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013 - Der Kopfjäger

013 - Der Kopfjäger

Titel: 013 - Der Kopfjäger
Autoren: Dämonenkiller
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»Fahren Sie langsamer!« sagte Sybill Ferrand ängstlich.
    Der Regen peitschte wie verrückt gegen die Windschutzscheibe. Pierre Gormat lenkte rasant in eine Kurve.
    »Keine Angst!« sagte er grinsend. »Ich kenne die Strecke wie meine Hosentasche.«
    Der Renault lag gut in der Kurve, doch plötzlich brach er nach rechts aus und raste auf die Leitplanke zu. So sehr sich Gormat auch bemühte, er konnte den Wagen nicht mehr unter Kontrolle bringen. Eine unsichtbare Hand steuerte ihn.
    Er nahm den Fuß vom Gaspedal, doch der Wagen wurde noch schneller. Krachend zersplitterte die Leitplanke, und der Renault rumpelte die Böschung hinunter. Er wurde immer rascher und schoß zwischen zwei Bäumen hindurch. Sybill Ferrands Augen waren vor Entsetzen geweitet. Gormat stand der Angstschweiß auf der Stirn. Er konnte nichts tun; die unsichtbare Hand, die den Wagen steuerte, war stärker.
    Der Kühler prallte gegen eine Tanne. Die rechte Tür sprang auf, und Sybill Ferrand wurde herausgeschleudert. Sie flog einige Meter weit und blieb benommen hinter einem Gebüsch liegen. Pierre Gormat hatte nicht so viel Glück. Er spürte den bohrenden Schmerz, als sein Brustkorb zusammengedrückt wurde. Dann wurde es schwarz um ihn. Ohnmächtig hing er über dem Lenkrad.
    Sybill Ferrand hörte nur noch das gleichmäßige Prasseln des Regens. Vorsichtig richtete sie sich auf, und da sah sie zwei Männer, die sich rasch näherten. Sie wollte ihnen etwas zurufen, doch ihre Stimme versagte. Sie saß zusammengesunken hinter dem Gebüsch und zitterte. Die beiden Männer waren konturlose Schatten. Sie trugen weite Regenmäntel und breitkrempige Hüte. Einer der beiden lachte zufrieden, als er neben dem Renault stehenblieb.
    »Es hat prächtig geklappt«, sagte er. »Sehen wir mal nach, ob der Kerl noch lebt.«
    »Verdammt!« fluchte der zweite. »Die Tür klemmt.«
    »Aber die Tür des Beifahrersitzes ist offen, du Trottel. Holen wir ihn heraus. Hoffentlich lebt er noch, sonst brauchen wir ihn gar nicht mitzunehmen.«
    Sybill Ferrand hatte verwundert zugehört. Was hatten die beiden Männer vor? Sie duckte sich tiefer und hielt den Atem an. Abgesehen von einigen Prellungen und Hautabschürfungen war der Unfall für sie harmlos verlaufen. Sie sah, daß die Männer den Bewußtlosen aus dem Wagen hoben.
    »Er lebt.«
    »Gott sei Dank! Ich packe ihn an den Beinen. Mach rasch! Er ist verletzt. Wir müssen uns beeilen, sonst stirbt er uns noch unter den Händen.«
    Ein Grunzen kam als Antwort.
    Sekunden später waren die Männer verschwunden. Sybill nahm ihren ganzen Mut zusammen und folgte ihnen. Nach wenigen Schritten blieben die beiden vor einem Krankenwagen stehen. Sie öffneten die hinteren Türen und legten Gormat hinein. Die Türen wurden geschlossen, und der Wagen fuhr langsam an.
    Sybill Ferrand versuchte, die Wagennummer zu erkennen, doch es war zu dunkel und der Fahrer hatte die Scheinwerfer nicht eingeschaltet. Nachdenklich sah sie dem Wagen nach.
    Sybill war zweiundzwanzig, groß und schlank und trug einen dunkelblauen Hosenanzug, der mit ihrem schulterlangen blonden Haar kontrastierte. Sie hatte in Versailles eine Freundin besucht und war nach zwanzig Uhr losgefahren, doch nach wenigen Kilometern hatte ihr altersschwacher kleiner Citroën den Geist aufgegeben. Sie hatte sich angestrengt bemüht, das Vehikel wieder in Gang zu bringen, was ihr aber nicht gelungen war. Schließlich hatte ein Wagen angehalten, und der Fahrer hatte ihr seine Hilfe angeboten.
    Doch auch ihm war es nicht gelungen, ihr Auto zu reparieren. Er hatte ihr vorgeschlagen, mit ihm nach Paris zu fahren, und sie hatte eingewilligt.
    Der Mann hatte sich als Pierre Gormat vorgestellt und angegeben, daß er Handelsvertreter einer Lederwarenfabrik sei. Mehr wußte sie über ihn nicht.
    Sie stand im Schutz einiger Bäume und überlegte. Eigentlich hätte sie die Polizei verständigen müssen, doch etwas hielt sie davon ab.
    Das Verhalten der beiden Männer war merkwürdig gewesen. Sie waren nur an dem Verletzten interessiert gewesen. Außerdem hatte der Krankenwagen bereits dort gestanden. Als hätten sie gewußt, daß der Unfall stattfinden würde.
    Sybill Ferrand war noch immer unschlüssig, was sie tun sollte.

    Als Pierre Gormat erwachte, wunderte er sich, daß er keinerlei Schmerzen hatte. Deutlich konnte er sich erinnern. Er hatte eine Frau mitgenommen; sie hatte ihn gebeten, nicht so schnell zu fahren, und dann war es passiert. Der Wagen hatte sich selbständig

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