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011 - Die Mühle des Unheils

011 - Die Mühle des Unheils

Titel: 011 - Die Mühle des Unheils
Autoren: A.F.Morland
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Er bekam keine Antwort. Sie zerrten ihn durch eine dichte, schwarze Dunkelheit, in der man kaum die Hand vor den Augen sehen konnte. Auf einen kantigen Altar zu, vor dem eine bildschöne rothaarige Frau stand. Das Gewand, das ihren geschmeidigen Körper einhüllte, war ein Blutornat.
    Earl Wadsworth wußte das, ohne daß es ihm jemand gesagt hätte.
    Die Frau wandte sich ihm zu und blickte ihn mit ihren grünen Augen durchdringend an.
    Und plötzlich wußte er noch etwas: daß das Ding, das sie fest in ihren Händen hielt, ein Seelendolch war – ein Dolch, mit dem man ihm die Seele aus dem Körper schneiden würde…
    ***
    Ein krächzender Schrei löste sich von Earl Wadsworths Lippen.
    Weit riß er die Augen auf. Er schnellte hoch und starrte in die Finsternis.
    Allein.
    Er war allein. Niemand hielt ihn fest. Es gab die grausame Frau im Blutornat nicht. Der Seelendolch existierte nicht, und auch nicht die dämonischen Schatten.
    Es war ein schrecklicher Alptraum gewesen. Wadsworths Herz klopfte immer noch heftig gegen die Rippen, und Schweißtropfen rannen ihm über das Gesicht.
    Er bemühte sich, ruhiger zu werden, drehte sich zur Seite und knipste das Licht an. Er hatte Angst vor dem Rest der Nacht. Er befürchtete, daß sich der quälende Traum fortsetzen würde, wenn er weiterschlief.
    Nervös zündete er sich eine Zigarette an. Seine Hände zitterten.
    Wadsworth war fünfundvierzig. Ein gutaussehender Mann, der auf seine Gesundheit achtete, regelmäßig Sport betrieb, weder zuviel aß noch zuviel trank. Einmal wöchentlich schaltete er einen Apfel-Joghurt-Tag ein, um zu entschlacken. Seine Liebe verteilte er gerecht auf seine Tochter Gena und auf seinen Beruf. Er war ein bekannter Antiquitätenhändler. Sein Spürsinn für wertvolle Dinge, die gut an den Mann zu bringen waren, hatte ihn reich gemacht.
    Es war nun nicht mehr erforderlich, daß er ständig in London weilte. Die vier Geschäfte, die er da in vornehmen Bezirken besaß, wurden von zuverlässigen Kräften betreut. Er kümmerte sich nur noch um die prachtvollsten und wertvollsten Stücke und führte die Verhandlungen mit schwierigen Verkäufern, die den Wert der Gegenstände, von denen sie sich zu trennen beabsichtigten, oft viel zu hoch einschätzten.
    Wadsworth war ein geschickter Taktiker. Im Handeln war er unschlagbar. Bisher hatte er noch jedes Ziel, das er sich steckte, erreicht.
    Er besaß einen Bungalow in Wales, ein Apartment in Liverpool, eine Garçonnière in Paris und ein Haus in Alton, nicht ganz hundert Kilometer von London entfernt.
    Hier befand er sich mit seiner Tochter zur Zeit, um den Frühling beim Erwachen zuzusehen.
    Das alte Haus, das er unter seinem Wert erwerben konnte, sollte eine mysteriöse Vergangenheit haben, hieß es, aber Wadsworth war nicht abergläubisch. Die Leute im Dorf reden viel. Je schauriger, desto lieber erzählen sie’s weiter. Angeblich sollte der einstige Besitzer des Hauses eines Tages den Verstand verloren und seine Familie ausgerottet haben.
    Draußen, unter der alten Eiche, sollte es geschehen sein. Ein furchtbares Gemetzel. Anschließend sollte der Mann sich selbst das Leben genommen haben. Seither trug die Eiche den Namen »der Todesbaum«.
    All die Greuelgeschichten, die im Umlauf waren, hatten Earl Wadsworth nicht davon abgehalten, das schön gelegene Haus zu kaufen. Man hatte ihm in Alton davon abgeraten, doch er war über alle Warnungen mit einem Schulterzucken hinweggegangen.
    War das vernünftig gewesen?
    Wadsworth rauchte die Zigarette zu Ende.
    Hatte der peinigende Traum mit diesen alten Spukgeschichten zu tun? Griff eine unbekannte Macht nach ihm? Wollte sie nun ihn verrückt machen? War dann seine Tochter in Gefahr?
    Er schüttelte heftig den Kopf.
    Unsinn! dachte er. Du versteigst dich da in etwas… Wegen eines einzigen Alptraums. Du hast dich doch noch nie vor Gespenstern und unheimlichen Geschichten gefürchtet. Warum sollte sich an deiner Einstellung plötzlich etwas ändern?
    Er verließ das Bett. Der Pyjama klebte an seiner Haut. Er zog ihn aus.
    Bevor er in dieses Haus eingezogen war, hatte er es von Grund auf umbauen lassen, ohne am alten Kern oder an der angenehmen Atmosphäre des Gebäudes etwas zu verändern. Nun verfügte das Haus über die Annehmlichkeiten der Neuzeit – Bad, Klimaanlage, Elektronikherd –, ohne daß sie einem auf Schritt und Tritt ins Auge sprangen. Sie waren vorhanden, man konnte sich ihrer bedienen, aber sie waren niemals aufdringlich.
    Wadsworth begab
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