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0079 - Wir hetzten den Kobalt-Boß

0079 - Wir hetzten den Kobalt-Boß

Titel: 0079 - Wir hetzten den Kobalt-Boß
Autoren: Wir hetzten den Kobalt-Boß
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schieben. Von hier aus konnte er das Bestattungsinstitut übersehen, in dem der tote Gangsterboß aufgebahrt lag.
    Der prächtige Leichenwagen stand schon da, mit sechs schwarzbehangenen Pferden davor. Wenn sie mit den Köpfen nickten, wippten schwarze Federbüsche.
    Auch eine Reihe von chromfunkelnden Limousinen war versammelt, deren Insassen dem Toten das letzte Geleit geben wollten.
    Der Leichenwagen war mit Blumen bedeckt. Prächtige Kränze lagen auf dem Dach, und der ganze Fußboden vor dem Institut war mit Lilien bestreut. Abgesehen von der unpassenden Nachbarschaft sah es eher nach der Beisetzung eines New Yorker Citykönigs aus als nach der eines Gangsters.
    Der Tramp spitzte die Ohren.
    »Ich bin neugierig«, sagte jemand hinter ihm, »was Tom the Mex macht. Eigentlich nett von ihm, auch dabeizusein.«
    »Ist er denn da?« fragte ein anderer.
    »Klar. Ich sah ihn aussteigen und mit einem tollen Kranz reingehen. Um ihn herum natürlich seine Leibwache.«
    »Kostet nichts, sieht gut aus. Ein Toter ist kein Konkurrent mehr. Red O’Leary ist aufgefahren und schäkert jetzt mit den Engelchen.«
    »Wer hat ihn denn umgelegt?« fragte Jim Motley über die Schulter.
    »Jemand mit ’ner Pistole.«
    Alles lachte.
    »Ich bin hier fremd«, sagte der Tramp wie zur Entschuldigung.
    »Dann wäre es besser für dich, mein Junge«, erwiderte der Mann hinten, »du würdest nicht viel fragen. Hier ist allzu große Neugierde gefährlich. Merk dir das, falls du noch etwas in Buffalo bleiben solltest.«
    »Werd’s mir hinter die Ohren schreiben.«
    »Schon ’nen Job? Oder soll’s weitergehen über die Grenze?«
    »Vorläufig will ich ein paar Wochen hierbleiben. Einen Job hoffe ich zu bekommen. In Joes Inn in der Percy Street.«
    Zuerst sagte der Mann hinter ihm gar nichts. Dann meinte er lakonisch: »Beim alten Joe wirst du mehr erfahren, als dir gut ist.«
    Bewegung entstand. Alles reckte den Hals. Aus dem Beerdigungsinstitut trat ein kleiner, etwa fünfundzwanzigjähriger Bursche heraus mit einem herrlichen Strauß Osterlilien. Er war schwarz gekleidet und sah aus wie ein Südländer. Es war Tom Robles, genannt the Mex — der Mexikaner. Hinter ihm kam der von sechs Männern getragene Sarg. Er war mit purpurner Seide und schneeweißen Alpenveilchen bedeckt.
    Tom Robles hatte das Gesicht eines Filmschauspielers, für den sich Teenager begeistern. Seine Hautfarbe war dunkel, die Augen ebenfalls. Seih Haar lag glatt nach hinten gekämmt wie eine Badekappe aus schwarzem Lack.
    Ehrerbietig und feierlich trugen sie den Sarg bis zur Straße, jedoch so langsam, daß die vielen Pressefotografen ihre Aufnahmen machen konnten. Tom the Mex schien sich keineswegs davor zu drücken. Im allgemeinen haben es Gangster nicht gern, wenn jedes Kind ihre Gesichter kennt. Die Zuschauer waren von dieser Schau offensichtlich beeindruckt. Das Schweigen lag so schwer auf der Straße, daß die Menschen wortlos und steif dastanden.
    Doppelt — dreifach unerwartet ratterte eine Maschinenpistole. Das häßliche Geräusch zerriß das drückende Schweigen. Es kam aus einem hochgelegenen Fenster, und einige Kugeln fuhren in den blumenbedeckten Sarg, den die sechs Träger mit einem dumpfen Poltern fallen ließen, um sich in Sicherheit zu bringen.
    Zwei weitere Garben durchpeitschten die Schlucht der Straße. Aus der Zuschauermenge kam ein jähes Angstgeschrei. Jeder war bemüht, sich davonzumachen.
    In einer halben Minute war die Straße auf fünfzig Meter in beiden Richtungen leer. Jim Motley war geistesgegenwärtig in eine Türnische gesprungen. Von hier aus konnte er den Schauplatz übersehen, ohne befürchten zu müssen, von einer Kugel getroffen zu werden. Voller Interesse beobachtete er.
    Tom the Mex und zwei seiner Leibwächter lagen hinter dem Sarg und schossen durch Lilien hindurch auf jenes Fenster, aus dem die Feuerstöße kamen.
    Ein wenig schönes Bild bot sich den Blicken dar: Red O’Leary war aus dem geborstenen Sarg herausgerollt. Steif und feierlich lag er auf einer schneeweißen Decke von Lilien und Alpenveilchen. Über den Sargrand hinweg, zwischen grünen Blättern und weißen Blumen, jagten die Kugeln der drei Verteidiger schräg aufwärts. Rund um das Fenster spritzte Mörtel. Für Sekunden hörte das Rattern oben auf, begann dann wieder aus einem anderen Fenster — sogar aus mehreren.
    Tom the Mex und seine Wächter hielten unerschrocken die Stellung. Der schwere Eichensarg bot ihnen eine ausgezeichnete Deckung.
    Inzwischen

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