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0107 - Die Bestie von Manhattan

0107 - Die Bestie von Manhattan

Titel: 0107 - Die Bestie von Manhattan
Autoren: Die Bestie von Manhattan
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Wir hatten die Schlinge gelegt und hofften, dass sich die Gangster darin verfangen würden.
    Phil sah auf seine Uhr.
    »Es ist gleich acht«, sagte er.
    Ich warf meine Zigarette zum Seitenfenster hinaus.
    »Dann müsste er bald aufkreuzen, wenn er überhaupt kommt«, brummte ich.
    Wir schwiegen.
    Seit einer Stunde standen wir mit dem Jaguar auf einem Parkplatz an der Ecke Achte Straße - Vierte Avenue. Es war Mittwoch. In den letzten neun Wochen waren viermal von diesem unbewachten Parkplatz Autos gestohlen worden. Eigenartigerweise immer an einem Mittwoch, und jedes Mal war es abends zwischen sieben und zehn Uhr gewesen.
    Der Parkplatz wurde von einer Hauswand begrenzt. Die drei anderen Seiten umschlossen Pfähle, die untereinander mit Ketten verbunden waren. Wir hatten eine der Ketten ausgehängt, sodass wir von unserem Standort aus sofort auf die Straße gelangen konnten, ohne auf die offizielle Ausfahrt angewiesen zu sein.
    »Ob es mehrere sind?«, murmelte Phil.
    Ich zuckte die Achseln.
    »Keine Ahnung, Phil. Aber ich glaube es nicht. Autodiebstahl ist meistens die Arbeit von einzelnen.«
    »Stimmt«, nickte Phil. »Aber im Hintergrund muss mindestens ein Abnehmer vorhanden sein, der die Wagen umfrisiert, neue Nummernschilder liefert, gefälschte Papiere und so weiter.«
    »Sicher. Aber die Leute im Hintergrund werden sich an der Schmutzarbeit des Stehlens kaum beteiligen.«
    Es war zwölf nach acht, als Phil mich anstieß.
    »Da vorn!«, raunte er.
    Ich blickte über die Reihen der geparkten Fahrzeuge hinweg.
    Etwa drei Reihen weiter vorn ging ein junger Bursche durch die Reihen.
    Er trug eine rote Lederjacke und darunter einen hellen Pullover. Vielleicht weiß, vielleicht gelb, die Farbe war in der Dämmerung nicht zu erkennen. Auch von seinem Gesicht konnte man nicht genug sehen. Das Zwielicht der Abenddämmerung wurde immer düsterer, sodass man sich anstrengen musste, wenn man die Gestalt überhaupt wahrnehmen wollte.
    Er sah sich ein paar Mal sichernd nach allen Seiten um.
    Dann beugte er sich ein wenig vor und hantierte irgendwo.
    »Er prüft, ob ein Wagen abgeschlossen ist«, flüsterte Phil.
    Ich nickte. Wir warteten.
    Nach kurzer Zeit richtete sich der Bursche wieder auf.
    »Pech gehabt«, grinste ich. »Wagen mit abgeschlossenem Spezialschloss. Wird ja neuerdings auf Wunsch eingebaut.«
    Der Bursche ging weiter. Noch einmal blieb er stehen und beugte sich vor. Wir sahen an den leichten Bewegungen seiner Oberarme, dass er mit den Händen irgendwie beschäftigt war.
    Dann bückte er sich tiefer und war auf einmal aus unserem Gesichtskreis verschwunden.
    »Jetzt hat er einen gefunden«, murmelte Phil.
    Ich schob den Fuß aufs Gaspedal und gab die Handbremse frei.
    Vor uns flammte Licht auf. Er hatte die Scheinwerfer eingeschaltet.
    Phil rutschte zurück und setzte sich zurecht. Jetzt hörten wir von vorn das Aufbrummen eines Motors. Und da sahen wir auch schon, wie sich ein dunkler Mercury durch den Gang zwischen den geparkten Fahrzeugen schob.
    Ich startete. Mit einer scharfen Kurve war ich auf der Straße. Im gleichen Augenblick kam er mit dem gestohlenen Mercury zur Ausfahrt heraus.
    Ich gab Blinksignal.
    Er kümmerte sich nicht darum. Mit Vollgas raste er die Vierte Avenue hinunter und dann in die Bowery.
    Phil rieb sich die Hände.
    »Zeig ihm mal, was dein Schlitten kann!«, sagte er.
    Ich drehte langsam auf.
    »Sirene!«, rief ich Phil zu.
    Der Verkehr war so dicht auf der Vierten, dass unser Tempo eine Gefahr für uns und die anderen Verkehrsteilnehmer darstellte. Phil schaltete die eingebaute Polizeisirene ein. Im Handumdrehen hatten wir die Mitte der Straße vor uns völlig frei von Fahrzeugen.
    Der Mercury allerdings auch. Neunzig Meilen sind eine verteufelte Sache, wenn Sie damit durch Manhattan brausen wollen.
    Auf der geraden Strecke holte ich den geringen Vorsprung, den er am Anfang gewonnen hatte, spielend auf. Unaufhaltsam kam ich näher. Aber plötzlich bog er in die Canal Street ein.
    Einige Millimeter Profil gingen verloren, als ich den Jaguar nachriss. Wie die Verrückten hetzten wir durch die Straße. Unsere Sirene heulte ununterbrochen. Auf den Kreuzungen stockte der Verkehr, um unsere wilde Jagd durchzulassen.
    »Soll ich schießen?«, rief Phil fragend.
    Ich schüttelte den Kopf.
    »No! Das bleibt uns noch immer. Bei dem Tempo hast du ohnehin kaum Aussichten, ihn zu treffen. Könnte höchstens sein, dass irgendein Unschuldiger einen Querschläger abkriegt.«
    »Okay. Wie lange

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