Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
0118 - Der Drachengott von Bali

0118 - Der Drachengott von Bali

Titel: 0118 - Der Drachengott von Bali
Autoren: Franc Helgath
Ads
Wenn der reiche chinesische Kaufmann Lun LinYang zu einer Gesellschaft in seinen Palast auf den Keba-Joran-Höhen hoch über Djakarta einlud, dann kamen sie alle, die ein Kärtchen mit goldgeprägten Lettern darauf erhalten hatten: Politiker, Künstler, Geschäftsfreunde.
    Denn Lun LinYang galt etwas in der Hauptstadt Indonesiens. Er hatte seine Greisenfinger in allen nur erdenklichen Geschäften. Sein Name war an der Börse von Hongkong und Singapur ebenso bekannt wie in der Wallstreet oder bei den Edelsteinhändlern von Amsterdam. Überall jedoch sprach man seinen Namen mit Achtung und Respekt aus.
    Das gleiche konnte man von seinem Sohn Kien LinYang nicht behaupten. Er galt als Playboy und Verschwender, der seinen Lebenszweck vor allem darin sah, jenes Geld, das sein Vater verdiente, mit vollen Händen auszugeben, wenngleich auch seine kostspieligsten Eskapaden das LinYangsche Vermögen kaum anzukratzen vermochten.
    Er hatte die besten Universitäten der westlichen Hemisphäre besucht, hatte bei keiner auch nur ein einziges volles Semester absolviert und schmückte sich jetzt trotzdem mit einem Doktorgrad irgendeines mittelamerikanischen Operettenstaates.
    Am heutigen Tage war er dreißig geworden, und nur wegen ihm - wenn auch mit gemischten Gefühlen - hatte sein Vater dieses Gartenfest veranstaltet.
    Kien LinYang war der einzige, der sich schön fand. Eine andere Beurteilung der eigenen Person ließ seine Eitelkeit gar nicht zu, obwohl er fett wie eine Mastgans war und die Umwelt aus fast zugewachsenen Schweinsäuglein betrachtete.
    Darüber hinaus hielt er sich für unwiderstehlich, was seine Chancen beim anderen Geschlecht anbetraf. Natürlich ließ er sich nicht lumpen, wenn eine Schöne ihn erhörte. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, daß er eben wegen dieser Geschenke an sein Ziel kam.
    Deshalb gefiel ihm seit einer halben Stunde auch die ganze Geburtstagsfeier nicht mehr.
    Kien LinYang, der so gerne im Mittelpunkt stand, hatte sich von den zusammenstehenden Gruppen und Grüppchen abgesondert und starrte giftig zu einem Pärchen hinüber, das auf einer Parkbank Platz genommen hatte.
    Den Mann kannte er schon von Kindesbeinen an. Amir Hamzah war Malaye. Sein Vater besaß ein Handelskontor mittlerer Größe, aber für Kien LinYang war es so unbedeutend, daß er über dessen Umsätze nur die Nase rümpfen konnte. Was Amir Hamzahs Vater in einem Jahr verdiente, gab er manchmal in einer einzigen Woche aus.
    Daher wollte es ihm nicht in den runden Schädel, daß das Mädchen, das bei Amir saß, diesem dürren Bengel den Vorzug zu geben schien.
    Aurika Batak war Eurasierin, und Kien LinYang schwärmte für Eurasierinnen. Für ihn waren es die besten Frauen.
    So sah Kien LinYang die Dinge.
    Und doch hatte dieses dumme Geschöpf seine vorsichtigen Avancen schon im Keim erstickt, besaß sogar noch die Frechheit, sich unter seinem Blick mit diesem Emporkömmling von Amir Hazmah auf seine Bank zu setzen.
    Kien LinYang rülpste. Der viele Whisky stieß ihm auf, und er sabberte sich das Hemd ein wenig voll.
    Trotzdem winkte er einen der vielen dienstbaren Geister heran. Zur riesigen Bar war es ihm zu weit. Es ging sich so mühsam.
    Von einem silbernen Tablett griff er sich zwei Gläser auf einmal und kippte deren Inhalt in seinen Krötenmund.
    Genever.
    Wie angenehm er in den Magen rann. Kien LinYang nahm sich vor, der Eurasierin Aurika Batak noch eine Chance zu geben. Wußte sie denn nicht, welche Wonnen ihr entgingen, wenn sie sich nicht mit ihm zusammentat? Für eine Weile zumindest, denn Kien LinYang hielt es mit der Abwechslung. Das Leben war langweilig genug. Man mußte sich ein wenig zerstreuen.
    »Eine letzte Chance gebe ich ihr«, murmelte er und setzte sich torkelnd in Bewegung. Er rempelte einen ausländischen Diplomaten an, beschimpfte ihn unflätig und stand dann endlich schwankend vor der Bank. Seine Trunkenheit ließ etwas nach.
    »Du kannst jetzt verschwinden, Amir«, meinte er drohend und fixierte den Freund aus seiner Kinderzeit. »Jetzt habe ich noch ein paar Worte mit der Dame zu reden. Am besten, du gehst schlafen. Betrachte dich als nicht mehr eingeladen.«
    Der schlanke, athletisch gebaute junge Mann sprang von der Bank auf. Sein Oberlippenbärtchen bebte. Schneller, als Kien LinYang denken konnte, sah er eine Faust auf sein Gesicht zurasen. Die Zähne taten ihm weh, und seine Lippen schmeckten süßlich. Es dauerte eine ganze Weile, bis er kapierte, daß Amir Hazmah ihm einen Schlag ins

Weitere Kostenlose Bücher

Der Weg zur Hölle
Der Weg zur Hölle von Kaspar Dornfeld
Sydney Bridge Upside Down
Sydney Bridge Upside Down von David Ballantyne
Fucking Berlin
Fucking Berlin von Sonia Rossi
Herzraub
Herzraub von Monika Buttler