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0101 - Drei Lastwagen voll Rauschgift

0101 - Drei Lastwagen voll Rauschgift

Titel: 0101 - Drei Lastwagen voll Rauschgift
Autoren: Delfried Kaufmann
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Mit Sicherheit wußten wir nur das eine: fünfzehn Zentner Rauschgift, auf drei Lastwagen verteilt, befanden sich in New York.
    Diese immense Ladung hatte Tote gekostet, bevor nur ein Gran davon in die Hände eines Süchtigen geriet.
    Irgendwer hatte die drei Lastwagen noch rechtzeitig aus unserer Reichweite gebracht, und da es niemand von Rettings Verein gewesen sein konnte, mußten wir die Leute woanders suchen.
    Wissen sie, es machte mich ziemlich nervös, diese Riesenmenge Rauschgift , innerhalb der Grenzen der Staaten zu -wissen. Bei allen unseren Bemühungen, dem Rauschgifthandel und damit der Rauschgiftsucht Herr zu werden, geht es uns nie darum, den einzelnen kleinen Händler zu fassen. Diese Burschen kassieren wir gewöhnlich nebenbei. In erster Linie kommt es uns auf die Großlieferanten an, auf die Männer, die das Höllenzeug in großen Mengen ins Land schaffen, und damit das grausame Geschäft mit der Sucht überhaupt möglich machen.
    Denn der Rauschgifthandel stirbt aus, wenn es gelingt, ihm die Zufuhr neuer Ware abzuschneiden, und er blüht, wenn große Mengen des Giftes vorhanden sind, die sich in Tausende, immer feiner und feiner werdende Kanäle über das Land verteilen können. Und fünfzehn Zentner sind eine höllische Menge, mit der gewissenlose Gangster die Sucht auf Jahre hinaus speisen können.
    Klar, daß wir enorm scharf darauf waren, das Giftzeug zu kassieren, bevor es verkauft und verteilt werden konnte. Jeder von uns beim FBI wußte, daß es eine höllische Plackerei geben würde, wenn es uns nicht gelang, das Zeug in seiner Gesamtheit zu schnappen.
    War es erst einmal verteilt - hier fünfundzwanzig Pfund, dort hundert, dort zweihundert -, dann mußten wir es uns pfundweise zusammenklauben, und manches Pfund würden wir nicht mehr auftreiben können.
    Terrence Retting hatte keine Aussichten mehr, sich an dem »Schnee«, den er ins Land geschmuggelt hatte, die Hände zu vergolden. Aber die Leute, mit denen er zusammengearbeitet hatte und die es verstanden, sich die Lastwagen mit der gefährlichen und kostbaren Ladung zu sichern, diese Leute hielten jetzt die Hand am Drücker.
    Ich wußte ziemlich genau, wo diese Leute zu suchen waren.
    ***
    Ich fuhr in der Nacht nach Roger Harpers Tod zum Jefferson-Park.
    Zu meinem Erstaunen brannte die Leuchtreklame. Ein Portier beeilte sich, mir die Tür zu öffnen. Alles war unverändert wie zu einer Zeit, in der Hilton seine Bar noch selbst leitete.
    Ich ging in den Hauptraum. Nur wenige Gäste saßen an den Tischen rings um die Tanzfläche. Wer besucht schon mit Genuß eine Bar, deren Besitzer vor runden drei Wochen umgelegt wurde, während die Tanzmusik spielte? An der Bartheke hockten, wie die Spatzen auf einer Telegrafenleitung, sechs Männer, die mir den Rücken zudrehten.
    »Hallo, Boys«, sagte ich laut.
    Als wären meine Worte ein militärisches Kommando, so drehten sich die Männer um.
    Ich kannte sie alle. Jeder von ihnen war einmal ein Mitglied der Hilton-Bande gewesen. Zu welcher Gang gehörten sie jetzt? Da saß Ted Roon, der Riese mit dem Doggengesicht, den sie »Little Ted« nannten.
    Neben ihm sein Freund, der schmale, windige Carlo Stuzzi, genannt »die Ratte«. Es folgte Pen Freeman, der aussah wie ein Bankbeamter, aber mit einer Pistole umgehen konnte wie ein Jongleur mit seinen Bällen. Neben ihm hockte Aldo Razzoni, der »schöne Aldo«, braunhäutig, schwarzhaarig, mit einem Gesicht wie ein Räuberhauptmann, und das war er ja auch.
    Ganz das Gegenteil von Aldo war Fran Stannow. Sie nannten ihn »Sween«. Stannow fürchtete jede Art von Flüssigkeit mit Ausnahme von Whisky. Kein Wunder, daß er sich nur ungern wusch.
    Als letzter der Reihe saß Ray Dexter, mager, farblos, leicht übersehbar, wenn nicht der sterbende Blick seiner tief in den Höhlen liegenden Augen auffiel.
    Keiner der sechs Männer beantwortete meinen Gruß. Für einen Augenblick schien mir, als flackere so etwas wie Furcht über ihre Gesichter, aber dann grunzte mich der Riese Roon an:
    »Hau ab, G-man! Mir schmeckt der Whisky nicht mehr, wenn ich dein Gesicht sehe.«
    »Wir haben uns doch schon einmal freundlich miteinander unterhalten, Teddy«, antwortete ich.
    Er wußte genau, was ich meinte. Er, Stuzzi und ich waren in der Wohnung des Privatdetektives einmal aneinandergeraten. Roon war der Zusammenprall nicht gut bekommen.
    Er erinnerte sich.
    »Wenn du es noch einmal versuchen willst«, grollte er, »dann soll’s mir recht sein, aber dieses Mal soll keiner

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