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005 - Festung des Blutes

005 - Festung des Blutes

Titel: 005 - Festung des Blutes
Autoren: Ronald M. Hahn
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Doch Almar antwortete nicht. Stattdessen verharrten die Schritte.
    Margoa arbeitete weiter. Vielleicht war es auch ihr Gemahl Gosseyn. Er war manchmal etwas geistesabwesend. Bestimmt hatte er sie nicht gehört. »Gosseyn?«, fragte sie. »Bist du es?«
    Erst als die Schritte unmittelbar hinter ihr erklangen, drehte sie sich um. Die Pfanne, die sie gerade abspülte, entfiel ihren Händen. Ihr Mund öffnete sich zu einem Schrei.
    Das Wesen, auf das ihr Blick fiel, war eine knochige Gestalt in eng anliegender Kleidung. Pechschwarzes, grob zusammengenähtes Leder umhüllte sie fast vollständig, auch ihren Kopf bis auf die Augen, die Margoa tückisch musterten.
    Der Fremdling hatte weder ein Gesicht noch eine ausgebildete Nase. Dort, wo die Nasenlöcher und der Mund lagen, wies die Ledermaske schmale Schlitze auf, die das Atmen ermöglichten.
    Sein Mund öffnete sich. Eine schwarze Zunge fuhrgenüsslich über halbverwest wirkende Lippen Margoa schrie. Sie brüllte mit der ganzen Kraft ihrer Lunge, doch schon Sekunden später endete ihr Schrei abrupt. Als sie spürte, wie kalte harte Finger ihren Hals packten. Ein hysterisches Kichern drang aus der Kehle des Eindringlings. Nun erst sah Margoa, dass das Wesen weiblich war.
    »F‘taghn r‘lyee«, knurrte es. Und drückte noch fester zu.
    Margoas Hände flogen wie die Fangarme eines verendenden Kraak durch die Luft. Es wunderte sie, dass sie tatsächlich etwas zu fassen bekam: ein langes gezacktes Brotmesser. Sie riss es mit letzter Krafthoch und stieß es direkt in den Brustkorb der Vermummten, die sie mit einem fast wollüstig lauernden Blick beobachtete, als sie ihr die Luft abschnürte.
    Die Klinge stieß gegen etwas Hartes.
    Knirsch. Dann brach sie ab. Margoa verlor den Boden unter den Füßen und hauchte lautlos ihr Leben aus.
    Die vermummte Gestalt ließ die Leiche mit einem verächtlichen Knurren zu Boden sinken und schaute sich schnüffelnd um. Mit eiligen Schritten näherte sie sich einer Pfanne, in der ein rohes Stück Fleisch lag. Sie roch Blut und stöhnte in unmenschlichem Tonfall auf. Wie in einem Fieberanfall rissen ihre dürren Klauen Fetzen aus dem Fleisch und stopften es durch den Mundschlitz der Maske. Blut rann an dem schwarzen Leder hinab.
    Dann drehte das Wesen sich um. Sein Blick verharrte auf Margoas hellem Hals, und es schüttelte sich in unverhohlener Gier.
    ***
    Die schneebedeckten Berghänge der südlichen Alpen türmten sich am fernen Horizont. Schroffes Gestein aller Schattierungen von Schwefelgelb bis Rosenrot ragte hinter den Ruinen Mailands auf. Ein dichter Wald umschloss das Land wie ein finsterer Gürtel.
    Matt Drax seufzte, als sein Blick auf das fiel, was von der alten Stadt übrig geblieben war. Er fragte sich, wie die Universitäten, Hochschulen, Akademien und Museen wohl heute aussehen mochten. Vor einigen Jahren {Jahrhunderten?} hatte er im Deutschen Fernsehen eine TV-Dokumentation über die Stadt gesehen. Er erinnerte sich noch gut an den alten gotischen Marmordom und die vielen Kirchen. Von zweien hatte er sogar den Namen behalten: San Lorenzo und Sant‘ Ambrogio.
    In seiner Zeit war Mailand ein bedeutendes Finanz, Handels, Industrie, Verlags und Messezentrum gewesen.
    Aber jetzt…
    Die Reifen des Hummer Jeeps bahnten sich knirschend einen Weg über Geröll und abgebrochene Zweige. Letzte Nacht war ein heftiger Sturm über Norditalien hinweggefegt und hatte etliche Bäume umgeknickt. Matt und Aruula hatten eine unruhige Nacht im Schutz einer Erdkuhle verbracht.
    Der Motor schnurrte. Matt warf einen kurzen Blick nach hinten und musterte seine Begleiterin.
    Aruula schlief auf der Rückbank den Schlaf der Gerechten. Seit ihrem Aufbruch vom Kraterdorf der Ausgestoßenen waren sie gut vorangekommen, Nichts hatte die Fahrt gestört wenn man von der beschissenen Straßenlage absah.
    Irgendwo hier im Norden Italiens musste sich sein Fliegerkamerad Hank Williams aufhalten. Seinen Vornamen hatte er der Vorliebe seines Vaters für den Sänger Hank Williams zu verdanken. Aber sein berühmter Namensvetter war ebenso tot wie die Vergangenheit, in der sie einander zuletzt gesehen hatten: hoch über der Erde, in modernen Stratosphärenjets, Sie hatten einen Kometen beobachtet, der sich rasend schnell der Erde näherte. Für Matt war all dies zwar erst zehn Wochen her, aber bei all dem Unfassbaren, was er in dieser Zeit erlebt hatte, wagte er sich kaum auszurechnen, um wie viele Jahrhunderte die Druckwelle
    ›Christopher- Floyds‹ ihn in die

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