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0157 - Die Hexe und der Höllensohn

0157 - Die Hexe und der Höllensohn

Titel: 0157 - Die Hexe und der Höllensohn
Autoren: Werner Kurt Giesa
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Der Unheimliche erstarrte. Wie ein Pfahl blieb er stehen, drehte langsam den Kopf. Seine Augen glühten heller auf. Etwas Unsichtbares ging von ihm aus und tastete sich durch die Nacht. Sterne verblaßten zu einem schwachen Glimmen, und das Bewußtsein des Magiers suchte. Er wußte, daß sein Erscheinen gesehen worden war. Jetzt wollte er in Erfahrung bringen, wer der heimliche Beobachter gewesen war.
    Irgendwo in der Nähe spürte ein Mädchen die furchtbare Energie des suchenden Geistes und verbarg die eigenen Gedanken. Erschauernd kauerte sie sich nieder, als vermöge sie dadurch unangreifbar zu werden.
    Wie ein Radarstrahl glitten die suchenden Gedanken des Magiers mehrmals über sie hinweg. Dämonenradar! durchfuhr es sie. Sie fürchtete sich davor, zu dieser Stunde von ihm entdeckt zu werden. Ihm gehörte die Nacht. Nur am Tage war sie stark.
    Dann aber brach der Radarstrahl abrupt ab. Das Mädchen registrierte es mit ungläubigem Staunen. Was konnte den Magier veranlaßt haben, seine Suche abzubrechen? Etwas anderes mußte geschehen sein. Etwas, das wichtiger war als die Beseitigung einer Zeugin, die sein Erscheinen bemerkt hatte.
    Abermals begann sie zu laufen. Sie mußte sich aus der unmittelbaren Reichweite des Dunklen entfernen.
    Gleichzeitig wußte sie, daß auch er auf diese Weise aus ihrer Reichweite verschwinden würde. Aber sie konnte es nicht ändern.
    Ihm gehörte die Nacht.
    In diesen Stunden hätte sie keine Chance gehabt…
    ***
    Der silbermetallic schimmernde Wagen verließ die Autobahn, benutzte ein wenige Kilometer langes Zubringerstück und bog dann auf die Bundesstraße 1 ein; die Ampel war zum großen Erstaunen des Fahrers grün gewesen. Energieverschwendung, dachte der Professor. Um diese Zeit waren kaum noch Fahrzeuge unterwegs, aber die Ampeln waren in vollem Betrieb.
    Der Opel Senator schnurrte auf die winzige Stadt zu. »Erwitte«, las er am Ortsschild ab. »Zementwerke«.
    Das Mädchen auf dem Beifahrersitz öffnete träge das linke Auge. »Ja, und?« fragte sie.
    Wieder tauchte eine Ampel auf. Rot. Natürlich. Wie sollte es auch anders sein. Der Professor schaltete den Blinker ein und lenkte den Wagen auf die Linksabbiegerspur.
    »Noch ein paar Kilometer, dann sind wir da«, sagte er.
    Sie öffnete jetzt auch das zweite Auge und wandte den Kopf. Sie sah den Mann mit den markanten Gesichtszügen an, der in keiner Weise an einen trockenen Gelehrten erinnerte. Professor Zamorra war nie hinter seinem Schreibtisch verstaubt. Er war einer der letzten Abenteurer der Erde - ein Abenteurer aus Berufung.
    Ein Dämonenjäger.
    »Waren wir nicht schon mal in dieser Gegend?« fragte das Mädchen mit dem schulterlangen Blondhaar. Eine Perücke. Zamorra lächelte unwillkürlich. Kaum jemand außer ihm kannte ihre wirkliche Haarfarbe. Fast wöchentlich änderte sie ihr Aussehen. Hatte nicht einmal jemand sie eine Chamäleonide genannt? Zamorra wußte nicht mehr, wer es wann gesagt hatte, aber in gewisser Hinsicht traf es zu.
    »Ein paar Kilometer weiter«, nickte er. »Paderborn. Anderthalb oder zwei Jahre ist es jetzt wohl her.«
    Die Ampel sprang auf Grün um. Zamorra nahm den Fuß von der Bremse und gab Gas. Der Wagen schwang um die Kurve und bog in die Bundesstraße 55 ein. Sie waren knapp vor ihrem Ziel, spät abends um dreiundzwanzig Uhr siebzehn. Der Parapsychologe erlaubte sich den Bleifuß-Genuß. Kaum hatte er das Ortsschild hinter sich gelassen, drehte er voll auf. Die Tachonadel schwang weit nach rechts. Die Straße war vierspurig ausgebaut und nahezu leer. Nur hin und wieder grellten ihnen Scheinwerfer entgegenkommender Wagen entgegen.
    Wieder eine Ampel.
    »Hört das denn gar nicht mehr auf?« murmelte Zamorra und trat auf die Bremse. »Man sollte nur noch Autobahnen genehmigen.«
    Das Mädchen neben ihm grinste unverschämt.
    »In den Niederlanden pflegen bei speziellen Gelegenheiten die Eisenbahnschranken niederzugehen«, sagte sie. »Oder du kommst überraschend bei Utrecht in den Kreisverkehr. Das Wahre sind Autobahnen auch nicht. Ich ziehe landschaftlich schöne Straßen vor.«
    »Besonders bei Nacht siehst du da viel«, brummte er. »Und bei Tag qualmen die Schwerlaster dir die Nase voll. Nee, beim nächsten Trip nehmen wir wieder ein Flugzeug.«
    »Grumpf«, murmelte das Mädchen.
    Es wurde wieder grün. Zamorra fuhr an. »Was hat auf dem Schild gestanden?« fragte er plötzlich.
    »Lippstadt-Süd«, sagte sie mechanisch.
    Nicole Duval besaß eine Reihe sehr unterschiedlicher

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