafft es!« prophezeite die Britin mit beschwörendem Blick. Kurz vor Kassel waren sie mit gerissenem Keilriemen liegengeblieben, aber Defekte dieser Art berührten Iljuschin wenig. »Normaler Verschleiß«, hatte er gebrummt und sich von einem Straßenwacht-Fahrer für einen sündhaft teuren Zehn-Minuten-Lohn einschließlich Material und dreißig Kubikzentimeter Kühlwasser helfen lassen.
    Jetzt rollten sie mit stark reduziertem Tempo auf die Autobahn Richtung Salzburg. Bei Bernau würden sie wieder abfahren und weiter nach Süden vorstoßen.
    Noch ahnten sie nicht, was sie erwartete!
    ***
    Jens Larsen erhob sich aus seiner Deckung. Auch jetzt ließ er kein Auge von der Riesenspinne. Mit mechanisch wirkender Bewegung schob er die Signalpistole ins Gürtelhalfter zurück; wie John Wayne, überlegte er selbstironisch.
    Er sah, wie die Riesenspinne in sich zusammensank. Die Leuchtpatrone hatte sie mitten im Sprung erwischt. Sie hatte ihr Opfer nicht erreicht. Jens Walker atmete unwillkürlich auf. Gottseidank, dachte er. Er mochte es nicht, wenn Riesenspinnen Menschen in ihre Kokons spannen und später aussaugten; besonders mochte er es nicht, wenn diese Menschen weiblichen Geschlechtes und so verteufelt hübsch waren.
    Ein satter, schwarzer Qualm stieg auf. Der Brandsatz der Leuchtpatrone hatte in der Riesenspinne gezündet, nachdem er die Chitin-Hülle durchschlagen hatte. Jetzt kämpfte dieser Brandsatz gegen die

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