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0122 - Hallo, ich bin wieder da!

0122 - Hallo, ich bin wieder da!

Titel: 0122 - Hallo, ich bin wieder da!
Autoren: Heinz Werner Höber
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»Ich bin Jerry Cotton! Wie oft soll ich denn das noch sagen?«
    Ich ließ mich stöhnend auf die alte Holzbank nieder, die vor der Barriere in der Polizeistation von Keyport stand. Der riesige Cop, Sergeant und Streifenführer einer in Keyport stationierten Einheit der New Jersey State Police, sah mich mitleidig an.
    Dann tippte er mit dem Zeigefinger an die Stirn:
    »Wollen Sie mir nicht noch einreden, Sie wären der Präsident?«
    »Daß ich nicht der Präsident bin, das sieht man, ja auf den ersten Blick«, seufzte ich erschöpft. »Ich heiße Jerry Cotton, bin Special Agent beim FBI, District New York, wurde vor einigen Wochen sehr schwer verwundet und habe -«
    »Einen Vogel!« unterbrach mich der Sergeant. »Einen Vogel haben Sie! Nun werden Sie endlich vernünftig, und sagen Sie uns Ihren richtigen Namen!«
    Gegen Dummheit gibt es keine Mittel. Ich hatte ihm meinen Namen bestimmt schon zwanzigmal gesagt, aber er glaubte es mir einfach nicht.
    Vor etwa einer halben Stunde hatte ich an der Küstenstraße von Keyport nach Atlantic Highlands gestanden, halbnackt, nur mit einer zerrissenen Hose bekleidet, und den Autos gewinkt, deren Scheinwerfer mich grell aus der Dunkelheit der Nacht herausrissen, wenn die Straßenkreuzer auf mich zubrausten.
    Ich gebe zu, in meiner Aufmachung hätte ich mich selber nicht mitgenommen. Ich trug einen verwilderten Vollbart, der wer weiß wie viele Wochen alt war, ich hatte weder Schuhe noch Hemd - ich sah bestimmt nicht vertrauenerweckend aus.
    Es waren denn auch ein rundes Dutzend Wagen schnell an mir vorbeigerast. Vielleicht dachten die Fahrer, ein Verrückter wäre irgendwo ausgebrochen.
    Und dann war in der Feme ein Scheinwerferpaar aufgetaucht. Es kam ziemlich schnell heran, aber als es mich im Lichtkegel hatte, wurde es langsamer und stoppte einen oder zwei Schritte vor mir.
    Es war ein Wagen der Polizei. Ich atmete erleichtert auf, als der Sergeant ausstieg und auf mich zukam.
    »Hallo!« grinste ich erfreut, weil es ja gewissermaßen meine Kollegen waren, die endlich angehalten hatten.
    Es war das einzige erfreute Grinsen, das ich mir für die nächsten drei Tage abringen konnte. Ich konnte mit Engelszungen reden: kein Mensch glaubte mir.
    »Haben Sie eine Zigarette?« bat ich den Cop müde.
    Sofort witterte er eine Chance. Der Sergeant kam auf mich zu, während die anderen beiden Cops auf der Wache noch immer auf mich stierten wie ein Weltwunder.
    »Du kannst fünf, ach was, zehn Glimmstengel haben von mir, Bruder, wenn du jetzt schön vernünftig bist und mir deinen richtigen Namen sagst.«
    Langsam brachte mich die Hartnäckigkeit in ein Stadium, das einem Vulkanausbruch verdammt nahekam.
    »Hören Sie mal«, sagte ich geduldig, indem ich die letzte Kraft meiner Beherrschung aufbot: »Wir können uns das ganze Theater ersparen, wenn Sie mich mit meiner Dienststelle in New York telefonieren lassen.«
    Er nickte:
    »Aber natürlich, Bruder! Warum sollst du nicht telefonieren, he? Wir sind doch keine Unmenschen. Selbstverständlich kannst du telefonieren! Das Gespräch wird ungefähr fünfzig Cent kosten. Leg sie auf den Tisch - und du kannst sofort telefonieren.«
    Einen halben Dollar! Ich hatte nicht einmal einen Cent, woher sollte ich fünfzig nehmen?
    »Sie wissen genau, daß ich nichts besitze«, sagte ich zu ihm. »Sie haben ja meine beiden Hosentaschen umgedreht.«
    »Ohne Geld kannst du nicht telefonie ren, Bruder«, sagte er und strahlte über das ganze biedere Polizistengesicht.
    Glauben Sie mir, ich mußte die Zähne zusammenbeißen, um nicht vor Wut in dieses biedere Gesicht hineinzuschlagen.
    »Hören Sie«, fing ich seufzend von neuem an, »ich bin auf Ehre und Gewissen der G-man Jerry Cotton! In New York wird man mich suchen! Sie müssen meine Dienststelle unterrichten!«
    »Nach einem G-man Jerry Cotton wird in sämtlichen Staaten der USA gesucht, Bruder«, gab er zu. »Und zwar seit ein paar Wochen. Das wissen nicht nur wir, das stand in großer Aufmachung in fast allen Zeitungen des Landes. Und seitdem nach Cotton gesucht wird, haben sich vier Mann gemeldet, die Vorgaben, Cotton zu sein, und über zwanzig Meldungen gingen in New York ein, nach denen man Cotton in Florida, in Wyoming, in Utah, in Arkansas und was weiß ich noch wo gesehen haben wollte. Natürlich wurde alles nachgeprüft. Aber nie war es der gesuchte Cotton, den irgend jemand gesehen hatte. Meinst du, ich hätte Lust, mich vom New Yorker FBI-Boß anpfeifen zu lassen, weil ich den Reigen

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