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0154 - Staatsgeheimnis

0154 - Staatsgeheimnis

Titel: 0154 - Staatsgeheimnis
Autoren: Staatsgeheimnis
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Floyd fuhr mit seinem schwarzen Cadillac vor dem Gebäude der staatlichen Atom-Energie-Kommission vor. Natürlich gehörte ihm der Wagen nicht. Es war ein Dienstwagen aus dem Fuhrpark der Kommission. Floyd war nämlich Fahrer des organisatorischen Leiters der Organisation, eines gewissen John Hail.
    Das Gebäude lag auf einer Erhöhung, zu der eine fünfzig Stufen hohe Freitreppe hinaufführte. Unten wurde diese Treppe von zwei Mauern flankiert, die von rechts und links in die Treppe hereinragten. ■
    Floyd stieg aus und schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch. Es regnete ein bisschen, und es war kalt. Vielleicht wäre er besser im Wagen geblieben, aber er wollte sich die Beine vertreten. Und ein junger Mann wie er fürchtet sich schließlich nicht vor einem leisen Regen.
    Er schüttelte die Zigaretten aus der Packung, kramte eine heraus und steckte sie an, wobei er beide Hände schützend um die Flamme seines Feuerzeugs legte.
    »Darf ich auch mal Feuer haben, Bruder?«, fragte in diesem Augenblick jemand.
    Dillinger sah auf. Neben ihm standen auf einmal zwei Männer. Er hatte sie beim Aussteigen gar nicht bemerkt. Der Henker mochte wissen, woher sie so plötzlich gekommen waren.
    »Bitte«, sagte er und schnipste sein Feuerzeug noch einmal an.
    Die beiden Männer bedienten sich. Sie waren etwa so groß wie Floyd, aber sie hatten die Schulterbreite von ausgewachsenen Gorillas. Ihre Gesichter wirkten wenig intelligent, verschlagen und ein bisschen brutal.
    Aber das war nicht der Eindruck, den Floyd gewann. Floyd Dillinger war ein biederer Bursche, der sich noch nie darüber Gedanken gemacht hatte, was man aus einem Gesicht herauslesen könne. Wie einer aussah, so sah er eben aus.
    »Lausiges Wetter!«, sagte einer der beiden Männer.
    »Stimmt genau!«, meinte Floyd. »Kein Vergnügen, bei diesem Regen zu fahren. Die Straßen sind glatt, und der Verkehr ist dichter als sonst. Kein freies Taxi zu kriegen. Alle unterwegs bei dem Wetter. Wissen Sie, wie viel Taxis in New York stehen? Na, jedenfalls soviel, dass sie die Straßen ganz schön verstopfen helfen, wenn sie alle unterwegs sind.«
    »Sie sind wohl Berufsfahrer?«, erkundigte sich der eine Mann, während der andere einsilbig blieb.
    »Ja. Bei dem Verein da oben!«
    Floyd zeigte hinauf zum Gebäude der Atom-Energie-Kommission.
    Die beiden nickten anerkennend. Es schien sie zu beeindrucken.
    »Muss doch eigentlich ein ganz guter Job sein, was?«
    Floyd nickte.
    »Ja, wird ganz gut bezahlt. Nur verdammt unregelmäßige Arbeitszeiten. Mitunter kommt man eine ganze Woche lang nicht vor Mitternacht ins Bett, wenn sie da oben ihre Sitzungen haben. Die finden nie ein Ende. So richtige Wissenschaftler.«
    »Ja, ja, das kennt man ja. Die vergessen Essen und Trinken über ihre wissenschaftlichen Probleme.«
    »Genau.«
    Einen Augenblick schwiegen sie. Dann fragte Floyd: »Warten Sie hier auch auf jemand?«
    Die beiden warfen sich einen kurzen Blick zu. Dann nickte der bisherige Sprecher und meinte: »Wir sind Reporter. Wir hörten, dass heute Mittag eine ausländische Besuchskommission hier eintreffen soll. Mal sehen, ob es interessante Leute sind.«
    »Aha.«
    Es hätte Floyd Dillinger eigentlich auffallen müssen, dass keiner der beiden angeblichen Reporter einen Fotoapparat bei sich hatte. Aber Floyd war so arglos wie ein neugeborenes Baby.
    Ein paar Minuten unterhielten sie sich noch über das Wetter, über die Politik und die Aussichten der Parteien bei der nächsten Wahl. Dann sagte Floyd plötzlich: »Oh, ich muss mich verabschieden. Mein Boss kommt! Cheerio!«
    Die beiden Männer traten nur zwei Schritte zurück. Wie Floyd blickten auch sie jetzt die breite Treppe hinauf. Vom Portal des Gebäudes oben eilte ein Mann die Treppe herab. Er nahm immer zwei Stufen auf einmal und wirkte dadurch ein bisschen wie ein zu groß geratener Schuljunge.
    Als er nahe genug gekommen war, konnte man freilich erkennen, dass er mindestens zwei- oder dreiunddreißig Jahre alt sein musste. Er hatte ein energisches Gesicht mit einem stark ausgeprägten Kinn, helle, scharf blickende Augen und eine sportlich trainierte Gestalt.
    Mit ein paar Schritten überquerte er den Bürgersteig. Floyd Dillinger riss schon die hintere Tür auf.
    In diesem Augenblick traten die beiden Männer blitzschnell an den Wagen heran. Sie zogen beide mit jeder Hand eine Pistole aus ihren Manteltaschen und drückten ab. Es geschah so gleichzeitig, dass es sich wie ein einziger Schuss anhörte.
    Floyd Dillinger

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