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011 - Sanatorium der Toten

011 - Sanatorium der Toten

Titel: 011 - Sanatorium der Toten
Autoren: Larry Brent
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    Wenn jemand
abends zu Bett geht, dann ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit, daß er am
anderen Morgen wieder in demselben Bett erwacht. Bei Angelique Gourmon, von
Freunden nur Angela genannt, war dies nicht der Fall.
    Sie erwachte
nicht in ihrem Bett, sondern in einem Sarg. Und deshalb wurde sie wahnsinnig.
    In der Nacht
hatte sie einmal das Gefühl, daß jemand in ihrer Nähe war. Sie registrierte
eine Bewegung, ein Geräusch im Halbschlaf. Doch sie war zu träge, um die Dinge
genau zu erfassen. Schwer und bleiern fühlte sie das Blut in ihren Schläfen
pochen. Träge drehte sie sich auf die andere Seite. Die Nacht war warm, fast
schwül. Es war eine jener Nächte, in denen sie normalerweise sehr schlecht
schlief. Diese Zeit nutzte sie dann meist zum Schreiben.
    Angela war
durch eine Reihe moderner Liebesgedichte bekanntgeworden. Im Augenblick
arbeitete sie an einem Bühnenstück, in dem nur Hippies auftreten sollten. Zu
diesem Zweck hatte sie das abseits gelegene Herrenhaus aufgesucht, das ihr
Vater vor Jahren von einem Großgrundbesitzer gekauft hatte. Das Anwesen lag
knapp fünf Kilometer von der nächsten Ortschaft Niort entfernt. In der
waldreichen, sumpfigen und einsamen Gegend hoffte Angela Muße für ihre Arbeit
zu finden.
    Seit Wochen
war sie allein im Haus. Ihr Vater, Fernand Gourmon, ein Theateragent, befand sich
im Augenblick auf einer Geschäftsreise durch Frankreich.
    Angelique
Gourmon schob mit einer mechanischen Bewegung die seidige Decke von sich.
    Die junge
Französin war nur mit einem durchsichtigen Nachthemd bekleidet. Ihr schlanker,
gebräunter Körper streckte sich. Sie bewegte den Mund, als wolle sie etwas
sagen, als träume sie, und ein paar zusammenhanglose Worte kamen über ihre
feingeschwungenen roten Lippen. Irgend etwas versuchte an die Oberfläche ihres
Bewußtseins zu gelangen, aber es drang nicht durch. Die Müdigkeit, diese
entsetzliche Müdigkeit, die ihre Glieder lähmte, war stärker. Es war, als ob
sie unter der Wirkung von Alkohol oder einer Droge stünde.
    War es die
Schwüle? War es der Beginn einer Krankheit?
    Matt lag sie
im Bett und fiel wieder in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
    Und als sie
erwachte, plötzlich und ohne erkennbaren Grund, hatte sie im ersten Augenblick
das Gefühl, als ob sie träume.
    Alles war
düster.
    Die Wände,
die Decke waren völlig schwarz. Sie sah kein Bild und keine Lampe an der Decke.
Angela wollte den Arm ausstrecken. Es ging nicht. Sie stieß am Kopfende an.
Aber ihr Bett war breit und groß, wieso…?
    Als würden
sie unsichtbare Fäden in die Höhe ziehen, setzte sie sich langsam aufrecht.
    Sie sah den
großen, schweren Bronzeständer direkt neben sich. Eine dicke, schwarze Kerze
flackerte, und der unruhige Lichtschein spiegelte sich auf ihrem mit kaltem
Schweiß bedeckten Gesicht und in ihren fiebrig glänzenden Augen.
    Mit einer
fahrigen Bewegung strich sie die langen blonden Haare über ihre Schultern
zurück. Mit bebendem Körper stieg sie langsam über die schmale Seitenwand des
Sarges, in dem sie lag.
    Und dann erst
schrie sie. Es war ein Schrei, der durch Mark und Bein ging, und der aus dem
Mund eines unsäglich gequälten Menschen hervorbrach.
    Hier hatte
sie geschlafen? Hier in dieser makabren Umgebung?
    Gehetzt
blickte sie sich um.
    Das Fenster
zur Terrasse war verschlossen. Schwere schwarze Vorhänge reichten von der Decke
bis zum Boden hinab, aber hinter dem dunklen Stoff glaubte sie die vertraute
Umgebung wahrzunehmen. Sie sah die massiven Umrisse der Mauer unmittelbar
hinter der Terrasse, erblickte den düsteren Umriß des nahen Waldes, aber sie brachte
es nicht fertig, zum Fenster zu gehen und den Vorhang beiseite zu schieben.
    Traum?
Wirklichkeit? Alles in ihr drehte sich wie ein Karussell. Sie sah die
schwarzen, schmucklosen Wände, erblickte den Sarg anstelle ihres Bettes, und
schrie abermals auf.
    Dann warf sie
sich kreischend herum. Es war ihr, als würde dieser unheimliche Raum, in dem
die einzelne Kerze flackerte, sie mit einem Male erdrücken. Platzangst ergriff
sie, und sie spürte, daß ihr schwindelig wurde. Plötzlich bekam sie keine Luft
mehr.
    Angela sah
keine Tür, und doch rannte sie blindlings auf die Stelle zu, an der sonst immer
die Tür gewesen war. Sie zeichnete sich nicht von der übrigen Wand ab, auch sie
war schwarz, aber Angela fühlte den kühlen Bronzegriff in der Hand, drückte die
Klinke herab und stieß die Tür auf…
    … und
erblickte den großen, freundlichen Saal, in den alle

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