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0115 - Heiße Eisen - kalte Duschen

0115 - Heiße Eisen - kalte Duschen

Titel: 0115 - Heiße Eisen - kalte Duschen
Autoren: kalte Duschen
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Ich hasse gewerbsmäßige Spieler, die davon leben, daß sie ihren Mitmenschen das Fell über die Ohren ziehen. Ganz gleich, ob sie nun Glücksspielautomaten fabrizieren oder Direktoren von Luxuscasinos in Reno sind. Diese Leute sind keine ehrlichen Spieler. Es sind Gangster, die kein Risiko eingehen, Betrüger, die wissen, daß sie immer gewinnen.
    Ich habe nichts dagegen, wenn ein Millionär zu seinem Vergnügen ein paar Grand verliert, und ich selbst bin einer Pokerpartie unter Freunden nicht abgeneigt, obwohl ich nur eine Leidenschaft habe, und das ist Schach, aber das ist kein Spiel. Es ist eine Wissenschaft.
    Nicht die dollarschweren Zeitgenossen sind es, die die Taschen der Gauner füllen. Es sind die kleinen Leute. Die Rentner, die ihre letzten Nickel in den unersättlichen Schlund eines »einarmigen Banditen« werfen, die Arbeiter, die im Hinterzimmer einer Kneipe um ihren Wochenlohn erleichtert werden, und die Kassierer, die vom Spielteufel besessen einen Griff in die ihnen anvertraute Kasse tun.
    Öffentliches Glücksspiel ist in den meisten Bundesstaaten verboten, aber es gibt Hintertüren. Es gibt die Geschicklichkeitsautomaten für den kleinen Mann und die ,Clubs‘, deren Adresse jeder Taxifahrer kennt und die ihre Mitgliedskarten bereitwilligst verkaufen.
    Im Kielwasser dieser Clubs aber segeln die Racketeers, die Gangster, Straßenräuber, Betrüger, Rauschgifthändler und Mörder. Sie alle stehen unter dem Schutz des allmächtigen »Syndikats«, des Nachfolgers der Maffia, ohne dessen Willen kein Sperling vom Dach fällt..
    Man kann dem Teufel kein Bein stellen, wenn man ihm davonläuft, und so hatte ich an diesem folgenschweren Abend einen Besuch in der PARISIANA am unteren Broadway gemacht. Die PARISIANA war, wie Sie wohl schon gemerkt haben, ein Spielclub, und zwar einer der vornehmsten, die es gab. Dem Namen nach gehörte er einer Frau, einer gewissen Yvonne Casco. Sie war hochblond, vollschlank, wie man so sagt, und über die erste Jugendblüte hinaus. Das konnte man aber erst merken, wenn man ihr die Farbe aus dem Gesicht gewaschen hätte.
    Der Croupier am Roulettetisch war im Frack, genauso wie die Kellner. Der billigste Drink kostete zwei Dollar, aber wenn man den Burschen ansah, der einem mit hoheitsvoller Geste die Karte unter die Nase hielt, so schämte man sich, ihn zu bestellen. Im übrigen ging es zu wie in allen derartigen Lokalen. Es war eben Nepp in höchster Potenz.
    Ich schlenderte herum, machte Studien, verlor anstandshalber ein paar Dollar und bemühte mich so, nicht aus dem Rahmen zu fallen. Bis drei Uhr morgens verlief alles friedlich, aber dann gab es einen kleinen Zwischenfall. Eine ältere, mit Brillanten behängte Frau, die offensichtlich schon viel getrunken und noch mehr verloren hatte, fing Krach an. Sie behauptete, ein anderer habe ihren Gewinn kassiert. Ob das so war, wußte sicherlich niemand, am wenigsten sie selbst. Der Croupier und sein Assistent versuchten sie zu beruhigen, aber sie wurde hysterisch, und ihr Begleiter, ein ebenfalls schon betagter Knabe, begann mit der Faust auf den Tisch zu schlagen.
    Derartige Szenen sind natürlich unerwünscht. Sie schädigen das Geschäft. Plötzlich stand ein kleiner, untersetzter Mann hinter den beiden und legte dem aufgeregten Herrn die Hand auf die Schulter. Das erste, was mir auffiel, war, daß er keineh Hals hatte. Sein Kopf saß unmittelbar auf dem breiten Oberkörper, so daß es auf den ersten Blick aussah, als habe er einen Buckel. Sein Gesicht war bleich und von Falten durchzogen, sein Mund schmal und die Augen eisblau. Ich kannte den Burschen nicht und hielt ihn für eine Art Rausschmeißer.
    Der alte Herr, der eben noch den wilden Mann gespielt hatte, fuhr herum, der andere sagte, fast ohne die Lippen zu bewegen, einige Worte, die bewirkten, daß das Paar aufstand und hastig und mit gemachter Gleichgültigkeit verschwand. Der Mann ohne Hals verschränkte die Hände auf dem Rücken und sah ihnen nach, bis sie den Laden verlassen hatten. Niemand kümmerte sich darum. Das Spiel ging weiter.
    Als ich mich wieder nach dem Rausschmeißer umsah, war er verschwunden. Ich überlegte mir, ob ich noch etwas trinken sollte, aber es war schon reichlich spät, und so entschloß ich mich zum Aufbruch. Ich nahm mir vor, dem Chef des Glücksspieldezernats bei der City Police einen kleinen Tip zu geben, obwohl ich im voraus wußte, daß dies nutzlos sein würde. Leute, die solche Lokalitäten führen, haben sich nach allen Seiten

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