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0051 - Tod für eine Stadt

0051 - Tod für eine Stadt

Titel: 0051 - Tod für eine Stadt
Autoren: Delfried Kaufmann
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Thik Powell besaß eine kleine, nicht sehr ertragreiche Farm im westlichen Vorland von New York, ungefähr vierzig Meilen vor der Stadtgrenze. Der nächste Ort hieß Tillyway, aber seine Farm lag noch sechs Meilen abseits in einem Tal zwischen zwei sanften Hügeln.
    Während der Urlaubsreisen verkaufte Powell Milch und selbstgeräucherten Schinken an Touristen, und er hatte an der Landstraße ein Schild stehen, auf dem die Vorzüge seiner Ware und die romantischen Umstände, unter denen man sie bei ihm verzehren konnte, lobend erwähnt, der Zustand der Straße zur Farm jedoch vorsichtig verschwiegen wurde. — Im letzten Winter war das Schild von einem ausgerutschten Lastwagen umgesäbelt worden, und Powell war nicht dazu gekommen, es wieder aufzubauen. So sah er in diesem Jahr keinen der spärlichen Gäste, die ihn sonst zu besuchen pflegten.
    Eine Ausnahme hiervon machten fünf junge Leute, die sie vor einigen Monaten zum erstenmal besuchten und seitdem zwei- oder dreimal im Monat bei ihm auftauchten. Keiner von ihnen war älter als fünfundzwanzig Jahre, und sie alle kamen aus jenem Viertel New Yorks, in dem Künstler, Studenten und allerhand seltsame Gestalten bunt durcheinander hausen, viel hungern, noch mehr reden und auf die unsinnigsten Gedanken kommen. Wer Leute sucht, die für eine Verrücktheit zu haben sind, findet sie dort.
    Powell wußte das nicht. Er kannte die Jungens inzwischen mit Vornamen. Sie bezahlten die Milch und den Schinken, den sie bestellten, schliefen manchmal eine Nacht in seiner Scheune und veranstalteten bei schönem Wetter so etwas wie eine Party im Freien, indem sie ein Feuer anzündeten, wilde und düstere Lieder sangen, Gedichte vortrugen und große Reden hielten.
    Insgesamt sechsmal in dieser Zeit war nach Einbruch der Dunkelheit ein großer, schlanker Mann in einem schwarzen Wagen auf der Farm angekommen. Er trug eine dunkle Brille und einen schwarzen Bart. Bei seinem ersten Besuch auf der Farm war Powell ihm entgegengegangen und hatte nach seinen Wünschen gefragt, aber der Schwarze hatte nur mit einer herrischen und ablehnenden Geste geantwortet. Später hatten die Jungen ein Feuer auf der Koppel angezündet, die leer stand, seitdem Thiks letztes Pferd sich ein Bein gebrochen hatte und geschlachtet worden war. Powell sah die schlanke Gestalt des fremden Besuchers vor dem zuckenden Schein der Flammen stehen, während die Jungen vor ihm auf dem Boden saßen. Er sprach zu ihnen. Thik, der von seinem Wohnzimmer aus nichts verstehen konnte, schlich sich näher.
    Aber Powell war nicht weit in der Welt herumgekommen, und auch als er die Worte des Schwarzen verstand, so kapierte er doch nichts oder fast nichts vom Inhalt. Er empfand nur, daß von düsteren und drohenden Sachen die Rede war.
    »Wahrscheinlich sind sie eine Art Ku-Klux-Klan«, brummte er vor sich hin. »Was geht es mich an?« sagte er zu sich selbst mit einem Achselzucken und zog sich in seinen Ohrensessel im Wohnzimmer zurück. Bei den späteren Besuchen des Fremden, der immer unmittelbar nach seiner Rede vor dem Feuer wieder abfuhr, kümmerte er sich um das ganze Theater nicht mehr.
    ***
    Als Thik Powell an diesem Tag aus dem Stall vom Füttern kam, sah er den alten, offenen Ford über die schlechte Straße und auf die Farm zuschaukeln.
    Er wartete, bis der Wagen die Farm erreicht hatte und begrüßte die jungen Leute erfreut:
    »Hallo, Boys! Nett, euch mal wieder zu sehen. Bleibt ihr heute nacht hier?«
    »Wissen wir noch nicht«, antwortete ein schlanker Bursche mit brennenden, tief in den Höhlen liegenden Augen, dem ständig eine Strähne seines wirren, schwarzen Haares in die Stirn fiel.
    Thik mochte James, der die Rolle des Anführers spielte, nicht besonders leiden. Er empfand unbewußt sogar Furcht vor dem dunklen Burschen.
    »Kann ich euch ein Frühstück herrichten?« fragte er. »Ich habe einen neuen Schinken im Anschnitt.«
    »Später«, antwortete James. »Wir haben etwas auf deiner Koppel vor. Um elf Uhr werden wir fertig sein. Richte uns ein Frühstück für diese Zeit auf dem Tisch vor dem Haus.«
    Er gab Gas und fuhr über den Farmhof zur Koppel hinunter. Powell ging ins Haus und tat ihre Arbeit.
    Pünktlich um elf kamen die fünf jungen Männer zum Haus, setzten sich an den Tisch und machten sich über die aufgetragene Milch, Brot und Schinken her. Thik sah zu und freute sich, wie es ihnen schmeckte. Er versuchte, in ein Gespräch mit ihnen zu kommen, aber die Jungen waren schweigsamer als sonst.
    Nach

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